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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-02 · Heft 14 (2.4.1849) · p. Seite 182

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 14 (2.4.1849)
Date
1849-04-02
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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182 aus. Ja, noch mehr, oft war es die Minorität, die mit Hilfe der Staatsregierungen die Majorität in Fesseln schlug. Es geschah, daß alle Bedürfnisse des einen Theils unterdrückt wurden durch den andern Theil. So wie im Allgemeinen die Juden, und alle minderzähligen Konfessionen, in Schach gehalten wurden, für die Majorität steuern mußten, ohne daß ihren Bedürfnissen eine angemessene, selbst verhaltnißmäßige Rechnung getragen wurde; so machte es sich auch im Kleinen innerhalb der jüdischen Gemeinde, nur daß hier oft selbst die Majorität der Gemeindeglieder nicht zu ihrem Rechte kam. Wir erinnern an Preußen unter dem vorigen Könige, wo jede „Neuerung" gewaltsam unterdrückt wurde, und sich das Unschuldigste nur heimlich einschleichen konnte; wir erinnern an Baiern. Da waren denn die Parteien gezwungen zu kämpfen, zu streiten, sich in den Haaren zu liegen, da waren sie gezwungen oft, sich zu trennen und zu spalten. Dieser Grund ist geschwunden. Bei der völlig errungenen religiösen Freiheit und Selbstständigkeit, wo das Individuum keinem Zwange mehr unterworfen ist, wo sich jede Meinung und Ansicht so weit geltend machen kann, wie sie die Ueberzeugung Anderer für sich zu gewinnen vermag, da ist keine Berechtigung des um die Aeußerlichkeit ringenden Kampfes, kein Recht der Trennung mehr da. Da tritt vielmehr als das höchste Gesetz, als der höchste Zweck der Bestand der Gesa mmth eit ein, und diesem höchsten Zwecke ordnen sich alle anderen unter, da eben das Individuum völlig freie Bewegung har. Wenn es der Grundsatz der Despotie ist: divide et impera, d. h. trenne, zertheile, dadurch herrschest du, so ist es derGrundsatz der freien Vereinigung: vereinige, dadurch bestehst du. Solche Vereinigung ist aber nur dadurch erreichbar, daß ein Jeder im Einzelnen so viel von seinem individuellen Verlangen opfert, daß die Gesammtheit möglich ist. Da nun bei völliger Freiheit des Individuums es sich in religiösen Dingen nur um die Formen der Gesammtheit handelt, so ist es klar, daß Niemand seinem Gewissen Etwas vergiebt, wenn für die Gesammtheit gegenseitig in diesen Formen Etwas nachgegeben wird, weil sonst die Gesammtheit gar nicht bestehen kann, und das Individuum dennoch thun und lassen kann, was seinem Gewissen entspricht. Wie gesagt, ein Anderes in der Zeit des Zwanges, wo es galt, das Recht der Existenz auch für die abweichende Ansicht zu erkämpfen; ein Anderes in der Zeit der Glaubensfreiheit, wo es gilt, die Gesammtheit auf dem Boden der Freiheit nicht in die zahllosen Atome der Individualität zerbröckeln zu lassen. Man wird sich erinnern, daß aus einer süddeutschen Stadt gegen diese Bestimmung der Vorsynode schon gestritten ward, indem man den alten Satz hervorhob, daß die Orthodoxie niemals nachgeben werde. Allein dies ist eben ein Satz der alten Zeit, wo es die Orthodoxie meist in Händen hatte, durch Gewaltmaßregeln die übrigen Glieder der Gemeinde zu zwingen. Jetzt aber, wo diese Zwangsmaßregeln gefallen sind, liegt es an den meisten Orten in dem Interesse der Orthodoxie selbst nachzugeben, weil sie sonst die Mittel nicht besitzen wird, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, weil sie, wenn sie hartnäckig auf ihrem Standpunkte beharren will, oie Lossagung so zahlreicher Gemeindegtieder erfahren würde, daß ihr Bestand sehr zweifelhaft wäre. Auch die Orthodoxie muß daher jetzt an Transaktion denken, und wird die Hand bieten, die Gemeindeverhältnisse nach diesem Grundsätze zu ordnen, das Kultus-, Unterrichtsu. dgl. Wesen danach einzurichten. Diese Ueberzeugung läßt uns daher auch hoffen, daß die Synode auch von den Orthodoxen als willkommenes Mittel allseitiger Versöhnung und einheitlichen Fortstrebens, als ein wesentliches Mittel des Fortbestandes begriffen und benutzt werden wird. Ein Anderes war es um die Rabbinerversammlungen, wo, in der Zeit der Entwickelung, ein Zusammentreffen der auseinandergehenden und auseinanderstrebenden Richtungen nicht möglich, und daher die Trennung von vorn herein gegeben war. Jetzt, wo die Entwickelung ziemlich beendet ist, wo wenigstens der Inhalt der Bestrebungen Allen bewußt ist, und selbst das Endziel, die Grenze, bis wie weit vorzugehen ist, nicht im Dunkel liegt, jetzt, wo es daher viel mehr darauf ankommt, sich mit- und nebeneinander zu vertragen und zu ordnen, jetzt wären die Orthodoxen offenbar ohne alles Bewußtsein der Lage, sie wären in der That die Beschränkten und Bornirten, für die oie Gegenpartei sie ausgab, wenn sie sich abschließen, isoliren, also der Synode enthalten wollten. Jetzt wäre selbst eine Separatversammlung, wie die ehemals beabsichtigte Theologenversammlung, die der Rabbinerversammlung gegenüber wol begriffen werden konnte, ein Unding, die ohne Erfolge bleiben mußte. Wir haben daher die Orthodoxen um so mehr dringend aufzufordern, sich an der Synode zu betheiligen: „soll einer von den Stammen Israelis fehlen?" (Nicht. 21, 3.) Sollte übrigens diese Hoffnung nicht in Erfüllung gehen, sollten die Orthodoxen das allgemeine Jntereffe,

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