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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-30 · Heft 18 (30.4.1849) · p. Seite 236

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 18 (30.4.1849)
Date
1849-04-30
Page
Seite 236 (sequence 4)
Language
German
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236 sie einen gesinnungstüchtigen und redlichen Mann wählen! Ad 5 a) hätten wir gewünscht, daß der Beschluß der Borversammlung in Betreff des Zeitpunkts der Synode aufrecht erhalten würde. Gerade die bewegte Zeit, in der der Zndifferentismus aus seinem Schlummer aufgerüttelt wird, in der Alles zum Fortschritt mahnt, wird der Synode günstig. Will man abwarten, bis die politischen Wirren ein Ende haben — und wer kann das Ende voraussehen, und wie die Verfassung Deutschlands sich gestalte — dann wird Mancher sich der errungenen Ruhe erfreuen wollen, bei Manchem wird wieder Zndifferentismus Platz greifen, manche Gemeinde wird vielleicht schon aufgelöst sein, und in mancher wird der jüdische UltramontaniSmus (sit venia verbo) sein Unwesen treiben. Darum rasch an's Werk, nur nicht selbst verzagt am Gelingen des heiligen Werkes, wenn sich auch Anfangs Schwierigkeiten in den Weg stellen! -SLa ‘■jrrwtt'i trm!n«a rmj1’ ‘jrvnnNi Dr. Werner. Wallerstein, im April. (Privatmitth.) Wie oft ist schon auf die Gefahren der zu frühen Beerdigung hingewiesen worden! In Baiern ist es sogar gesetzlich verboten, vor 48 Stunden nach dem Ableben Jemanden zu bestatten. Und sollte man glauben, daß noch eine israelitische Gemeinde existirte, und noch dazu eine sogenannte fromme Kehila, in der dieser abscheuliche, ja gottlose Mißbrauch, die Verstorbenen so schnell als möglich zu beerdigen, noch in voller Blüte ist? Und dennoch ist es so in der Gemeinde H.! Wir wollen hier nicht mit dem dortigen Rabbiner rechten, daß er diesem Unwesen nicht steuert und lieber in Ruhe lebt, auch nicht mit dem Gerichtsarzte, an den wir an einem andern Orte die Frage stellen würden, wie er seine Nachsicht in dieser Beziehung mit seiner Pflicht vereinigen kann, sondern an den gebildeten Theil der dortigen Israeliten wenden wir uns mit der Aufforderung, dahin zu wirken, daß der unjüdische abscheuliche Brauch aufhöre! Lesen wir ja selbst im Talmud, daß sie drei Tage lang die Tobten unter Aufsicht hielten, bevor sie das Begräbniß Vornahmen. hin rips« itojd 'a tpnan bs '■npis na s'intn am -rbirs iner ,na bhm a^a® rib tp (nna® 'oa) Sagt ja der Talmud Viiaab twba, und gitbt cs eine größere Ehre für den Verstorbenen, als die Hoffnung, den noch nicht ganz erloschenen Lebensfunken wieder angefacht zu sehen! Und wenn unter einer Million Begrabener auch nur einScheintodter sich befunden hätte, welch'schrecklicher Gedanke! Und doch kann man die Möglichkeit des Scheintodes nach den Zeugnissen der Aerzte, der Erfahrung und des Talmud nicht leugnen. Das einzig sichere Kennzeichen des Todes ist nach dem Ausspruch der bewährtesten Aerzte so wie wieder des Talmud (ek. Nida, cap. 10) dieVerwesung. Wir unterlassen es, näher auf diese schon oft besprochene Materie einzugehcn und verweisen auf das treffliche Schriftchen: „Kritisches Sendschreiben über das bisherige Verfahren mit dem Sterbenden bei den Israeliten rc. von vr. E. Altschuhl in Prag" (Prag 1846 bei M. I. Landau). vr. Werner. Hamburg» 19. April. (Eingesandt.) Seitdem wir emanzipirt sind, werden wir Bürger — das ist Alles, und was will man mehr. Da zeigt sich doch in Berlin ein anderes Leben: dort erkennt man besser was man gewonnen. Der Gemeindevorstand ist mit den Arbeiten zu einer öffentlichen Rechenschaftsablage beschäftigt, und mit der neuen Verfassung werden Aenderungen nicht zu vermeiden sein. Die Tempelgemeinde hat am Peßach durch eine Predigt des vr. Salomon einen neuen Impuls erhalten und wird ihn hoffentlich benutzen, vr. Salomon will den Tempel der Zeit anformen, und darin hat er Recht, denn das ist seine Aufgabe. Der Tempel könnte für Hamburg sein, was die Reformgemeinde für Berlin ist. Ich habe dort erst kürzlich die Ueberzeugung gewonnen, wie sehr der Gottesdienst der Reformgemeinde zeitgemäß ist, das sollte dem Tempel zur Richtschnur dienen, und Salomon wird hoffentlich jetzt nicht die Hände in den Schoß legen, vr. Frankfurter, von dem ich hörte, daß er sich jederzeit der Zeit und der Majorität zu akkomodiren versteht, wird ihn dabei unterstützen. 0. M. Hamburg, 23. April. (Privatmitth.) Ich beeile mich, Ihnen folgenden „Aufruf" zu übersenden, der soeben hier ausgegeben worden, und dessen erster Urheber der vr. med. H. M. Cohn ist. „Das erhebende Gefühl, in der Befreiung von allen bürgerlichen und politischen Hemmnissen das Ziel vieljähriger Hoffnungen, Bestrebungen und Kämpfe

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