Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1849)
- Date
- 1849-04-02
- Page
- Seite 188 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225606-3225621--10094-3240123- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
188 so sei derselbe vorläufig zu suspendircn, bis sich das Bedürfniß wieder kund gethan habe. Köln, 21. März. Der Regierungsbezirk Köln zahlte zu Ende des Jahres 1848 unter 482,635 Einwohnern auf 70 Quadratmeilen 5572 Juden (also ungefähr der 86ste Mensch, durchschnittlich auf die Quadratmeile nicht ganz 80). Der Stadtkreis Köln zahlte unter 87,747 Einwohnern 1035 Juden (also ungefähr der 84ste Mensch.) Magdeburg, 24. März. (Privatmitth.) Es ist bis zum Februar eine Anzahl Rückforderungen aus der Sammlung für das Jerusalemsstift cingelaufen; indeß haben die Herren Vorsteher der Gemeinde zu Braunschweig nach dem Rathe von Sachverständigen für nothwendig erkannt, nachdem keine späteren Reklamationen eintreten könnten, daß zuvor eine gerichtliche Aufforderung vorangehe. Wir werden die nöthige Einleitung sofort treffen, um nach geschehenem gerichtlichem Proklama diejenigen zu befriedigen, welche die Rückforderung angezeigt haben. Altenmuhr (Baiern), 11. März. (Eingesandt.) Der Unterzeichnete erlaubt sich Ihnen nachstehende Mittheilung zu beliebigem Gebrauch für die A. Z. d. Jud. zu machen. Schon lange, wie jeder Jsraclite, voll Hochachtung gegen Herrn Gabriel Riesser wegen seiner unermüdlichen Bestrebungen für die Emanzipation der deutschen Juden, haben mich dessen desfallsige Leistungen in der Paulskirche, wodurch er seinen vieljährigen Bemühungen gleichsam die Krone der Vollendung aufsetzte, mit wahrer Verehrung gegen ihn erfüllt. Dieser habe ich durch folgenden Akt Ausdruck zu geben gesucht, was vielleicht Nachahmung finden dürfte. Ich gab nämlich meinem mir vor wenigen Tagen geboren wordenen Knaben Nieffers Vornamen Gabriel und habe die desfallsige Vormerkung im Zivilstandsregister gemacht. Israel schuldet Riessern viel; er war es vornehmlich, der durch seine Schriften die öffentliche Meinung bearbeitet, der besonders die verschiedenen Vorurtheile niedergekämpft und unser gutes Recht überall geltend zu machen suchte, so daß die neuen Ereignisse diese Frage vollkommen abgeklärt fanden; er war es, der durch das Leidenschaftslose seiner Polemik, von einer liebenswürdigen Persönlichkeit unterstützt Alles besiegte; er war es, der in der Paulskirche als Jude für die Juden auftrat, also daß die Worte eines einzigen Gegners auch nicht eine Stimme der Unterstützung fanden. Ueber ein Kleines werden alle deutschen Juden entknechtet und frei sein, und frei wirken für deutsche Freiheit und Einheit. Israel ist dankbar, aber es vermag keine Denkmäler aus Erz zu setzen, am Wenigsten noch die, welche derartige Verdienste am Besten zu schätzen wissen. Von Alters her hat es seinen Dank gegen welthistorische Wohlthäter, selbst heidnische, dadurch bewiesen, daß cs den Neugeborenen ihre Namen beilegte. Zeuge dessen sind die Namen Alexander, Kosmann rc. Wolan! geben wir allen im Laufe eines Jahres geboren werdenden Knaben, den Namen des Wohlthäters unserer Zeit, unserer Glaubensgenossen, den Namen Gabriel. Ist der Gedanke gut — und er dünkt es mir zu sein — so ist's ja gleich von wem er ausgegangen. Krämer. Altstrelitz, 12. März. (Privatmitth.) Der junge Baum der Demokratie scheint unter vielen gesunden Aesten leider auch manchen Wasserzweig ansctzen zu wollen. Viele geriren sich als ihre Jünger, ohne auch nur im Mindesten der hohen sittlichen Anforderungen eingedenk zu sein, die sie an ihre Bekenner macht, scheinen nur so weit dem demokratischen Prinzipe zu folgen, so weit es ihrem Ehrgeiz schmeichelt oder ihren eigennützigen Zwecken entspricht. Bedauernswerth ist dann, daß sich der große Haufe, von ihren Vorspiegelungen geblendet, oft als blindes Werkzeug gebrauchen läßt. Von diesen Wahrheiten wurden wir durch die jüngsten Vorgänge in der israelitischen Gemeinde zu Strelitz überzeugt. Dort agirt nämlich schon seit einigen Monaten eine Anzahl Gemeindcmitglieder, Leute — den Literaten, eigentlich Oberlehrer der dortigen jüdischen Schule, der sich über alle äußeren Formen des Judenthums, Synagoge und Bibel rc. hinwegzusetzen glaubt, ausgenommen —t gering an Kenntniß und Bildung, aber durch äußere Eleganz ihre innere Hohlheit verdeckend, die sich demokratisch-, auch „philosophisch gebildet" nennen, jedoch von Demokratie und Philosophie nicht