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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-09 · Heft 15 (9.4.1849) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 15 (9.4.1849)
Date
1849-04-09
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 christlichen Staates, der der Emanzipation der Juden den Fehdehandschuh hingeworfen, gesunden, ein Herr von Arnim. Den Fehdehandschuh hat Niemand aufgehoben, sondern ruhig im Staube liegen lassen. Er fand keine Gesinnungsgenossen. Wir hegen durchaus keine Befürchtung, daß ein solcher Ritter von der traurigen Gestalt mehr als etwa einen Sancho Pansa fände. — In die erste Kammer ist abermals ein reicher Jude, ein Bankier, Magnus aus Danzig, eingetreten, und hat sich auf die äußerste Rechte gesetzt. Also die zwei Juden in der ersten Kammer auf der äußersten Rechten. Berlin, 3. April. (Privatmitth.) Es giebt Erscheinungen, die nicht allzu oft wiederkehren, die in ihren allgemeinen Ursachen das Größte und Beocutendste zur Quelle haben, und die dennoch vielleicht unbeachtet vorübergehen, wenn sie nicht genau sixirt werden. Es sind wenige Monate vergangen, da stand eine Deputation vor dem Könige von Preußen, eine Deputation der — jetzt verblichenen — preußischen Nationalversammlung. Sie brachte ein Gesuch vor, das von großer Bedeutung war, das, noch jetzt bestehende Ministerium nicht zu diesem inhaltsschweren Amte zu erheben. Der König wandte sich wortlos ab. Die Deputation stand wortlos da. Da trat ein Jude aus der Reihe der Dcputirten heraus, und sprach: ,,Das ist das Unglück der Könige, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen!" Es war ein furchtbares Wort, furchtbar an einem solchen Orte, doppelt furchtbar aus dem Munde eines Juden. Es war Johann Jakobp. Jetzt steht wieder eine Deputation vor dem Könige von Preußen, eine Deputation der deutschen Nationalversammlung. Sie bringt eine Krone, die Krone Deutschlands, die uralte Krone, die vierzig Jahre in einem Schreine verschlossen lag, und nun hervorgeholt und vom Roste der Zeit gereinigtworden. In der Reihe dieser Deputirten steht auch ein Jude; und dieser Jude war einer der bedeutendstenWorkämpfer dieser Krone, er war es, der am Tage der Hauptschlacht das letzte, entscheidende Wort gesprochen, der das kräftigste, eindringlichste Wort geredet. Also auch und wieder ein Jude. Gabriel Rießer. Und wenn also das Wort, das dem Munde dieses Juden entströmte, kein furchtbares, aber ein fruchtbares, ein, in Vieler Ohren wohlklingendes war-nun so nehmt doch Akt von diesem Worte eines Juden, wie Ihr Akt, tausendfach Akt genommen von dem Worte des andern Juden! — Dies ist in Wahrheit die Situation des Augenblickes. Man sieht die Juden in den Reihen aller Parteien. Man sieht die Juden strebsam und zu den höchsten Rollen geeignet. Aber vor wie nach zieht jede Partei an den Juden nur das hervor, womit sie sie zu beschmutzen im Stande zu sein glauben. Doch die Wirklichkeit richtet sich niemals nach dem Willen und den Wünschen der Parteien, und die Geschichte spricht ein anderes Urtheil, als die Parteien. Sorgen wir dafür, daß es der Geschichte leicht werde, ein parteiloses Urtheil zu fällen, und dazu wollen wir auch jene, oben gezeichnete Konjunktur festhalten. Magdeburg, 1. April. (Privatmitth.) Als man gestern hier erfuhr, daß unter den Deputirten, welche die deutsche Kaiserkrone nach Sanssouci bringen, auch Rießer sei, wurde von vielen Verehrern dieses verdienstvollen Mannes unter den hiesigen Juden sofort beschlossen, ihm ein Zeichen ihrer Liebe zu überreichen. Ein prachtvoller, silberner Pokal mit passender Inschrift und folgende Adresse wurden ihm überreicht und herzlich von ihm entgegengcnommen: „Hochgeehrtester Herr Doktor! Seit langer Zeit die Kraft und Gediegenheit bewundernd, welche Sie im Kampfe für Glaubensfreiheit, für Vernichtung alles Gewissenszwanges bis zur letzten entscheidenden Schlacht bewährten, halten wir den glücklichen Augenblick fest, welcher aus einer neuen bedeutenden Mission Sie bei uns vorübersührt, um Ihnen unsere Verehrung, unfern Dank auszusprechen, ihn auszusprechen im Sinne Unzähliger, di« wir ihrer Gesinnung nach vertreten. Sie haben in Ihrer parlamentarischen Thätigkeit die großen Prinzipien der Sittlichkeit zur unerschütterlichen Basis Ihres Handelns gemacht, und dadurch von Neuem vor den Augen der Welt auf sedr glänzende Weise beurkundet, daß diese Prinzipien der Sittlichkeit unmittelbar aus dem Boden des Judenthums erwachsen, und aus den wahrhaften Bekennern dieser Religion niemals gewichen sind. Sie haben insonders in der jüngst verflossenen Zeit zwei große Thaten vollführet, damals als Sie im Schooße der deutschen Nationalversammlung das entscheidende Wort sprachen in der Sache der Glaubensfreiheit, jetzt als Sie das entscheidende Wort sprachen in der Einigung

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