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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-26 · Heft 13 (26.3.1849) · p. Seite 179

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 13 (26.3.1849)
Date
1849-03-26
Page
Seite 179 (sequence 15)
Language
German
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179 und die Schriften Aben-Esra's gerade scheinen mir hiervon nicht ganz frei zu sein." Diese Worte regten einen höhern Grad von Aufmerksamkeit auf, und je weniger die meistenZuhörer den frömmelnden Ton, den Jsak bei seiner Rede angeschlagen hatte, zu billigen schienen, desto mehr richteten sich die Blicke auf Abraham, von dem sie eine Widerlegung erwarteten. Ganz ruhig erwiderte dieser: „Ich habe hier natürlich Aben-Esra nicht zu rechtfertigen, noch dazu da ein allgemeines Urtheil ohne Beweise ebenso leicht verneint, wie ausgesprochen werden kann. Aber ich weise nur auf die vielen Meister unserer heiligen Lehre hin, die sich seit Saadia Ha-Gaon s. 2f. in allen Wissenschaften hervorgethan, welche die Natur in ihren Tiefen erforscht haben, um mit diesem Lichte die Wahrheit unserer Offenbarung nur noch glanzender zu beleuchten. In der Gegenwart des Verfassers des Cusri kann wol schwerlich gesagt werden: die Wissenschaft jage dem Zweifel in die Arme, und erlöse nicht wieder daraus. Was die Tradition betrifft, so hält man sie ebenso heilig, wenn man auch nicht jeden Midrasch, jede Auslegung einer Mikrastelle für die unumstößlich und allein richtige halt. Das haben unsere Weisen gef. A. nicht gewollt, da sie ja selbst eine und dieselbe Stelle neunundvierzigmat auslegen; es ist dies eine blöde Anschauung, die sie in Zarfat (Frankreich) behalten mögen, die aber den gesegneten Boden Hispaniens nie betreten darf/' „Bravo!" rauschte es von den Lippen der Scholaren, und man sah es den Jünglingen an, sie hätten ihren Beifall noch lauter kund gegeben, wenn sie die Gegenwart Juda's nicht gescheut hätten. „Wer ist denn das?" flüsterten sie einander in's Ohr, und halblaut rief Samuel dem Jsak zu: „Ist das ein Lungerer, ein Faullenzer, ein Schmarotzer?" Jsak murmelte nur: „Pödel!" in den Bart, und schwieg. „Ich muß der Ansicht unsers Freundes Abraham beipflichten", hob Juda an, „und so wenig man so tiefgreifende Gegenstände in einem beiläufigen Tischgespräche abmachen kann, so will ich nur auf ein Anderes aufmerksam machen. Wir leben nicht mehr in den geheiligten Grenzen des gelobten Landes. Wir leben unter den Völkern. Da ist es unser höchstes Interesse, uns die Achtung derselben zu erwerben, um so mehr, da wir mit der Achtung vor uns auch die Achtung vor unserer heiligen Lehre erlangen. Wie anders können wir aber diese erreichen, als indem wir wetteifern mit Allen in Allem, was den Geist und die Sitte veredelt und ziert. Wir wissen Alle, daß dir Muse Zions seit lange geschwiegen, oder, wenn sie laut wurde, sehr harte Töne aus ihrer Harfe hervorlockte. Wir standen geschmacklos da, den Arabern gegenüber. Um so mehr müssen wir die erst in unserer Zeit wieder erstandene Poesie in unserer heiligen Sprache pflegen, damit wir auch hierin mit Mustern und leuchtenden Beispielen aufzutreten vermögen. Das können wir aber nicht erlangen, wenn wir uns nicht in allen Gattungen üben, und nach allen Seiten die Form künstlerisch ausbilden, wodurch dann unsere religiöse Dichtung nur gewinnen kann, und sich läutern und ausbilden wird." Die Scholaren nickten dm Worten des Rabbi mit vielem Eifer ihren Beifall zu. Nach einer Pause .sprach Abraham: „Ich habe im Lande Jtalia eine neue Art der Dichtkunst kennen gelernt, die zwar niemals die höchste Gattung derselben werden kann, aber jedenfalls den höchsten Grad der dichterischen Fähigkeit und Begeisterung bezeichnet. Man nennt sie dort Improvisation, und sie besteht darin, daß man dem Dichter Gegenstand und Form aufgiebt, und er sofort, ohne es niedeczuschreiben, ein Gedicht darüber spricht. Ich habe mehrmals Gelegenheit gehabt, solche Dichter zu hören, und war über diese Fertigkeit und Begabung sehr erfreut, von der ich glaube, daß, wenn sie sich ausbreitet, aus Sprache und Geschmack des ganzen Volkes sehr vortheilhaft wirken muß." „Das ist erstaunlich," rief ein Scholar ans, „aber ob dies in der heiligen Sprache möglich ist?" „Auch ich möchte zweifeln, ob Jemand unsers Volkes es vermöchte?" fügte Juda hinzu. „Ich glaube es, denn ich habe es selbst versucht, ob zwar es noch sehr schwach ausgefallen," erwiderte Abraham. „Nun so wünschte icb," siel Jsak ein, der dem verhaßten Fremden eine Niederlage zu bereiten gedachte, „Rabbi Juda gäbe dem Herrn jetzt gleich eine Gelegenheit, uns den Beweis zu liefern." Juda sagte: „Ich muß gestehen, eine solche Probe wäre mir eine große Freude; doch bas, Abraham, kommt auf Euern freien Willen und Eure Stimmung an." Abraham erwiderte nach einigem Zögern: „Ich bin bereit, weil es Euch, Rabbi, eine Freude wäre, doch rechne ich auf Eure Nachsicht. Vielleicht gelingt es mir, und das würde ein Sporn für diese meine jugendlichen Ger nossen sein."

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