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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-23 · Heft 17 (23.4.1849) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 17 (23.4.1849)
Date
1849-04-23
Page
Seite 231 (sequence 11)
Language
German
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231 tragen. Auch das ausnahmsweise vorgekommene oder | ml noch vorkommende Reichwerden Einzelner durch den Handel bringt die im christlichen Publikum fast allgegemeine, aber dennoch falsche Vermuthung zu Wege, ' daß, da man die Mehrzahl der Juden im Handel sich bewegend glaubt, diese sammtlich durch denselben reich geworden seien. Ferner, weil die Juden bisher größten-! theils von der christlichen Armenpflege ausgeschlossen waren und vielleicht noch sind, unsere christlichen Mitbrüder privatim auch nicht, oder doch nur selten von dürftigen Juden um Almosen angegangen werden, glaubt man es gebe keine oder doch nur wenige Arme unter den Juden und hält unter allen Umstanden dafür, daß Jedem sein Händelchen so viel abwerfe, als er bedürfe. Wie es aber überhaupt nicht wahr ist, daß der Handel unter allen Umständen reich macht, so ist dies ganz besonders in unserer Zeit nicht der Fall, so daß, wo der Reichthum oder auch nur der Wohlstand nicht von früher her vorhanden, er jetzt fast nicht anders, als durch das Spiel des Glücks und des Zufalls in Folge blinder, riskanter Spekulationen, die ebenso leicht in die Arme der drückendsten Armuth werfen können, gewonnen zu werden vermag. Denn die gegenwärtige Ueberfüllung Ln allen Branchen menschlicher Thätigkeit ist ganz besonders beim Kaufmannsstande fühlbar, zu welchem bei der bisherigen unbeschrankten Gewerbefreiheit Jeder zugelassen werden konnte, und den er zur Noch auch ohne spezielle theoretische und praktische Vorbereitung gleichsam improvisirt. Auch ist hier einerseits der Andrang um so größer, weil Viele wirklich noch das Vorurtheil hegen, daß der Kaufmannsstand ohne Zweifel in kurzer Zeit bereichere, andererseits aber darum auch die Noch und Armuth um so häufiger, weil diese ihrem Jrrthum oft noch die letzten Reste ihres Vermögens opfern. Diese Ueberfüllung (Konkurrenz) theilt nun den an sich schon mäßigen Gewinn in unendlich viele kleinere Theile, den mancher Einzelne nur noch durch Erzielung eines großem Geldumschlags für sich vielleicht vergrößert, während er durch Herabdrücken der Preise und ähnliche Machinationen den an sich schon unbedeutenden Gewinn Anderer um Vieles noch verkleinert. Auch ist dabei nicht zu übersehen, daß m Folge der eminenten Fortschritte der Mechanik die Vortheile des Publikums zwar gestiegen, aber der Gewinn des Kaufmanns bedeutend geschmälert worden ist, indem an sich schon die Preise der nun auf neue Weise mit Maschinen angefertigten Fabrikate um Vieles tiefer fallen mußten, und der durch den Verkauf derselben bewirkte Geldumschlag, wie der Gewinn in dem Maaße geringer wurde. Ferner hat zur Aenderung der heutigen Handelszustande die höhere Moralität der Handelswelt beigetragen, die nicht mehr die Schwache und Unkenntniß des Publikums zur Uebervortheilung und somit eben großem Gewinn, wie früher, benutzen mag, zum Theil aber auch wegen des allmalig selbst urteilsfähig werdenden Publikums nicht mehr kann. Zu allem dem kommen nun noch die großen Ansprüche nicht blos des hohen, sondern auch des gewöhnlich bürgerlichen und gar ländlichen (Bauern-) Standes, die fast nur den Großhändler, welcher durch reiche Auswahl und oft wechselnde Mode- und Luxusartikel den Geschmack und die Forderungen der Zeit und Welt zu befriedigen vermag, besuchen und den Neuling oder Kleinhändler gar nicht mehr aufkommen lassen. Sind diese Uebelstande nun überall fühlbar, bei allen Gewerbe- und Handeltreibenden, und ist durch sie der Zustand des Pauperismus, wenn auch nicht allein herbeigeführt, doch erhöht worden; um wie viel mehr dann bei den Juden, welche bis vor Kurzem noch allein auf den Handel beschränkt waren. Wir können darum auch kühn behaupten, daß gewöhnlich nur da unter den Juden Wohlstand, — von außergewöhnlichem und ererbtem Reichthum sprechen wir nicht, — anzutreffen ist, wo ihrer Wenige zusammenwohnen, da aber, wo sie in größerer Menge gefunden werdest, gewöhnlich grenzenlose und Brückende Armuth unter ihnen herrscht. Man wird sagen — so lautet das gewöhnliche Urtheil der Christen — die Juden könnten aber doch jetzt zur Verhütung ihrer Verarmung sich zu einem andern Geschäfte als dem Handel wenden. Jndeß bedenke man, daß die Juden durch viele Generationen im Handel ausgewachsen und viele der noch Lebenden durch die Nothwendigkeit des Gesetzes darin erzogen sind, denn so lange her ist die Zeit noch nicht, daß die beengenden Schranken für die Juden selbst in gewerblicher Beziehung gefallen sind. Man bedenke, was in dem jungen, wenn auch frei gewordenen Israeliten, den noch der alten Zeit und Lebensweise angehörenden Eltern gegenüber die frühere Gewohnheit und das lebendige Beispiel vermag. Man rechne auch hinzu die durch die vielen Jahrhunderte der mannigfaltigsten Beschränkung entstandene geistige und körperliche Erschlaffung, den Verlust der Energie und physischen Kraft, wie der innern Lust zu technischen Arbeiten. Man vergesse einmal, daß von Juden die Rede ist und übertrage den Fall auf die Christen. Könnte

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