Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1849)
- Date
- 1849-04-23
- Page
- Seite 230 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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230 jedoch Schöneres geben, als gegenseitig die Ideen auszutauschen, die unser gemeinsames Interesse berühren. Macht uns auch die praktische Ausführung manche Schwierigkeiten, so ermuthigen uns eines Dichters Worte: Von der Stirne heiß Rinnen muß der Schweiß Soll das Werk den Meister loben. Indem ich mich nun der freudigen Hoffnung hingebe, daß ich von geübterer Feder bald etwas über beregten Gegenstand lesen werde, schließe ich mit den Worten Schillers: So rafft von jeder eiteln Bürde, Wenn des Gesanges Ruf erschallt, Der Mensch sich auf zur Geisterwürde Und tritt in heiliger Gewalt. Den hohen Göttern ist er eigen. Ihm darf nichts Irdisches sich nah'n Und jede andere Macht muß schweigen. Und kein Verhangniß fallt ihn an. Es schwinden jedes Kummers Falten, So lang des Liedes Zauber walten. Weimarschmieden, den 28. März 1848. Simon Hecht, Lehrer und Vorsänger. Hamm, Marz 1849. Das Armenweseu. Es ist uns in diesen Blattern schon einmal begegnet, daß unsere Ansichten mit denen des ungenannten Verfassers der Aufsatze aus Aachen zusammentrafen. Dieses Mal ist ein Aehnliches mit den Schilderungen und Vorschlägen über das jüdischeArmenwesen derFall(No. 10). Der angeregte Gegenstand kann nicht ernsthaft und eifrig genug aufgegrissen werden, weshalb wir versucht sind, Folgendes dem Gesagten hinzuzufügen. Der vorgetragene Plan hat uns bereits lange im Kopfe und Herzen gelegen. Wir beabsichtigtm anfänglich das Interesse der Regierung dafür zu erregen. Jndeß standen wir bald davon ab, in der Gewißheit, daß dieselbe zu jener Zeit keine sozialistischen Bestrebungen, am Allerwenigsten spezifisch jüdische protegiren werden. Da trat Frau Bettina v. Arnim zur Verbesserung deutscher Armenzustände mit dem Aufruf hervor, mit betreffenden Schilderungen und Vorschlägen ihr an die Hand zu gehen. Die für diese Frau bestimmte Denkschrift war schon außgearbeiret und liegt uns augenblicklich wieder vor. Jndeß zogen wir es aus gewissen Gründen vor, die Angelegenheit einer jüdischen Dame, von der wir zur Stunde nicht wissen, ob sie öffentlich genannt sein will, zu übergeben. Von dieser sind der Frau v. A. die nöthigen Mittheilungen zugegangen, jedoch ohne Beantwortung geblieben. Wir wissen nicht, ob deshalb, weil die Absicht jener Frau nicht zur That geworden, oder ob ihre Bemühungen höhern Orts ohne Erfolg geblieben sind. Diese Erzählung soll nicht dazu dienen, um den ehrenwerthen Verfasser jener Aufsätze aus Aachen die Originalität und Autorschaft seines Planes zu rauben, sondern nur anzudeuten, welchen Anklang die demselben zu Grunde liegende Idee auch in anderweitigen Kreisen zu finden geeignet ist, und wie man sich eines glücklichen Gelingens vielleicht schon im Voraus versichert halten darf. Man könnte glauben, daß in unserer Zeit vollständiger Gleichberechtigung aller Staatseinwohner, ja der angestrebten Verbrüderung aller Völker, solche separatistische Bestrebungen und apart konfessionelle Abzweigungen des Acmenwesens unstatthaft, ja verkehrt und verwerflich seien. Allein einerseits laßt es sich nicht leugnen, daß die Religion gerade der Haupthebel für die Unterstützung der Armen ist. Man macht sich daher keiner Inkonsequenz schuldig, wenn man dieselbe noch immer als einen religiösen Zweck verfolgt. Andererseits ist nicht zu verkennen, daß, wenn die Juden auch nunmehr an den allgemeinen Unterstützungsfonds der Armen betheiligt sind, diese doch gar zu häufig aus spezifisch kirchlichen Stiftungen der Christen reffortiren, so daß die Juden auch in Zukunft noch davon ausgeschlossen bleiben werden. Es ist nicht genug, auf die Dürftigkeit der Juden im Allgemeinen aufmerksam zu machen. Dieselbe ist ganz eigener Art und bedarf daher der besondern Schilderung. Sie ist groß genug, um die Liebe, das Mitteid und alle Forderungen der Humanität in Anspruch zu nehmen, und wichtig genug in ihrem Wesen und in ihren Folgen, um die Aufmerksamkeit des Staats auf sich zu ziehen. Es ist nöthig, die Größe der jüdischen Armuth zu schildern, schon weil sie christlicher Seits nicht geglaubt, geschweige vermuthet wird. Man hat das Beispiel von einzelnen reichen Juden, und je mehr der Reichthrmr dieser hervorsticht, desto eher wird er auf alle Juden über-