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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-23 · Heft 17 (23.4.1849) · p. Seite 223

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 17 (23.4.1849)
Date
1849-04-23
Page
Seite 223 (sequence 3)
Language
German
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Parteien machen. Schlimm aber ist es, keiner Partei anzugehiren, wo Alles Partei ist.... Dies drängte mich das Herz zu sagen. Nehmt es, wie Ihr es wollt. Zeitungsnachrichten. Deutschland. AuS Anhalt, 15. April. (Privatmitth.) Daß die freisinnige Verfassung Dessau's und Köthen's kein Stück Papier, und daß die Gleichstellung der Juden in Anhalt keine blos nominelle ist, geht wol daraus hervor, daß in Dessau ein Jude zum Abgeordneten in die neue gesetzgebende Kammer gewählt worden ist, nämlich der Dr. Gustav Philippson, Lehrer an der Franzschule, und daß in Gröbzig ein Jude zum Bürgermeister gewählt worden ist, nämlich der frühere Lehrer, seit längst Kaufmann Herzfeld. Letzterer ist der erste deutsche Bürgermeister israelitischen Glaubens, und der Witz des frankfurter Polizeiraths (No. 10) kann doch nun wahr werden. (In Belgien ist bekanntlich seit langer Zeit ein Jude Bürgermeister — zu Lacken, der Residenz des Königs — und in Frankreich und dessen afrikanischen Besitzungen ist es nichts Seltenes.) München, 9. April. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen vor ein Paar Tagen von einer an sich unbedeutenden Reform, die in unserer Gemeinde stattfand, geschrieben, Sie erlauben mir Ihnen heute Etwas über den Erfolg derselben mitzutheilen, weil, wie ich glaube, es einen kleinen Beitrag zur Stellung unserer Parteien liefern möge. — Der bei Weitem größte Theil der Gemeindeangehörigen war wirklich froh, den Gottesdienst wenigstens einigermaßen abgekürzt zu wissen, ob damit auch zufrieden, ist eine Frage, die Sie mir für heute wenigstens unbeantwortet zu lassen, erlauben. Nur die eine Bemerkung will ich noch hinzufügen, daß diese Reform die gehörige Ruhe und Andacht im Gottesdienste nicht hervorbrachte. Eine ganz kleine Minorität hingegen legte gegen diese Neuerung faktischen Protest ein, indem sie machten, und da ihre Piutim sagren, jedoch nachher den Gottesdienst in der Synagoge besuchten. Diese Minorität nun war es, wie Sie ganz richtig in Ihrem leitenden Artikel von No. 14 der A. Z. d. I. bemerken, welche uns bisher beherrschte, denn Baiern war es zunächst, wo jede religiöse Reform unterdrückt wurde; war es doch die baierische Regierung, welche unseren Rabbinern verbot, die Rabbinervcrsammlung zu besuchen. Wenn nun Ihre Aufforderung an die Orthodoxen, die Synode zu besuchen, gewiß allseitig freundlich begrüßt wird, und wenn die meisterhafte Begründung Ihrer Aufforderung vielleicht einen Theil derselben bestimmen sollte, die Synode zu besuchen, so muß ich doch dem Grundsätze: „vereinige, dadurch bestehst du", entschieden widersprechen. Ich glaube nämlich, daß der nochmalige Versuch, die so schroff einander gegenüberstehenden Parteien zu vereinigen, den religiösen Fortschritt nur hindern wird. Denn auf welche Weise denken Sie wol zwei Parteien zu vereinigen, von denen die eine sich an ein Stückchen Piut anklammert, die andere hingegen den Sabbat auf Sonntag verlegt, wie dies die berliner Reform» gemeinde gethan. . Vielmehr denke ich, daß man sich nur an den in der Mitte liegenden Kern zu halten habe, der nocb die bei Weitem große Mehrzahl der Israeliten umfaßt, der aus vollster Seele eine tüchlige und umfassende Reform wünscht, das Wie aber gern den Männern seines Vertrauens überlassen wird. Sie werden diese Bemerkungen um so eher entschuldigen, als ich dadurch nur Aufschluß zu erhalten wünschte, durch welche Materialien Sie ein „Religionsgcbäu" erbauen würden, „in dem alle Söhne Israels einen Platz hätten". Freudig begrüßen wir. daß jeder Volljährige wahlberechtigt ist, aber hiezu ist jedenfalls nöthig, daß sich überall Wahlkommilö's bilden, oder die Gemeindevorstände müssen sich als Solche konstiiuiren, und durch einige Gemeindeangehörige verstärkt werden; Aufgabe dieser Komüe's wäre es, die Gemeindeangehörigen von der statisindenden Synode in Kenntniß zu setzen und so eine rege Theilnahme zu erwecken, denn die jüdischen Blätter werden leider zu wenig gelesen, als daß auf andere Weise eine Theilnahme erweckt werden könnte. Hoffentlich wird München, da es sich bei der Boriynode schon betheiligt hat, diesem Ansinnen bald Nachkommen. Strzelno (Polen), 9. April. (Privatmitth.) Was der Reaktionär in der politischen, ist der Orthodoxe in der religiösen Anschauung; jener stempelt jede freisinnige Aenßerung auf seinem Gebiete zum

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