Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1849)
- Date
- 1849-04-02
- Page
- Seite 187 (sequence 7)
- Language
- German
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187 der Grundrechte noch bestehenden Uebergangszustand möglichst abzukürzen, den Beschluß gefaßt, einen Ausschuß von 18 Gemeindeangehörigen zu berufen, der den Auftrag erhält, eine neue Gemeindeordnung zu entwerfen. Gewählt wird dieser Ausschuß nach Stimmenmehrheit durch die ganze Gemeinde und jedes volljährige männliche Gemeindemitglied ist Wähler und wählbar. Der Entwurf wird sodann vom Ausschüsse den sämmtlichen wohlberechtigten Gemeindcangehörigcn zur Entscheidung, nach Mehrheit der Stimmenden, durch Ja oder Nein vorgelegt, bis aber diese Entscheidung erfolgt ist, bleiben der bisherigen Vorstand und Ausschuß in Funktion. Die Wahlen des Ausschusses sind auf den 22. und 23. März angesetzt. Hannover, im März. (Eingesandt.) Das hiesige jüdische Seminar macht gute Fortschritte, wie aus folgendem Publikandum hervorgeht: Nachdem am 7. November v. I. die Bildungsanstalt für jüdische Lehrer unter Leitung des Oberlehrers Dr. Frensdorfs mit 7 Zöglingen eröffnet ist, soll nach dem Paffahseste d. I. eine neue Aufnahme von Zöglingen staltfinden. Diese müssen 15 Jahr alt sein, einen guten moralischen und religiösen Lebenswandel bescheinigen, die nöthigen Vorkenntnisse besitzen und Nachweisen, daß für ihre Wohnung und Unterhalt dahier auf angemessene Weise gesorgt sei. Der volle Kursus ist ein dreijähriger; die Unterrichtsgegenstände vorläufig die Bibel mit Kommentaren, hebräische Grammatik, Mischna, biblische und jüdische Geschichte, Religion, deutsche Sprache, Pädagogik, Weltgeschichte, Geographie, Naturlehre, Schönschreiben, Rechnen und Gesang. Den Unterricht erlheilen der Landrabbiner Dr. Meyer, Oberlehrer Dr. Frensdorfs und mehrere Hilfslehrer. Das Schulgeld beträgt halbjährig 6 Thlr. Die Meldungen zur Aufnahme sind baldmöglichst bei dem mitunterzeichneten Landrabbiner Dr. Meyer einzurcichen, und haben sich die Aspiranten spätestens Montag den 16. April Hieselbst einzusindcn, da am 17. die Vorprüfung stattsindet und am 18. der neue Kursus beginnt. Hannover, den 5. März 1849. Die Verwaltungskommission der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer. blnger, Regierungsrath. Dr.Meyer, Landrabbiner. A. Be re nd, Bankier. Salomon Cohen, Bankier. Dr. Frensdorfs, Oberlehrer. Wien, 20. März. (Privatmitlh.) Die argwöhnischen Muthmaßungen, welche die anliöstcrreichische „deutsche Zeitung" den, über ihre Emanzipation glücklichen österreichischen Juden höhnend entgegenwarf, daß das Gesetz über die Gemeindeordnung einen Paragraphen bringen werde, durch welchen die Gleichstellung wieder benachtheiligt wird, ist nicht in Erfüllung gegangen. Die eben erlassene Gemeindeordnung enthält keine Bestimmung, welche die Juden ausschlöffe. — Das ebenfalls erschienene Preßgesetz enthält, wie die Vorlage des preußischen Ministeriums, Strafbestimmungen gegen die, welche Angriffe auf Religionsgenossenschaften veröffentlichen. Berlin, 24. März. (Privatmitlh.) Der ungeheure, beispiellose Beifall, welchen die Rede Ricßer's in der deutschen Kaisersrage als Berichterstatter des Ausschusses in der frankfurter Paulskirche erhalten, und die ihn wieder als einen Heros des rechten Zentrums der deutschen Nationalversammlung glänzend auszeichnct, hat auch hier bedeutenden Eindruck gemacht, und tritt wohlthätig den Verleumdungen entgegen, welche die ministerielle Presse (wir meinen insonders die Voss. Zeit.) gegen die Gesammtheit der Juden, als „Feindin der Gesellschaft" schleudert. Gehört doch der Jude Wilhelm Beer in der ersten Kammer geradezu zu der Fraktion der äußersten Rechten; und so wird man sich denn auch endlich darüber zufrieden geben, daß der Jude Johann Jakoby zur äußersten Linken der zweiten Kammer gehört. Man sieht doch, daß die Juden hervorragende Persönlichkeiten für jede Fraktion liefern, Beer äußerste Rechte, Rießer rechtes Zentrum, Ko sch linkesZenrrum,Jakoby äußersteLinke. Weiter wollen wir hier Nichts. Es kommt uns hierbei durchaus nicht auf die persönliche politische Ansicht Ihres Korrespondenten, oder auf Ihre, Herr Redakteur, an, sondern allein darauf: wie sich die Gesammtheit der Juden zu den politischen Fragen verhält, da man aber gegen diese Gesammtheit die ärgsten Verdächtigungen, die maßlosesten Beschuldigungen richtet. Berlin, 26. März. Die Genossenschaft für Reform im Judenlhume hat diese Tage eine Versammlung gehalten, in der beschlossen wurde, da seit dem dreijährigen Bestehen sich die Theilnahme am Sonnabend gottesdienste äußerst dürftig herausgestellt habe,