Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1849)
- Date
- 1849-04-30
- Page
- Seite 237 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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237 endlich erreicht zu haben, hat bei den hiesigen Israeliten den Wunsch erzeugt, dieses Ereigniß durch ein im Geiste dieser Zeit gedachtes und der Wichtigkeit desselben würdiges Denkmal zu verewigen. In diesem Sinne bot sich vor Allem die Errichtung einer großen, die Gesammtbevölkerung dieser Stadt umfassenden Stiftung für Freiwohnungen als ein angemessener und der allgemeinsten Anerkennung sicherer Gegenstand dar. Eine solche, von uns Israeliten ausgehende Stiftung würde es klar an den Tag legen, daß wir unsere Angelegenheit als durchaus mit dem Wohle der sämmtlichen Staatsangehörigen verflochten betrachten, und daß wir in dem Freiwerden einer Klasse — der unsrigen — nur einen Theil erblicken von der Lösung der großen Aufgabe: die Segnungen einer ausgcbildeten Humanität über alle Genossen zivilisirter Staaten zu verbreiten. Denn wir machen kein Hehl daraus, daß wir, wenn unser Streben gelingt, annehmen zu dürfen glauben, daß unser Beispiel auch außerhalb dieser Stadt Nachahmung finden wird und daß wir auf diese Weise dazu beitragen werden, die unbemittelten Klassen einer bessern, sorgenfreiern, würdigem Zukunft zugeführt zu sehen. Zunächst haben wir jedoch die Möglichkeit vor Augen, in einer gegebenen Reihe von Jahren den meisten, vielleicht allen hilfsbedürftigen Bewohnern Hamburgs auf ihre ganze Lebenszeit völlig miethfreie Wohnungen zu verschaffen. Durch eine harte Schule gegangen und unserer großen Mehrzahl nach wenig geneigt, uns weitschichtigen Theorien zuzuwenden, sind wir deutsche Juden vielleicht in dieser Zeit besonders befähigt, den Finger auf die Wunden unserer Mitmenschen zu legen und zu sagen: hier ist der Sitz der Krankheit, hier muß und hier kann geholfen werden. Wir haben eine solche kranke Stelle erkannt in der beständigen Sorge der unbemittelten Familien für Obdach und für Wohnung, und wir glauben, daß die Heilung dieser Stelle auch die Heilung des ganzen Körpers herbeiführen kann. Das Hauptmittel zur Erreichung unsers Zwecks soll in einer immerwährenden wöchentlichen Schillingssammlung, organisirt nach Art einer hier bereits vorhandenen, bestehen, und zu gleicher Zeit soll eine ebenfalls fortwährende Subskription von Schenkungen an Kapital eröffnet werden. Beide aber wünschen wir, eingedenk der glücklichen Veranlassung, durch Juden in's Leben gerufen und auf die ersten Stufen fester Begründung gebracht zu sehen, und es ist daher die Absicht, das größere Publikum erst dann aufzufordern, wenn die Erledigung dieses Punktes hinlänglich gesichert ist. Das Verlangen nach dem Ruhm wirklicher Erfinder und Begründer glauben wir nach allen Seiten hin vollkommen verantworten zu können. Außerdem soll indessen auch ein Monument im engern Sinne dieses Worts der Stiftung einverleibt werden. Die als erste Grundzüge der Anstalt selbst adoptirten Artikel halten sich genau an das Allernothwendigste und reserviren die eigentliche Organisation, insbesondere der Schillingssammlung, der Gesellschaft selbst, sobald sie sich konstituirt haben wird. So trete denn mit dem heutigen Tage die neue Stiftung aus dem Standpunkt eines Projekts in den ihrer ersten Lebensperiode und der Stamm einer zahlreichen Assoziation werde gebildet indem wir sofort die Subskription vorberciten. Hamburg, den 22. April 1849. Hamburg, den 9. April 1849. Kommissionsbericht. Die in der Versammlung vom 17. März zurFormulirung der Grundzüge des Plans für einen monumentalen Verein zur Stiftung von Freiwohnungen erwählte Kommission hat sich über die folgenden Punkte vereinigt, und entledigt sich hiemit des Auftrages, ihre Arbeit sofort einer größern, aus präsumtiven Beförderern des erstrebten Zwecks berufenen Versammlung nach Boranschickung des obigen Aufrufs vorzulegen. Die damals zu Grunde gelegten Beschlüsse, nämlich die Bestimmungen, daß wir eine Stiftung ausschließlich für ganz miethfreie Wohnungen zu begründen haben, daß diese Freiwohnungen ein Denkmal der Emanzipation der ^Juden, und daß die wesentliche Einnahmsquelle eine immerwährende Schillingssammlung sein soll, haben der Kommission genau den zu verfolgenden Weg angewiesen und so ist sie denn zu den folgenden näheren Bestimmungen gelangt, die sie hiemit zur Berathung vorlegt. Um zuvörderst eine Uebersicht des Ganzen zu gewähren, geben wir unsere Beschlußnahmen in ununterbrochener Reihe und lassen die Motive darauf folgen. Art. 1. Als Denkmal der erfolgten Emanzipation der Ju-