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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-09 · Heft 15 (9.4.1849) · p. Seite 206

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 15 (9.4.1849)
Date
1849-04-09
Page
Seite 206 (sequence 14)
Language
German
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206 herigen Handlungen seiner Helden und Heldinnen auf die vorhergegangenen Regungen ihrer Geister zu schließen. Er kann daher diese schildern, da jene ihm früher bekannt sind als dem Leser. Nachdem die herrliche Erscheinung Abraham Aben- Esra's ihr so nahe getreten, nachdem sie in ihm den Retter ihres Lebens und ihren geheimen Mahner erkannt, nachdem sie die Liebe ihres Vaters zu ihm beobachtet, konnte sie über zwei Dinge nicht im Zweifel bleiben, zuerst, daß Abraham sie liebe, und dann daß ihr Vater sie für ihn bestimmt habe. Da erwachte sie aus ihrem Traume. Wie wenn Jemand seinem häuslichen Kreise eine Zeit lang entzogen, und rauschenden Genüssen in der Ferne hingegeben war; er kehrt nun heim, und begrüßt gern den eigenen Heerd und seine liebliche Ruhe, aber die Erinnerung weilt ihm auch gern bei dem draußen Erfahrenen; bisweilen zieht ihn noch ein Drang des Herzens dahin, wo er gewesen und genossen; bald aber überkömmt ihn die Gewohnheit und Neigung zur Heimath wieder ganz und gar, und fesselt ihn, daß er ungern wieder hinausträte — so erging es Hulda. Juda, Abraham, Mose, das war ihre Heimath, wohin sie gehörte, aus der sie doch für das Leben nicht heraustreten zu können ihr ganzes Gefühl ihr sagte — Arthur de Beaumont, der Hof, die Königin, die Feste, es waren die ferne Fremde, in der sie wol eine Zeit lang weilen und unschuldig genießen konnte, die sie aber dennoch verlassen, vergessen mußte. So gab sie diese init der Geisteskraft, die ihr eigen war, auf, und wandte sich voll Liebe zu den Ihrigen. Ja, sie erkannte es, noch liebte sie Abraham nicht; aber noch kurze Zeit, noch einige wenige Zeit an dem Busen seines großen Geistes gelegen, an dem Arme seines reichen Herzens gewandelt — und sie werde sich nimmer von ihm losreißen können, von ihm losreißen wollen.... Aber die Zeit drängte. Noch zwei Tage, und das Stiergesecht, zu dem sie, vom Augenblick überrascht, dem Ritter Arthur zugesagt, fand statt. Schon wiederholt hatte Arthur ihr Anweisungen deshalb zukommen lassen, und sie hatte den Muth nicht gehabt, sie abzulehnen, sie hatte die Kraft nicht gefunden, wenigstens ihrem Vater davon zu sagen. Aber um so mehr empfand sie, ob auch das Wort noch nicht ausgesprochen war, welches ihrem Vater und Abraham auf den Lippen schwebte, aber erkenntlich aus ihren Augen blickte, das Wort der Entscheidung, daß, sobald sie mit Arthur zum Stiergefecht ginge, so unschuldig es an sich war, Abraham es doch als eine Antwort auf seine geheime Frage betrachten mußte, und für einen Mann wie Abraham gab es nur eine einmalige Antwort; eine andere würde er nie wieder annehmen. Damit kämpfte sie in ihrem Herzen; darum wandelte sie immer wiederholt in ihrem Kloset auf und nieder. Sie war entschlossen, das Stiergefecht abzulehnen. Ein Vorwand wäre nicht zu schwer zu finden. Aber lügen? Lügen konnte sie nicht, eine Lüge verdiente der offenherzige und freundliche Ritter nicht... Noch eine kurze Zeit des Kampfes ... sie hatte Alles erwogen, Alles bedacht ... sie war sich aller Folgen bewußt... Ja, sie sah mit der Klarheit ihres Geistes, mit dem scharfen und zugleich zarten Gefühl, das der entfalteten Jungfrau innewohnt, ste stehe jetzt an einem Scheidewege, und was sie ohne Absicht und Gedanken gethan, das dränge sie jetzt zu einer bestimmten Wahl; sie könne dem Ritter nicht ohne entschiedenen Grund absagen, sie müsse ihm absagen, um nicht Abraham zu verlieren, und sie fühlte ... sie könne, sie dürft ihn nicht verlieren.... Da ließ sie sich an ihrem Tische nieder, nahm einen Pergamentstreifen, einen Griffel, und schrieb. Nach freundlichen Worten des Eingangs erklärte sie dem Ritter: daß sie, wegen einer bestimmten Veränderung im Schooße ihrer Familie nicht im Stande sei, die ihr dargebotene Ehre anzunehmen, von ihm zum Stiergeftchte begleitet zu werden. Wohl wisse sie das Glück zu schätzen, seiner ehrenvollen Aufmerksamkeit gewürdigt gewesen zu sein, und um so mehr würde er gewiß sein, daß sie ihm stets eine dankbare Erinnerung widmen werde. Sie schloß sorgfältig das Schreiben, und übergab es einem Diener, es sofort zu besorgen. Dann stieg sie zu dem Zimmer ihres Vaters hinauf.... 14. Juda empfing feine Tochter, wie immer, liebevoll, küßte sie auf die Stirn und befrug sie um die Ursache ihres Kommens. Hulda bat um eine Viertelstunde Gehör; er entfernte die Schreiber, und schloß die Thür. „Vater/' sagte sie, „ich komme Dir zu berichten, und zugleich begangene Fehler durch eine aufrichtige Thal

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