Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-02 · Heft 14 (2.4.1849) · p. Seite 183

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 14 (2.4.1849)
Date
1849-04-02
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225621--10089-3240118
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

183 das Gemeinwohl des Judenthums so eigensinnig hintenansetzen, daß sie auch die allgemeine Synode eher bekämpfen, als beschicken würden: so haben wir dennoch volles Zutrauen, daß erstens die Versammlung auch dann nicht den Grundsatz, den wir eben als die Devise der neuern Zeit bezeichneten, aufgeben würde, auf eine Ordnung der Dinge zu denken, durch welche alle Söhne Israels in ihrem Religionsgebäu einen Platz hatten; daß zweitens die große Menge der Gemäßigten in Deutschland, welche mit einer gewissen Anhänglichkeit an die Vergangenheit das Bedürfniß der Verjüngung und Erfrischung vereinigen, die Synode schadlos halten würden für den Verlust, für das Ausbleiben „der rechten Seile des Hauses." Aber wir setzten bis hieher das Zustandekommen der Synode als schon so bestimmt voraus, daß über die Bestandtheile derselben die Meinung bereits geäußert werden konnte. Sind wir schon so weit? — Dies führt uns zu der besprochenen Ansprache zurück. Die Vorsynode hat die Synode nicht aus freiwillig Kommenden zusammengesetzt gewollt. Sie hat daran recht gethan. Lieber jetzt noch keine Synode, als dieses Institut von vorn herein durch unendliche Wicrsale und Erfolglosigkeit abgenutzt. Aber erschwert hat sie dadurch das Werk. Wir wissen es Alle, wie schwierig es ist, die schwerfälligen Körperschaften, die wir Gemeinden nennen, in Bewegung zu setzen, und sie zu bestimmen, an einem allgemeinen Akte Theil zu nehmen. Dennoch blieb kein anderer Ausweg, um den Akten der Synode irgend ein Recht auf Autorität, irgend eine Aussicht auf reellen Erfolg zu verschaffen. Auch der von der Synode beliebte Wahlmodus schafft Schwierigkeiten, denn es sind noch Gemeinden genug, in denen das allgemeine Wahlrecht durch die Autokratie der Vorstände verhindert ist, und viele Vorstände werden demselben um der Synode willen den Eingang zu verschaffen nicht gewillt sein. Hingegen ist dieser Wahlmodus, abgesehen von seiner Gerechtigkeit, die einen andern gar nicht zuließ, geeignet, selbst in Gemeinden, die jetzt im Zustande der Auflösung begriffen sind, eine Wahl möglich zu machen, so wie es ja nicht allein die Vorstande zu sein brauchen, welche die Wahl bewirken, sondern, im Fall der Weigerung, jedes beliebige Konnte. Ein Anderes ist es aber nun um die ganze Verwirklichung der Synode. Der „ständige Ausschuß", obschon beauftragt, den Zeitpunkt näher zu bestimmen, läßt denselben noch ganz im Dunkel. Er erwartet erst Zuschriften von Gemeinden und befugten Männern. Hier ist es, wo wir mit ihm auseknandergehen, und glauben, daß er den rechten Weg verfehlt hat, und glauben, daß wir ihn zu einem Andern auffordern müssen. Obgleich wir den Vorbedacht des Ausschusses wohl zu würdigen verstehen, in welchem er die Idee der Synode nicht einem vielleicht fehlschlagenden Versuche aussetzen, und so bewegten Zeiten anvertrauen will, wie die Unsrigen sind: so ist es doch ebenso wahr, daß allzuzaghaftes Bedenken niemals Etwas zu Stande bringt und den rechten Zeitpunkt ebenso oft verfehlt; daß wir insonders bedenken müssen, daß ein Erwarten vieler Zuschriften sein sehr Mißliches hat, indem Biele zwar einem bestimmten Aufruf folgen, Wenige aber sich herbeilassen, im Voraus einen Schritt zu thun, und daß Nichts verführerischer ist, als die Aufforderung Bedenken zu äußern, und Etwas „für noch nicht an der Zeit zu halten", worüber es denn oft „zu spat" wird: sondern daß es besser gethan ist, mit kühner Zuversicht die Zeit zu bestimmen, und nun alle Kraft daranzusetzen, es auszuführen. Vor Allem gilt auch der Gedanke, daß die Synode nicht minder wie alle freien menschlichen Dinge erst wachsen muß, und daß bei allzugroßem Andrange die erste Synode vielleicht weniger wird schassen und dadurch ihre Zukunft sichern können, als bei einer Versammlung gediegener Männer auch nicht in der Vollzahl. Der Ausschuß hat daher, nach unserer unmaßgeblichen Ansicht, bis jetzt seine übernommene Pflicht nur halb gethan, und müßte nunmehr bestimmter vorschreiten. Es gilt demnach hier ein bedeutsames Werk. Israel hat hier zum ersten Male sich als das frei gewordene, als das auf dem Boden der Glaubensfreiheit stehende zu bethätigen. Israel har, nachdem es in jeder andern Beziehung völlig in die Völker aufgegangen, denen es dem Vaterlande und der Gesellschaft nach angehört, zu bethätigen, daß, unabhängig hiervon, es die Religion, für und durch die es so vieleJahrtausende bestanden, erhalten und zu seinem und der Menschheit Heile immer fürder ausbauen wolle. Israel hat zu beweisen, daß es gerade auf dem Boden der Glaubensfreiheit sich von aller Zerfallenheit frei zu machen und zum Begriff der religiösen Gesammtheit und Gemeinsamkeit zu erheben befähigt sei. Dies sind bedeutende Pflichten, die es zu erfüllen hat. Mag daher die Synode überall ihre Anhänger, noch besser überall ihre Förderer finden, und wir bald Erfreuliches mitzutheilen im Stande sein! i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.