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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-16 · Heft 16 (16.4.1849) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 16 (16.4.1849)
Date
1849-04-16
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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215 Denn wir haben in der Person des als Gelehrter durch sein meisterhaftes Werk: „Praktische Philosophie des Hiob" bekannten Dr. Moritz Löwenthal ganz den Mann gefunden, welcher die hiesige Rabbinatsstelle vollkommen ausfüllt. Und da derselbe auch ein geborener Galizianer ist, der sich nur über fünfzehn Jahre in Deutschland, und am Ende auch in Dänemark und Schweden aufgehalten hat, um sich zu vervollkommnen und Welt- und Menschenkunde zu sammeln; so ist derselbe als Landsmann allen Parteien um so willkommener, da er der erste Galizianer ist, der die Stelle eines wissenschaftlich gebildeten Rabbiners und Predigers bekleidet. Rechnen Sie noch hinzu, daß Herr Dr. L. durch seine bereits gedruckten Predigten, welche er in Stockholm, in Dessau, Lissa, Frankfurt an der Oder und Breslau mir ungetheiltem Beifall gehalten, als ausgezeichneter Kanzelredner mit Geist und Herz bekannt ist; so ist es kein Wunder, daß derselbe hier mit fast allen Stimmen gewählt und auch von allen Parteien auf's Höchste geliebt und geehrt wird. Denn wer zum Herzen spricht, redet niemals vergeblich. Und damit Sie sich selbst von der Wahrheit dieser Behauptung überzeugen mögen, erhalten Sie beiliegend zwei Predigten desselben, welche Beide durch Herzlichkeit, durch die kindlich-einfache Sprache bei der Gediegenheit des Inhaltes ausgezeichnet sind, und welche darum auch hier einstimmig anerkannt wurden. Aus der ersten Predigt werden Sie ersehen, daß Dr. L. schon im November 1848 hier als Rabbiner und Prediger angestellt wurde, und cs wundert die zahlreichen Leser Ihres Blattes hier allgemein, daß Sie dieses für alle Israeliten Galiziens so wichtige Faktum bis jetzt in Ihrem für Judenthum bestimmten Blatte mit keiner Silbe erwähnt haben. Es verdient noch erwähnt zu werden, daß Dr. L. alle Sabbat Borträge hält, und daß dabei immer der große Tempel vollgedrängt ist, weil seine Vorträge volksthümlich, echt israelitisch und doch dem lebendigvernünftigen Fortschritte huldigend sind. Derselbe wirkt auch heilsam für die religiöse Entwickelung der Jugend sowol in der israelitischen Hauptschule als auch in beiden Gymnasien, wo er fleißig, gründlich und doch höchst anziehend Religionsunterricht ertheilt. Am Meisten aber gewinnt er hier die Herzen aller Zuhörer durch seine fast beispiellose Gabe die schwierigsten Midraschim auf die Gegenwart anzuwenden und sie leichtfaßlich dem Volke zu erklären, so daß seine Predigten nicht blos erbauend sondern auch höchst belehrend sind, was dem Geschmacke der polnischen Israeliten sehr zusagt. Ich will Ihnen am Schlüsse noch etwas sehr Erfreuliches mittheilen, daß nämlich sowol durch die von der Regierung den Juden ertheilte Erlaubniß, auf dem Lande Felder zu pachten und auch erwerben zu dürfen, als auch durch die kräftige Anregung des Dr. L. bereits sehr viele Israeliten den verächtlichen Trödel aufgegeben haben und sich auf dem Lande mit Ackerbau beschäftigen. Denn schon im März des v. I. haben sich über 200 Familien deutsch gekleidet, diese und ganz besonders viele gebildete junge Leute, welche sich endlich schämen vom erniedrigenden Schacher zu leben, nehmen Land- und Rittergüter in Pacht, viele erwerben Bauergüter als Eigenthum, alle ernähren sich aber sehr anständig und ehrlich, obschon sie davon nicht reich werden. Dies Erwachen des regen Lebens unter den Juden Galiziens wird gewiß die herrlichsten Früchte tragen, wenn nur die Regierung endlich alle Beschränkungen aufheben möchte, welche noch immer den Juden den Eintritt in's öffentliche Leben versperren. Denn selbst nach der ertheilten Konstitution, wo die Juden völlig gleichgestellt sind, hat die hiesige Regierung dem Kaufkontrakt eines Israeliten über ein Rittergut die Genehmigung verweigert, weil die organischen Gesetze über die Gleichstellung der Juden noch nicht erfolgt sind. Dies wirkt sehr niederschlagend und vergällt ihnen die Freude, welche sie im ganzen Lande über die Erlösung durch patriotische Gaben an den Tag legen, wie Sie dies auch aus der beiliegenden Predigt vom 15. März ersehen können. X Aus Ungarn, 30. März. Die barbarische Kriegführung in Ungarn erinnert fortwährend an die finstersten Jahrhunderte. Man versichert, daß die Russen 75 Ober- und Unteroffiziere in Herrmannstadt gehenkt haben sollen! Andererseits hätten die Serben 22 Juden (darunter 2 Rabbiner) wegen ihrer dargelegten Anhänglichkeit an die kaiserliche Sache ebenfalls aufgeknüpft. — Jedenfalls sind die Juden am Schlimmsten daran, da sie von beiden Seiten gemißhandelt werden. Denn in demselben Augenblicke, wo 22 Juden wegen ihrer Anhänglichkeit an den Kaiser gehängt worden, mußte die pesther Gemeinde abermals 40,000 Gulden K. M. erlegen, weil zwei Juden in Handelsverbindungen mit den Insurgenten betroffen worden,

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