Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1849)
- Date
- 1849-04-09
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
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205 sich schon einige von ihnen und treiben selbstständig das erlernte Gewerbe, bevor sie an Verheirathung denken. Bietet sich nun ein Bewerber dar, so sind sie im Stande, demselben den Ertrag eines oft recht lukrativen Nebengeschäftes als Morgengabe zu bieten. Aber angenommen, daß sie nicht die selbstständige Niederlassung erlangten, so bringen doch jedenfalls junge Mädchen, die eine solche Schule durchgemacht haben, einen Schatz von Erfahrungen und Fähigkeiten mit in die Ehe, die oft mehr werth sind, als ein Kapital, welches leicht das Opfer einer einzigen mißlungenen Spekulation werden kann. Mit einer solchen Frau, die von ihrer Jugend an daran gewöhnt worden, ihren Unterhalt, wenigstens theilweise, selbst zu erwerben, darf es z. B. ein Handlungsdiener oder sonstiger Angestellter, der etwa 400 Thaler Einkommen hat, dreist wagen, einen eigenen Hausstand zu gründen, indem er von Seiten seiner Frau gewitz Unterstützung erwarten kann. Und hat eine solche Frau das Unglück, Wittwe zu werden, so wird es ihr auch dann nicht allzuschwer, sich und die Ihrigen vor Mangel zu bewahren und ihren Schmerz dadurch bedeutend zu lindern. Und nun vergleiche man damit, wie sich dieselben Verhältnisse im Kreise einer jüdischen Familie gestatten würden. Da wir nicht verletzen wollen, so überlassen wir Jedem, die Parallele sich selbst zu ziehen. Uns genügt es vielmehr, wenn es uns gelingt, hier und da ein Elternpaar zu überzeugen, daß es damit nicht genug ist, »über die Geldgier der heutigen Brautwerber zu schelten und daß an eine Abnahme solcher Ansprüche nur dann zu denken sein wird, wenn die Töchter des jüdischen Mittelstandes eine ganz andere, und wie wir oben sagten, eine zweckmäßigere Erziehung erhalten. Belletristisches. Hispania un- Jerusalem. Novelle aus dem zwölften Jahrhundert. (Fortsetzung aus No. 47. öS. 51. v. I. und No. 1. S. s. 13.14. d. I.I 13. Abraham mußte in das Haus Juda Hallevi's ziehen. Dieser ließ ihn wenig von seiner Seite. Zu viele Anziehungspunkte fanden sich zwischen Beiden: Gelehrsamkeit, Geist, Sittenreinheit, gemeinsame Glut für die Erhebung Israels, Besorgniß für die augenblickliche Lage der Dinge. Waren sie im Einzelnen verschiedener Meinung, so machte dies die Unterhaltung und den Verkehr nur desto belebter, aber die Urbanität, die Beide beseelte, und das väterliche Ansehen, welches Juda zur Seite stand, führte die Ausgleichung, ohne Kunst und Verstellung, von selbst herbei. Je näher Abraham Juda kennen lernte, desto mehr schwand auch der letzte Schatten aus seinem Gemüthe, den Abraham's Vater über das Bild Juda's in seines Sohnes Geist gebreitet. Er sah ein, das es nur die finstere, aus seinem Unglück hervorgegangene Stimmung seines Vaters gewesen, die ihn die Dinge so ansehen gelassen. Aber dieser Verkehr in Juda's Hause führte ihn täglich wiederholt mit Hulda zusammen, und wenn auch die kleinen Schattenseiten dieses edeln Geschöpfes ihm desto erklärlicher wurden, so traten doch ihre große Vorzüge um so lebendiger hervor, und füllten um so mehr sein ganzes Herz aus. Noch aber schwebte er in derselben Bangigkeit, in demselben Zweifel, ob Hulda ihm ihre Neigung, und eine volle, zugewendet? Ein Geist wie Aben-Esra begnügte sich nicht mit einem Wohlgelittensein, mit freundlichem Entgegenkommen, ungern Entlassenwerden, mit einem Ecröthen und sanftem Blicke — der wollte ganz, oder gar nicht besitzen, er duldete neben sich keinen Götzen. Mose, der zarte, aber doch feurige Jüngling, schloß sich ganz an Abraham an; er sah zu diesem hinauf, wie zu einem Ideale; er folgte ihm auf Schritt und Tritt, ja bediente ihn eifrig, und seine Bewunderung ließ eine etwaige kleine Eifersucht auf die Gunst seiner schönen Base nicht in ihm aufkommen. Dadurch wurde er geheilt, wurde ernstlicher und männlicher, Hulda unterließ es ihn mit ihren Neckereien zu verfolgen. Spater veranlaßte Abraham den Oheim Mose's, diesen nach Genua in einer Geschäftsangelegenheit zu senden, damit Mose lerne, selbstständig zu handeln. Aber Hulda selbst? Wir sehen sie in ihrem Kloset aus- und niedergehen. Sie scheint mit sich selbst zu kämpfen. Oder sie ist auch schon entschlossen, aber sie weiß nicht, wie sie es anzufangen habe, um zu Ende zu kommen. Blicken wir in ihre Seele hinein, in den jungfräulichen Schrein ihres Herzens. Dem Dichter ist es erlaubt, da er zunächst das Vorrecht hat, ans den nach-