Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1849)
- Date
- 1849-04-02
- Page
- Seite 191 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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191 nicht wieder verlassen dürfen. Ja, ich wiederhole es, ein festeres Band noch, als die Freundschaft, muß uns vereinen, ja, so weit es von mir abhängt, mußt Du mein Sohn werden! Kennst Du meine Hulda?" „Ich kenne sie, verehrter Mann! Und warum sollte ich in dieser hehren Stunde, wo Du mir mit so vieler Liebe entgegenkommst, mich mit so vielem Glücke überschüttest, nicht Gleiches mit Gleichem vergelten? Ich gestehe, sie kennen und sie lieben, aus dem tiefsten Grunde des Herzens sie lieben, war für mich Eines.. . ." „D so sei der Herr gepriesen!" rief Juda aus; „das macht sich ja herrlich! Fürwahr, das Kleinod hat gut gedeutet. So komm, lieber Abraham, ich will Dich zu ihr führen...." „Bitte, bitte," unterbrach ihn Abraham, „nur noch Eines. Wenn es auch mehr ist, als meine höchsten Wünsche je zu erreichen trachteten, Hulda aus Deinen, aus ihres Vaters Händen zu erhalten, wenn dies der Preis meines Lebens ist: so fühlst Du doch mit mir, daß es nicht so geschehen darf, daß wir Hulda nicht überraschen und ihre Entschlüsse nicht überwältigen dürfen. Laß, Gütiger, ich bitte, der Sache ihren natürlichen Verlauf; mögest Du Deiner Tochter die Zuneigung, die Du mir geschenkt, und die fortan das Glück meines Lebens ausmachen wird, immerhin zeigen und offen legen; aber deute ihr mit Nichts Deine Absichten an. Ich will sie mir selbst zu erwerben suchen, um dann mit zweifellosem Herzen diese köstliche Gabe aus Deinen Händen entgegenzunehmen." „Gut, Abraham. Es ist dies ein kleiner Umweg, aber ich hoffe und weiß es, Du bist der Mann, meine Hulda zu beglücken und ihr Herz und ihren Geist auszufüllen." Er ließ sich wieder nieder auf den Divan, von dem er sich bereits erhoben hatte, gab auf einer silbernen Pfeife einem draußen harrenden Diener ein Zeichen, befahl ihm, ihn und seinen Freund Aben-Esra bei seiner Tochter anzumelden, und sprach dann zu Abraham: „Jndeß muffen wir uns näher kennen lernen. Erzähle mir von Deinen bisherigen Schicksalen, damit wir das Weitere, was zu beginnen, in nähere Erwägung ziehen können." Abraham erfüllte bas Verlangen Juda's, und berichtete ihm in gedrängten Zügen von seinen Jugendjahren. Daß er ihm von seinem Bittbrief an Juda und deffen Stillschweigen darauf, so wie von seinem Begegniß mit Hulda am Ufer des übergetretenen Waldstroms schwieg, wird der Leser voraussetzen. Ost standen Juda Thranen in den Augen, und drückte er die Hand Abrahams mit Innigkeit. Als dieser geendet, sagte er: „Du bist sehr grausam, Abraham, in diesem Augenblicke. Ich hatte mir eingeredet, daß kein Verdienst im hispanischen Israel sei, das in der Stunde der Noch zögern sollte, sich an Juda Hallevi zu wenden, um Abhilfe, so weit sie ihm möglich, zu erlangen. Du hast mich enttäuscht." Abraham war in Verlegenheit; doch sagte er zögernd: „Ich habe nie von Jemandem Wohlthaten empfangen wollen, mit dem mich nicht ein persönliches Band verknüpft." Der Diener meldete, daß Hulda bereit sei, sie zu empfangen. Sie begaben sich hinauf. Juda trat zuerst ein, und Hulda kam ihm freudig entgegen. Da erblickte sie hinter ihm Abraham, und wie von einem Zauber gebannt, blieb sie plötzlich stehen. Juda erschrack, und rief ihr zu: „Was ist Dir?" Da fand Hulda das Wort und sprach: „Dies ist ja der Retter meines Lebens! Derselbe, der sich in den wüthenden Strom warf, um mein schon verlorenes Leben den Wogen zu entreißen!..." „Abraham, Du?..." stammelte Juda vor Ueberraschung. „Ich war der Glückliche, dem der Here es in die Hand gegeben. Doch was ist es Großes, wenn nicht in dem Gegenstände, den es betraf?" „Glaub ihm nicht, Vater!" rief Hulda. „Es drohte ihm dieselbe Gefahr wie mir. Ich habe später die Stelle noch mehrmat aufgesucht, und die scharfen Kanten der Klippen und die herabgerollten Steine und die dahingeschleuderten Baumstämme bezeugten mir, wie hundertfach der Tod in diesem Wasserschlunde lauerte. Nein! Vater, ich habe es mir wol klar gemacht, er hat sein Leben daran gesetzt, um das Meinige zu retten. Könnten wir es ihm je vergelten?" Und sie trat mit hochgerötheten Wangen und flammendem Auge zu Abraham hin, und sprach: „Und dennoch konnten Sie so grausam sein, sich uns zu entziehen? Mußten Sie nicht fühlen, daß ich und mein Vater kein größeres Bedürfniß hatten, als Ihnen zu danken? daß es uns sehr schmerzen mußte, von dem verschmäht zu sein, der uns so tief zu verpflichten nicht angestanden?... Doch was thue ich, Vorwürfe in dem Augenblicke, wo ich voll Freude sein sollte. Es ist ja vorüber, wir haben Sie ja, und lassen Sie nicht wieder los ... nicht wahr, Vater?" Abraham war in den Anblick des liebenswürdigen Geschöpfes versunken, das vor ihm mit Liebreiz übergoffen, stand und ihn herauszufordern schien: „Widerstehe mir!"... Da hob Juda an: „Abraham, seitdem Du die Schwelle meines Hauses überschritten, komme ich aus den Ueberraschungen nicht heraus, und jede Stunde