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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-16 · Heft 16 (16.4.1849) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 16 (16.4.1849)
Date
1849-04-16
Page
Seite 218 (sequence 10)
Language
German
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so gehässigen Verfolgungen nahmen, Venedig die erste Bank in Europa." „Gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts willigte Eduard I-, verführt durch das Anerbieten einer bedeutenden Subsidie des Parlaments und durch einen unmittelbaren Gewinn, ein, die Juden zu vertreiben; die Chroniken jener Zeit erzählen uns die schändlichen Einzelheiten." „Diese Vertreibung der Juden war ein großer politischer Fehler, dessen traurige Folgen allein durch die Besetzung der Lombarden, welchen Namen man den alten Kaufleuten von Genf, Florenz und Venedig gab, geschwächt wurden. Sie waren die Nachfolger der Juden, nicht blos im Gewerbe, sondern auch in der Bedrückung, die sie zu Zeiten auszustehen hatten." Ueber die Rückkehr der Juden nach England enthält die zitirte Schrift Folgendes: „Die Rückkehr der Bekenner Mosiö in dieses Land, aus dem sie schändlicherweise vertrieben worden, schreibt man gewöhnlich Cromwell zu. Man versichert, daß nach dem Tode Karls 1. die Juden in Verhandlung mit dem Parlamente traten. Sie forderten die Abschaffung der gegen sie erlassenen Gesetze, die Bewilligung der Bodlejanischen Bibliothek und die Erlaubniß, die Kathedrale von St. Paul in eine Synagoge zu verwandeln (???), wofür sie eine Summe von 500,000 L. St. (ungefähr 3*/2 Millionen Thaler, was für jene Zeit eine verhaltnißmaßig ungeheure Summe war,) zu zahlen sich erboten. Diese Anträge, die uns jetzt sehr impertinent erscheinen, wurden nichtsdestoweniger ernsthaft und beredt verhandelt, wenn man einem Schreiben glauben kann, das in den „Staatsschriften von Thurlon" sich befindet. Die Verhandlung betraf hauptsächlich die Zahl der von den Juden angebotenen Summe; man forderte 800,000 L. St„ und als sie ihrem Angebot noch Etwas hinzuzusetzen verweigerten, wurde die Unterhandlung abgebrochen." „Die Erhebung Cromwell's zum Protektorat erregte von Neuem die Hoffnungen der verbannten Juden. Im Jahre 1654 schrieb der französische Gesandte in Holland an den französischen Gesandten in England folgende Worte: „Ein Jude hat mir als gewiß versichert, daß die drei Admiräle der Flotte eine Petition an Se. Hoheit den Protektor überreicht, um für die Juden die Eclaubniß nach England zurückzukehren zu erlangen, damit sie den Handel dahin zurückführen könnten." Ein Geist von der Höhe wie Cromwell mußte Alles fühlen, was durch die Zurückberufung jenes so industriösm Volkes zu gewinnen sei *). Der Rabbiner Menasse-ben-Jsrael erhielt die Erlaubniß in London zu residiren. Aller Wahrscheinlichkeit nach wollte man so die öffentliche Meinung erproben. Während der Rabbine von Cromwell für die Juden die Erlaubniß verlangte, den Glauben ihrer Vater zu üben und Synagogen zu errichten, schmeichelte er den kommerziellen Instinkten des Landes durch eine Adresse an die Republik England, in der er die Vortheile darlegte, welche aus ihrer Rückkehr resultiren mußten. Ein Konnte wurde ernannt, um über diese Frage zu berathschlagen, und, wie es zu häufig geschieht, man diskutirte viel, ohne zu einer Uebereinstimmung zu kommen. Die Jurisprudenz, der Handel, die Theologie waren in dem Komite vertreten; die Rechtsgelehrten zeigten sich dem Verlangen des Rabbinen günstig; die Handelstreibenden, getheilt zwischen dem Gewinn eines neuen, dem Handel verheißenen Aufschwungs und dem Brodneide, wußten nicht, ob sie die Rückkehr der Juden unterstützen oder bekämpfen sollten; die Theologen widersetzten sich ihr mit der ganzen Bitterkeit der religiösen Unduldsamkeit. Vier Tage lang stritt man sich über biblische Texte. Am Ende schnitt Cromwell kurz die Verhandlung ab, indem er zu den Doktoren sagte, „die Frage scheine ihm jetzt dunkler als am ersten Tage; daß es nun genug Argumente seien, und er sie nur ersuche, sich seiner in ihren Gebeten zu erinnern." „Diese Konferenzen führten keine entscheidende Maßregel herbei; das Gefühl der Abneigung gegen die Juden fuhr fort sich geltend zu machen und wuchs noch durch einen seltsamen Schritt ihrer Glaubensgenoffen in Asien. Mehrere Rabbinen kamen aus dem Morgenlande nach London mit der scheinbaren Mission, über die Errichtung einer Handelsgesellschaft für die Levante zu unterhandeln; aber ihr wahrer Zweck scheint gewesen zu sein, die Abstammung des Protektors zu studiren, in der Hoffnung, für ihn einen jüdischen Ursprung aufzusinden, und in ihm den Messias zu begrüßen, den sie noch immer erwarten. Man weiß nicht, ob Cromwell sie hierin ermuthigte; aber sie erhielten wenigstens die Erlaubniß, sich nach Cambridge zu begeben und die Bücher der Bibliothek zu durchstöbern. Sie begaben sich hernach nach Huntingdon, dem Geburtsorte des Protektors, um ihre Nachforschungen sortzusetzen, die endlich bekannt wurden. *) So urtheilt ein Engländer. Der Norweger und Spanier, der Steyermärker und Tyroler denken anders! Redakt.

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