Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1849)
- Date
- 1849-03-26
- Page
- Seite 180 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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180 „Nun, so sei's!" antwortete Juda. „Doch muffet Ihr so gut sein, und hier in meine Nahe kommen, um Euch nicht anstrengen zu dürfen. Behandelt, wenn Ihr wollt, ungefähr den Gegenstand des eben gepflogenen Gesprächs, und zwar in drei Strophen zu zwei Versen, von denen jeder aus zwei Halbversen besteht, die sich reimen. Ihr seht, ich mache Euch die Sache nicht allzuleicht." Abraham stand auf, nahm den Platz neben Juda ein, den man ihm bereitwillig einräumte, sann eine kurze Weile nach, erhob sich dann, und sprach: Es schweigt die Nacht, doch nicht der lichte Morgen, Wenn vor dem goldnen Strahle Nichts verborgen, Es schweigt der Winter, wenn aus starren Banden Der Lenz, der lächelnde, noch nicht erstanden; Die Trauer schweigt, des tiefen Schmerzes Wehe, Jndeß die Lust aufjauchzt zur Himmelshöhe; Laut ruft die Kraft ihr Machtgebot in's Weite, Doch flieht die Ohnmacht schweigend vor dem Streite — Drum, Israel, hinweg mit Deiner Hülle, Laß fröhlich strömen Deines Geistes Fülle; Laß Tag und Lenz, laß Lust und Kraft auf Schwingen Aus Deiner Harfe goldnen Saiten dringen! Abraham sprach diese, seinem Munde entströmenden Verse zwar einfach und mit auf sich selbst beruhender Gestalt, aber tief innigen, und zuletzt gehobenen Tones, mit der vollen Färbung der den Klang der Stimme. Die Bewunderung fesselte alle Zuhörer, die in ihren Sesseln zurückgelehnt seinen Worten lauschten — da erhob sich Juda, und rief aus der Fülle des Herzens aus: „Wer bist Du, Abraham? Ja, Du bist entweder Aben-Esra oder der Satan!..." „Ich bin Abraham Aben-Esra aus Toledo..." antwortete gesenkten Hauptes und mit bescheidenem, würdevollem Ausdruck Abraham. Da konnte Juda nicht an sich halten, er ergriff den Arm Abrahams, zog ihn an seine Brust, küßte seine Stirn, und sprach leise: „Abraham, Du mußt mein Sohn werden ... ich habe keinen andern ..." (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l l/4 Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Die israelitische Gemeinde hieselbst wünscht zu Ostern d. I. einen mit guten Zeugnissen, sowol seiner Fähigkeiten als seines moralischen Betragens versehenen Religionslehrer, Schächter und Vorbeter und wollen hierauf Reflektirende in portofreien Briefen an den Unterzeichneten Vorstand sich wenden. Zugleich wird bemerkt, daß erwähnte Stelle bei gänzlich freier Station und außer Schächt- und anderer Akzidentien ein Fixum von 60 Thlr. Krt. bietet. Marin, im März 1849. I. Behrend. Zu Ostern oder Johanni d. I. kann ein junger Mann jüdischer Konfession bei einem Sattlermeistec und Tapezierer in die Lehre treten. Die Bedingungen, so wie das Weitere, sind unter frankirten Anfragen, «F. 8. poste restante Hannover, zu erfahren. Ein nicht unbedeutendes Materialgeschäft ist unter vortheilhaften Bedingungen auf 6 oder mehrere Jahre zu verpachten. Ein unverheiratheter Mann, mosaischen Glaubens (der rechten Seite), würde besonders berücksichtigt werden. Reflektirende erfahren das Nähere auf portofreie Briefe von H. Brody in Züllichau. Ein Tischlergeselle, der aufBau- und Meubles-Tischlerei gut eingearbeitet ist, und dem mosaischen Glauben (der rechten Seite) angehört, kann eine nicht unbedeutende Werkstelle mit guter Kundschaft übernehmen. Das Nähere ist zu erfahren auf portofreie Anfragen von H. Brody in Züllichau. Literarische Anzeige. In Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig und in allen Buchhandlungen ist zu haben: Kleiner* Katechismus der Geschichte Israels (bis zu unsrer Zeit), der Bibelkunde, der Landeskunde des alten Palästina und der jüdischen Liturgik. Von vr. Ludwig Philippson, Rabbiner. In 8. roh 4 Ngr. (3 gGr.) geb. 54/2 Ngr. (41/2 gGr.) Druck vou Z. B. Hirfchfeld in Leipzig.