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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-16 · Heft 16 (16.4.1849) · p. Seite 210

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 16 (16.4.1849)
Date
1849-04-16
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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Doch ja, die aufgeregten Wogen haben sich nach und nach gelegt; die Zeit der, wie man es nennt, revolutionären Bewegung ist vorüber; eine neue Zeit beginnt, nicht wie die frühere, und nicht wie die jüngste, eine andere. Da thut es Noch, die Wege zu bedenken, die wir zu gehen haben, daß wir nicht abermals irre gehen. In der Stunde des Sturmes fährt der Schiffer, wohin er getrieben wird, denn er kann der Gewalt nicht widerstehen, und er sieht nur vor, daß sein Schiff nicht zerschelle und untergehe; aber wenn die Stille zurückgekehrt, da faßt er sein Steuer wieder, und spannt die Segel aus, und blickt nach dem Kompaß, und bedenkt „die Pfade des Meeres" „nach der erwünschten Küste". Und wie? liegt dies uns, Juden, nicht zwiefach ob? Sind wir nicht doppelt betheiligt an den Erfolgen der Zeit, da wir zu wahren haben, was man uns jetzt nicht mehr vorenthalten konnte, was man aber Jahrtausende uns vorenthalten hatte, die Rechte des Menschen? Und haben wir nicht schon wieder gehört die Stimme des Hasses, den Ruf der Verdächtigung, der Beschuldigung, der Drohung? So lasset uns wohl erwägen, was wir zu thun haben in der Folge der Tage die vor uns liegen, 1) im Allgemeinen, im Kreise des gesummten Volkes, dem wir angehören; 2) im Besondern, als Bekenner der Religion der vier Jahrtausende, der Religion, die heute geboren ward vor uralter Zeit, und die noch heute besteht im Lichte des Tages. Und dazu vernehmen wir das Wort des Propheten Jes. 43, 19: „Siehe, Neues bereit' ich, itzt sprießt es hervor; wolltihr's nicht erkennen? Ja, durch die Wüste schaff' ich einen Weg, in der Oede Ströme." I. „Sie freuten sich, da sie sich Legten die Wellen," spricht der Sänger. Ich mag Niemandem seine Freude verargen. Die Stunden der Freude sind dem Menschen karg zugemessen, darum freuet euch, die ihr einen gerechten Gegenstand zur Freude gefunden zu haben glaubet. Zwar Viele von denen, die sich jetzo freuen, daß der „Sturmwind zur Windstille" geworden, ihnen klopfte einst das Herz der Stunde des Sturmes entgegen, da sie sich lange Zeit sagten, es könne der Sturm nicht ausbleiben, um die schweren Dünste, die auf der Menschheit lagen, zu zerstreuen. Und dennoch will ich Ihnen die Freude nicht verargen. Es kann nicht Jeder die Schrecken des Wetters ertragen, der es kommen sah, ja, der es herbeiwünschte. Aber, ich frage, ist denn der Weg schon gefunden, der durch die Wüste führt? sind die Ströme schon da, die in der Oede erquicken sollen, die Ströme des Heils? Wer wollte es leugnen, daß noch immer eine pfadlose Wüste um uns liegt, wo die Sonne glüht und der Boden brennt, und die Ströme fehlen in der Oede? Wohin wir blicken, Ungewißheit, Unsicherheit, hier maßloses Verlangen, dort maßloses Verweigern, in der Mitte bald so Etwas, bald dann Etwas. Ein Riß, eine tiefe Erdspalte mitten durch das Volk, und hüben und drüben erbitterte Parteien. Was gegeben ist, wer weiß es, ob es gilt? Und oft denkt man, selbst der Geber möcht' es zurücknehmen. Und gerade in der Windstille ist es schwüler, drückender, als mitten im Kampfe der entfesselten Elemente! Doch sei es so. Wir suchen den Pfad; ja die Wellen haben sich gelegt, und darum wollen wir uns einen Weg bereiten. Was haben wir zu thun in der Zeit, die da kommt? Meine Freunde, es liegen da drei Wege vor uns; darunter haben wir zu wählen. Der Eine führt gerade zurück, zurück in das Egypten, das wir verließen beim Rufe der Freiheit, in das alte durchwühlte Land. „Wir sind in eine Wüste gerathen, rufen Solche, wir hatten uns geirrt mit unserm Verlangen nach Vorwärts, kehren wir um und zurück. Benutzen wir die Gelegenheit, damanuns zurückholen will." Meine Freunde, hüten wir uns hiervor, vor diesem Rufe warn' ich Euch aus treuem Herzen. Wir können nicht wieder zurück. Die Menschheit geht niemals zurück. Wollen wir unsere Zukunft sichern, wollen wir zukünftigem, nur desto großerm Unheil entgehen, nur dann nicht zurück! Wird Jemand die Wohnung wieder aufbauen, die ein Erdbeben verschlungen, an derselben Stätte? Ja, bauet nur einen himmelhohen Damm, dahinter staut sich das Gewässer nur noch höher auf und steigt hinüber, und bricht hindurch und verschlingt Alles- Ihr wollet wieder aufgeben, was mit Herzblut erkauft worden? Nun dann wundert Euch nicht, wenn in der nächsten Zeit aller Druck, alle Hintenansetzung auf uns Juden zurückfallt, die eben von uns genommen, und daß in spaterer Zeit der neue Sturm sich gegen Euch wendet, und Euch wie Spreu zerstiebt. Diese Peßachstunde sagt es Euch. Der zweite Weg: er ist ein kurzer, aber er führt zum Abgrund. Da heißt es: „Neues wollen wir, ganz

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