Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-30 · Heft 18 (30.4.1849) · p. Seite 235

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 18 (30.4.1849)
Date
1849-04-30
Page
Seite 235 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225625--10145-3240178
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

235 wärmenden Strahlen als lichten Frühlingsgruß der zum neuen Leben erwachten Erde; die Flur überzieht ein herrliches Grün in mannigfachen Schattirungen, hier und da von einem goldgelben oder rosenfarbencn Blümchen durchwebt; der kleine Bach, selbst die mitunter stürmende Peene, fließt, auf ihrer Fläche die Reize der Natur abspiegelnd, plätschernd dahin; leise rauschen die Gebüsche und da droben am wolkenlcercn Himmclsdome singt der Sänger der Lüfte seinen jubelnden Sang: Frühling, Freiheit, Freude, Frohsinn, Friede tönen seine Lieder und Frohsinn, Friede hallt's im tausendfachen Echo wieder! — Nur die Seele, die hochschauende, die von hehrem Geiste erhobene, auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft blickende, die zagende, hoffende Seele schweiget, sinnet, kann nicht mit einstimmen in das Frühlingshalleluja der Natur da draußen; — ist ja im Leben da drinnen, im Heiligthum des Herzens, im Leben der Menschheit, im Leben Israels noch lange nicht blühender Frühling, noch lange nicht sonniger Morgen; sind ja der Kämpfe und Wirren, der Nebel und Wolken, so viele, so große, daß sie mit ihrem düstern, oft so dicht gewebten Schleier ach! nur zu oft, den hellblauen Himmel, den strahlenden Sonnenglanz des Lebens verdunkeln, verdecken! Nein, leuchtender Himmel, grünende Erde, Sänger der Gebüsche, nein, fröhlicher Frühling, noch kann ich nicht ganz einstimmen in deinen Sang, in deine Jubellieder; sie berühren zwar die Saiten des Herzens und es erzittern, es beben die Saiten, sie tönen mit; — aber horch genau und du vernimmst neben den Jubel- und Freudentöncn dumpfe Wehmuthstöne und dann leise, aber doch vernehmlich auch Hoffnungstöne! — JaHoffnungstöne,Hosfnungslieder, wenn du die anstimmen willst, sonniger Morgen, heiterer Frühling, dann singt die Menschheit mit, dann singt Israel mit, dann singe auch ich mit, dann tritt die Seele aus dem sie umgebenden Kreise, dann zerschellt der Geist die ihn beengenden Fesseln, dann zertrümmert er die Schranken, dann lichtet er die Nebel des Lebens und erhebt sich fern von diesem wirren Treiben hier drunten dort hinauf, wo ewiger Frühling, wo ewiger Morgen, wo die Lüge verschwindet, wo die Knechtschaft gebrochen, wo dieWahrheit blühet, die Freiheit thronet, dort hinaus, wo der heilige Chor der Seraphim ewiglich preist und lobt und begeistert und jubelnd ruft die zagende Seele, der hoffende Geist: n? nipAv ''S mvrr ,,Jch lebe, ich lebe und erzähle die Thaten Gottes! Du bist meiner ledig, theurer Leser, lebe wohl, auf Wiedersehen! — W—11. Wallerstein, im April. (Privatmitth.) sEinige Worte über die Synode.j In Beziehung aus den Wunsch des verehrlichen ständigen Ausschusses, daß dieser Gegenstand allseitig besprochen und etwaige Wünsche zu erkennen gegeben werden möchten, erlauben wir uns in Betreff einiger Beschlüsse unsere Ansichten und Wünsche zur geneigten Berücksichtigung darzulegen. Ad 2) Wenn wir auch mit dem geehrten Herrn Redakteur dieser Zeitung darin übereinstimmen, daß es gut sei, wenn die Synode nicht in das Chaos freiwillig gekommener Männer versinke, so halten wir den hier ausgestellten Begriff doch etwas zu eng gezogen. Wer besonders die kleinen israelitischen Gemeinden kennt, weiß, wie schwer es hält, die Majorität einer Gemeinde dazu zu bewegen, daß sie einen Abgeordneten schicken, um so mehr, als sie auch die Kosten bestreiten soll. Dagegen würde mancher Einzelne gern sich an einer Synode betheiligen, oder auch Mehrere in einer Gemeinde, die sich nun ausgeschlossen sehen. Deshalb glauben wir, hätten nicht blos Gemeinden und Genossenschaften vertreten sein sollen, sondern ein Jeder, der sich berufen fühlt, am Baue der Glaubenseinheit mitzuwirken, sollte Mitglied der Synode sein dürfen, oder wenigstens sollten eine Anzahl Gemeindeglieder, wenn sie auch die Minorität bilden, einen Abgeordneten zu schicken das Recht haben. Da die Beschlüsse der Synode doch nur moralische Kraft haben, so ist es im Grund einerlei, ob die Gemeinden Abgeordnete schicken, oder Einzelne freiwillig kommen; die cndgilkige Entscheidung bleibt ja doch immer den Gemeinden Vorbehalten. Ad 4 d) Hier hätten wir den Begriff „unbescholten" hinweggewünscht, da er auch bei der Wahlberechtigung wcggelassen ist. Man wird sich noch des Kampfes in der Paulskirche um dieses Wort erinnern und der Bedenken, die dagegen erhoben worden. Und hier steht er ganz nackt, ohne Definition da! Da könnte Mancher leicht einen Israeliten, der sich über einen Minhag hinwegsetzt, für bescholten erklären! Habe man doch zu den Gemeinden so viel Zutrauen, daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.