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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-02 · Heft 14 (2.4.1849) · p. Seite 190

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 14 (2.4.1849)
Date
1849-04-02
Page
Seite 190 (sequence 10)
Language
German
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190 Seite abzugewinnen, so jedoch daß das Allgemeine ganz einfach und natürlich aus dem Besondern hervorgeht. Es sind die beiden Klippen zu vermeiden, die eine zu sehr zu individualistren, und um die betreffenden Personen zu rühren, die allgemeine Zuhörerschaft und ihr Bedürfniß zu vergeffen, bje andere zu sehr zu generalist'ren, und, mit Hintenansetzung der Individuen, sich in allgemeine, darum weniger sagende Betrachtungen zu ergehen. Es gehört die richtige Auffassung dieser Aufgabe zu den schwierigeren Seiten des Predigtamtes. Um so mehr freuen wir uns, dem Redner unfern vollen Beifall bezeugen zu können, und die Rede jüngeren Männern zum Studium zu empfehlen, da gerade das Jndividualisiren Ln unserer homiletischen Literatur und Amtsthatigkeit noch zu dem Fernliegenden gehört. Der Fall war allerdings furchtbar. Eine geachtete, pflichtgetreue Frau, die Niemandem Etwas zu Leide gethan, wird in der Neujahrsnacht, in der in dortiger Gegend das leidige Abschießen von Feuergewehren Sitte ist, durch einen Schuß durch das Fenster an der Seite des Gatten tödtlich getroffen, und stirbt nach dreien Tagen schrecklichen Leidens. Wer war der Thäter? was war der Bewegungsgrund einer so schrecklichen That? Rache, sie hat Niemandem wehe gethan; Eigennutz, dann hätte es ja eher den Mann als das Weib treffen müssen. Die geschäftige Fama verkündet: Religionshaß, allein wie soll dieser gerade an dem vereinzelten Morde eines 50jahrigen Weibes sich äußern? Dichtes Dunkel ist darüber gebreitet. Allgemeine Theilnahme, Aufregung. Die Stadt kommt in Übeln Geruch. Was noch nicht da ist, kann gerade dadurch geweckt werden, konfessioneller Hader. So reicht der besondere Fall in das Allgemeine hinein. Darum auch stärkeres Hervortreten der Leichenfeier und Andrang der Bewohnerschaft zu ihr. — Der Redner hat dies Alles trefflich zu benutzen gewußt. Er schildert die Schrecken der That, er tröstet den hinterlassenen Gatten, er nährt die allgemeine Theilnahme, er zeigt den Abgrund, an dem die Gesellschaft steht, er fordert zu Bruderliebe und Frieden auf. Erwähnen wir nun noch die körnige, ebenso von Schwulst und hohlem Pathos, wie von Plattitüde entfernte Sprache, mit netter und rascher Satzbildung, die sehr schöne und gewandte Benutzung des einfachen Textes „es stieg der Tod durch unser Fenster" (Jirm. 9, 20.), ohne zur Spielerei und Künstlichkeit zu werden, um unser Urtheil gerechtfertigt zu sehen. Belletristisches. Hispania und Jerusalem. Novelle aus dem zwölften Jahrhundert. (Fortsetzung aus No. 47. 50. 51. v. I. und No. 1. 5.9. 13. d. Z.) 12. Es war kein, dem Munde im Augenblicke der Erregtheit entflohenes Wort, wenn Juda Hallevi dem Abraham Aben-Esra zugerufen: „Du mußt mein Sohn werden!" Es kam vielmehr aus dem Innersten seines Herzens. Die hohe Achtung, die er durch die Schriften des jungen Aben-Esra vor diesem hegte, die Bewunderung, die er seinen erprobten Talenten und Geistesgaben zollte, die Freude, die er an der, auch äußerlich so hohen und charakteristischen Erscheinung des jungen Mannes, hatte, diese allein wären für Juda schon Bewegungsgründe genug gewesen, da zu aller Zeit in Israel, und bei Hallevi ganz besonders, der Werth des Geistes den des Reichthums überwog. Allein es kam bei ihm noch der lang gehegte Wunsch dazu, den der Familie Aben-Esra zugesügten Nachtheil, so wenig er ihn auch verschuldet hatte, möglichst auszugleichen. Darum hatte er Abraham so lange schon auffuchen lassen, ihm nachgeforscht — nun war ihm Alles erfüllt, und er konnte sich selbst sagen, einen höhern Schatz könne er seinem Hause nicht erwerben. Auf Abraham selbst mußte dieser Ausruf Juda's einen tiefen Eindruck machen. Wir kennen seinen Seelenzustand, seine stille, aber tief gewurzelte Neigung zu Hulda ... so schnell sollte er nun am Ziele, am Eingang zum höchsten Glücke stehen? Aber er wußte ja auch um die Unbestimmtheit des jungen Mädchens, ihre kleinen Eitelkeiten neben ihren großen Vorzügen; er wußte, daß er dieses Herz noch nicht sein nennen könne. Er sagte sich, ich habe schon einiges Anrecht auf dasselbe, ja ich habe auch eine Verpflichtung, es zu gewinnen, und daß der Vater es wünscht, es heischt, legt noch mehr Gewicht in meine Wagschale, aber... Juda hatte, unbekümmert um den Eindruck, den dieser Vorgang auf die Herren Scholaren machen mußte, und um den wir hier ebenso unbekümmert sein wollen — obgleich der Name Aben-Esra's von so großer Wirkung sein mußte, daß er alle Bemerkungen niederschlug — Abrahams Hand ergriffen, und führte ihn in seine Studierstube hinauf. Nachdem sie Platz genommen, sprach er: „Mein theurer Abraham, Du begreifst sicher, daß zwei Menschen wie wir, wenn sie sich einmal gefunden, sich

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