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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-30 · Heft 18 (30.4.1849) · p. Seite 242

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 18 (30.4.1849)
Date
1849-04-30
Page
Seite 242 (sequence 10)
Language
German
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242 Afrika. Paris, im April. (Fortsetzung des Berichts des Großrabbinen M. Ä. Weill an das Konsistorium von Algier, über den moralischen und religiösen Zustand der Gemeinden von Blidah, Medeah und Milianah.) Ist es nun noch nöthig, meine Herren, auszuführen, daß wir uns nicht genug beeilen können, tiefe Reformen in diesem Hauptpunkte hervorzurufen? Die Religion und die Zivilisation erfordern sie gleichmäßig. Hat nicht die Religion das Gebet an die Stelle der Opfer gesetzt, und jenes daher mit all den zahlreichen und strengen Bedingungen umgeben, deren Unterlassung diese (die Opfer) als unreine Gaben verwarf? Will die Religion nicht, daß das Gebet rein und fleckenlos sei? Fordert sie nicht die Reinheit des Körpers und des Geistes und des Ortes, wo das Gebet geschieht? Verlangt sie nicht, daß das Heiligthum des Gebetes paffend,'anständig, imposant heilig sei wie der Altar, wo das Blut der Stiere rauchte? Tadelt, verwirft sie nicht als eine Entheiligung Alles, was die Abschwächung des religiösen Gefühles bewirken kann? Und die Zivilisation, die nichts Anderes ist als die Veredelung aller Gefühle, Sitten, Ideen und Handlungen, kann wahrlich sich nicht an dem Anblick der Erniedrigung dessen erfreuen, was das Erhabenste im Menschen, in seinem Verhalten gegen die Gottheit ist. Was die Pflicht über die Würde des Kultus zu wachen, sei es hier, sei es in ganz Algerien, uns noch verdoppelt, das ist die Stellung, die wir zur Seite und in der Mitte der beiden großen Kulte einnehmen, welche, mit dem Judenthum, sich die Welt gctheilt haben. Das größte Verbrechen in den Augen der Religion, das ist den Namen Gottes im Angesichte der Nationen zu verletzen (uwn bibii); und dies ist eine Entheiligung, eine Verletzung der heiligen Dinge, wenn wir diese durch eine traurige Gleichgiltigkeit von der Verachtung erreichen laffen. — In Bezug auf das moralische und soziale Verhalten ist der Zustand dieser Gemeinden derselbe geblieben. Weder ihre Ideen, noch ihre Sitten, noch ihre Gewohnheiten haben bei der Berührung mit dem französischen Element, mit welchem sie jedoch, weder im Handel, noch in der Gesellschaft, noch' wenig zu schaffen haben, irgend eine Veränderung erfahren. Nichtsdestoweniger hat zu Blidah, wo die europäische Bevölkerung und das Beamtenpersonal beträchtlich sind, ein Fortschritt stattgefunden. Die Israeliten dieser Stadt haben schon angemessenere Formen. Einige sprechen französisch. Aber in Medeah und Milianah sind sie vollständig noch heut«, was sie vor der Eroberung waren. Sie haben da gar kein Verhältniß zu den Franzosen. Sie haben ihre Geschäfte mit den arabischen Stämmen der weiten Ebene des Chötif. Daher trifft man da selten einen oder zwei, die einige Worte unserer Sprache verstehen. Gerade in diesen Orlen müssen wir daher französische Schulen errichten; und wenn man uns in den gegenwärtigen schwierigen Zuständen den Mangel an finanziellen Mitteln entgcgenstellen wird, so könnte uns der Chef des öffentlichen Unterrichts eine Maßregel zugestehen, die wenig kosten und leicht auszuführen fein würde: nämlich ein französischer Unterricht von zwei Stunden in den Midraschim oder jüdischen Schulen durch die Lehrer an diesen drei Orten. Ich habe diesen Vorschlag dem Herrn Rektor gemacht, der die Sache untersuchen wollte, und in diesem Augenblicke bereits zur Ausführung schreitet. Es sind dies die allgemeinen Beobachtungen, und ich gestatte mir nun in das Einzelne dieser drei Gemeinden einzugehen. (Schluß folgt.) Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Hamm, Marz 1849. Das Armenwesen. (Schluß,) Auch darf man, so man die Juden des Handels entwöhnen will, nicht ausschließlich und jedesmal nur an ein Handwerk denken. Oft fehlt dazu sowol die spezielle Lust, wie Kraft, und die Neigung zum Studium, zu Kunst »der Wissenschaft ist größer, als der Trieb und die Fähigkeit zum technischen Fache. Da aber sind eines Theils den Juden noch nicht überall, oder doch erst seit der allerjüngsten Zeit, Wege und Zutritt geöffnet, andern Theils tritt da nicht allein drückende Armulh, sondern schon die gewöhnliche Mittellosigkeit der Juden hindernd entgegen. Es ist freilich in letzterer Zeit ln diesen Zustande» Vieles durch Belehrung, Aufmunterung und Unterstützung

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