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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-09 · Heft 15 (9.4.1849) · p. Seite 207

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 15 (9.4.1849)
Date
1849-04-09
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
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207 wieder gut zu machen. Du bist ein zu liebevoller Vater, um Deiner Tochter jene nicht zu verzeihen, und in dieser mit Deinem ganzen väterlichen Herzen zu rachen." „Du suchst vergebens mich zu erschrecken, geliebte Hulda," erwiderte Juda, „ich kenne mein Mädchen. Jndeß beichte nur, doch erwarte eine tüchtige Buße bevor ich Dir Absolution ertheile." „Vater, und es ist doch eine sehr ernste Angelegenheit, in der ich zu Dir komme, vielleicht die ernsteste meines Lebens... „Nun, geliebte Tochter, ich gehöre Dir an, ich bin gespannt, sprich nur... „Ich hatte vor ungefähr zwölf Tagen, am Morgen nach dem letzten Hoffeste, dem jungen Ritter de Beaumont auf sein dringendes Gesuch bewilligt, mich von ihm zum übermorgenden Stiergefechte geleiten zu lassen ... und soeben habe ich es ihm abgeschrieben...." Juda schwieg überrascht. „Dies ist allerdings ernst, Hulda," antwortete Juda endlich. „Ernster, als Du es vielleicht glaubst, denn der Ritter hat seine Hand im Spiele bei einer überaus wichtigen Angelegenheit. Warum hast Du es ihm zugesagt, da Du ihn doch zunächst an mich weisen mußtest? Ich hatte es ihm abgeschlagen , ich hatte ihn auf seine und meine Stellung hingewiesen, und daß er unseres Glaubens und unseres Stammes nicht uneingedenk sein solle ... oder hast Du dies gerade gefürchtet, Hulda? ..." fügte er mit etwas strenger Betonung hinzu. „Ich muß Deinen gereckten Unwillen als Strafe für meinen Leichtsinn hinnehmen, lieber Vater; aber was Du da berührt, war es nicht. Es war Flattersinn, vielleicht fühlte ich mir auch zu sehr geschmeichelt. Aber ich sagte, Vater, daß es vielleicht die ernsteste Angelegenheit meines Lebens beträfe ... und das ist dies doch nicht. .." Juda schien dies zu überhören, denn er fuhr hastig fort: „und warum hast Du es ihm nun abgeschrieben? und was hast Du als Entschuldigungsgrund angegeben? Sprich ...." „Vater, Du hast mich die Wahrheit über Alles lieben und wahren gelehrt; ich möchte durch eine Lüge auch den größten Vortheil nicht erringen, den größten Nachtheil nicht abwenden; die Wahrheit daher offen Dir und ihm gegenüber — ich habe ihm geschrieben, Vater: eine Veränderung im Schooße meiner Familie nöthige mich dazu .. „Nun, Hulda, wie habe ich dies zu verstehen?.." „Du hast, geliebter Vater, sicher, ich habe es erkannt, Du hast die Absicht, Abraham Aben-Esra noch durch festere Bande an Dich zu fesseln, und siehe, ich bin bereit — er ist der Retter meines Lebens, er besann sich nicht, dem Tode in's Angesicht zu schauen um meinetwillen, wie sollt' ich anstehen, dem Leben es zu thun um seinetwillen?..." „Hulda, Tochter, geliebte Tochter..." fuhr Juda freudig auf, und ergriff ihre Hand. „Daß ich so den ersten Schritt thue, daß ich wider das Gefühl der Jungfrau hiervon zuerst zu Dir spreche, siehe, dies ist die Strafe, die ich mir für meinen Fehltritt auferlegt." „O sei gesegnet für Deinen Fehler, und Deine Strafe sei gebenedeit. Mädchen, es ist dies einer meiner glücklichsten Augenblicke, und meine Hulda hat ihn mir bereitet.... Doch nein! Hulda, so weit noch nicht.... zuvor.... meine Tochter, willst Du mir damit ein Opfer bringen, einen, ich gestehe es, tief gewurzelten Wunsch, den Du mir abgelauscht, erfüllen? Dies würde ich nimmer annehmen! Gesteh' es, offenbar' es mir. Dein Herz...." „Es ist dabei, geliebter Vater, beruhige Dich. Ja, in diesem Augenblicke fühl' ich es erst recht, an der süßen, stillen Wonne, die mich erfüllt, an der Befriedigung, die mein ganzes Wesen durchstromt, und Nichts, Nichts übrig läßt an Wunsch und Sehnsucht, ich liebe Abraham, wenn nicht mit jener verzehrenden Glut, von der öfter die Dichter singen, doch mit der ganzen, vollen Hingebung, die ebenso von der innigen Zuneigung wie von der hohen Verehrung für den zeugt, welchem ich angehören werde...." „Hulda," sprach der entzückte Vater, „ich kenne Dich kaum wieder. Du, stets das leichte, fröhliche, scherzende Mädchen mit dieser tiefen Sinnigkeit.... doch nein, was will ich denn. Du bist, was Du immer warst, was Du stets unter dem Leichten Sckaum des jugendlichen Sinnes trügest.... wie werd' ich es Abraham mittheiten?...." „Vater, überlaß dies mir. Es war eine Nothwendigkeit, mich mit Dir darüber auszusprechen, da ich es selbst dem Ritter angedeutet. Nun aber laß die Entwickelung sich von selbst machen, laß Abraham und mich uns noch prüfen aneinander; verschweig ihm, was ich Dir, dem väterlichen Herzen, kund gethan. .. /'

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