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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-23 · Heft 17 (23.4.1849) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 17 (23.4.1849)
Date
1849-04-23
Page
Seite 228 (sequence 8)
Language
German
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lebhaften Vorstellungen, die ich wegen der Nachlässigkeit, der Unsauberkeil an sie richtete, durch die sie das Gotteshaus entheiligen lasten, ließ man den Küster kommen, der nach vielen Schwierigkeiten und Einsprüchen aller 2Crt, endlich sich verpflichten wollte, die Synagoge einmal ... in jedem Monate zu fegen. In Milianah ist die Synagoge bei den Einfällen Abd-el-Kader's zerstört worden, und die Gemeinde hat provisorisch einen großen sehr schwarzen und sehr alten Saal für 15 Fr. (4 Thlr.) monatlich gemiethet. (Fortsetzung folgt.) Großbritanien. London, 9. April. Daß auch in England der große Grundsatz der Glaubensfreiheit, der praktisch in den drei vereinigten Königreichen Großbritaniens noch am Wenigsten Geltung hat,' immer mehr durchdringt, erweist sich aus dem Schreiben des in England hoch gehaltenen Herrn Roebuck an seine Wähler in Sheffield, aus welchem wir Folgendes entnehmen: „Ich bin selbst ein Mitglied der englischen Staatskirche. Ich wurde als ein Mitglied dieser Kirche erzogen, und nach reiflicher Ueberlegung habe ich keinen Grund gefunden, aus der religiösen Gemeinschaft, der ich als Kind und Jüngling angehörte, auszutreten. Aber dieser Entschluß war das Ergebniß meiner eigenen Ueberlegung, meines eigenen Willens, vollkommen unabhängig von der Einwirkung eines Andern. Was ich also für mich selbst in Anspruch nahm, das Recht, das ich für meine eigene Person geltend machte, ich verlange es auch für alle Anderen. Ich bleibe so gut auf der Forderung religiöser, als bürgerlicher Freiheit bestehen. Würde mein Geist durch Willkür eingeengt und nicht durch Vernunftgründe geleitet, so wäre ich viel mehr Sklave, als wenn ihr meinen Leib in Fesseln schlügt. Jeden Zwang in diesem Bereich halte ich nicht nur für unpolitisch, sondern auch für ungerecht. Ihr mögt auf diese Weise Jemand zu einem Scheingottesdienst zwingen, ihr könnt Heuchelei und Trübsinn erzeugen, aber ihr könnt nicht bewirken, daß Jemand auf Kommandowort wirklich glaubt" Herr Roebuck erklärt sich daher gegen jeden Versuch des Staats, Anstalten zur Beförderung religiöser Ansichten zu Staatsanstalten zu machen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Ueber Synagogengesang. Aus Unterfranken. Wersen wir einen prüfenden Rückblick auf den gottesdienstlichen Gesang jener Zeit, wo statt Chordirigenten trwn am Ruder standen, und sehen wir die bedeutenden Fortschritte der Jetztzeit, so laßt sich nicht verkennen, daß die Bestrebungen der Rabbinen, die den Geist der Zeit erfaßt, gewiß rühmenswerth, und Letztere allen Dank verdienen. So wie jedoch Nichts in seinem Entstehen vollkommen ist, so ist auch hier der Bau noch nicht vollendet, und erlaube ich mir deshalb, einige Winke hierüber zu geben, ohne mir jedoch einbilden zu wollen, unumstößliche Ideen niedergelegt zu haben. Der jüdische Synagogengefang theilt sich bekanntlich in zwei Haupttheile, und zwar a) in den traditionellen, und d) in den zeitgemäßen Theit. Wenn uns auch die alten Gesänge nicht besonders ansprechen und bei dem feinern ästhetischen Sinn beinahe geschmacklos worden sind, so laßt sich doch nicht verkennen, daß wir diese überlieferten Gesänge nützlich verwenden können, wenn wir blos die Grundgedanken dieser Melodieen gebrauchen, von allem überflüssigem Gejodel reinigen und in einen musikalischen Takt oder Rythmus bringen; denn es liegt doch in den alten Gesängen unstreitig so etwas Nationales, Erhabenes und Ergreifendes, das ein neuerer Kompositeur noch nicht zu geben vermochte. In diesen alten Melodieen liegt immer ein unterscheidendes Merkmal der feierlichen Würde eines jeden Festtages, was wir auch bei den gottesdienstlichen Gesängen der Christen finden. Wenn wir aber diese alten, oder besser, veralteten Gesänge so benutzen, wie wir sie geerbt haben, dann werden wir nicht nur die religiöse Erbauung nicht fördern, sondern jeden gefühlvollen Israeliten aus der Synagoge treiben. Kürze» wir aber die alten Sangweisen ab, d. h. benutzen wir nur das Eigenthümliche, den Kern derselben, ohne uns beunruhigt zu fühlen, manchen Schnörkeln die Dimmisston ertheilt zu haben, so werden wir einen doppelten Zweck erreichen: 1) Dem geübtem Kompositeur wird ein Stoff zur weiter fortbauenden Phantasie gegeben, und 2) ein Uebergangspunkt zum zeitgemäßen Gesänge sestgestellt, indem die Alten ihren gewohnten Gesang nicht

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