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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-26 · Heft 13 (26.3.1849) · p. Seite 178

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 13 (26.3.1849)
Date
1849-03-26
Page
Seite 178 (sequence 14)
Language
German
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178 Ha-Meschorrerim *) gelesen, wenn man ein Adon Chasdecha**) studirt hat, so verliert man den Muth sich an ein Purimlied, wie das über ein loseS Spiel, zu machen." Der alle Zeit fertige Gegner Jsaks, Samuel, siel ihm in die Rede: „Ich halte dies für sehr einseitig; man kann ein sehr warmes Herz für religiöse Gesänge haben, und sich doch auch an Gedichten anderer Art ergötzen. In der Schöpfung Gottes giebt es viele Blumen, so auch im Garten der Dichtkunst; wer sich nur an einer ergötzt, oder zu ergötzen vorgiebt (setzte er mit Nachdruck hinzu), der zeigt, daß er seine Lieblingsblume auch nicht recht zu würdigen weiß, und sie nur protegict, weil — hm, ja, weil es ihm Nutzen schafft. ..." „Nach harten Urtheilen frage ich Nichts; ich lasse einen Jeden seinen Weggehen, und wandle den Meinen; ich habe mich der Religion und dem Studium ihrer Lehrer übergeben, und was davon abseits liegt, überlasse ich denen, die einer andern Kunst obliegen, wie z. B. oer Baderkunst, der Mathematik rc." Die hitzigen Streiter schwiegen, da sie Beide fühlten, daß sie fast schon zu weit gegangen in Gegenwart des Rabbi. Ein Anderer hob an: „Ich habe die Charuzim gelesen, von denen die Rede ist, und das Gedicht köstlich gefunden. Es ist durch und durch voll tiefen Witzes und Scharfsinns und in sehr künstlichen Formen." Ein Dritter sprach: „Ich möchte aber doch wissen, ob es "der Muse, die die Tochter Zions ist, geziemet, sich auf so profane Gegenstände zu werfen?' Wir haben hierfür noch wenig Beispiele, und so scheint es, als ob die hebräische Muse sich lediglich auf die heilige, auf Gebet und Gotteslehre beschranken solle. Entfernt sie sich hiervon, so entsagt sie vielleicht ihrem eigensten Wesen." Juda, der dem Gespräche sehr wohl gefolgt war, hob hier seine Augen über die Tafel, und rief Abraham auf, indem er sprach: „Was habet Ihr, Abraham, für eine Ansicht hierüber? Theilt sie uns doch mit, denn die Frage ist bedeutend." Aller Augen richteten sich auf Abraham, der bis jetzt, nicht theilnahmlos, aber doch ruhig sich verhalten hatte. Ohne zu zögern antwortete er: *) „Vater aller Sänger", ein Beiname, den man dem Juda Halevi gegeben. **) Ein sehr schönes, ausgedehntes Gedicht Juda's über die Geschichte der Ester, zum Vorabende des Purimfestes. „Man kann durchaus nicht zweifelhaft sein, daß das religiöse Gebiet das natürliche für Israel ist, das es niemals verlassen darf und kann; also giebt es auch keine andere Mutter der Poesie Israels als die Religion. Das schließt aber durchaus nicht aus, daß wir zu unserer eigenen Ausbildung nicht auch nach anderen, ja nach allen Seiten hin unsere Aufmerksamkeit richten dürften. Ja, mich will es bedünken, wir müßten es sogar. Denn ist denn die Religion eine Despotin, welche ihren Jüngern, um sie etwa in ihrer Herrschaft zu behalten, feste, engbegrenzende Schranken zieht? Oder bedarf es, um die Wahrheiten unserer göttlichen Lehre in ihrer Tiefe zu fassen, nicht des entwickelten Geistes? Wie kann aber der Geist entwickelt werden, wenn nicht dadurch, daß er möglichst vieles Wissen sich erwirbt und in vielen Künsten sich übt? Ohne also dem Gedichte, von dem die Rede ist, das Wort zu reden, glaube ich, daß von vorn herein der Gegenstand nicht verurtheilt werden darf, sondern Alles aus die Behandlung und Darstellung ankommt." Eine lautlose Stille herrschte im Saale, als der Fremde, Vielen so unscheinbar Erschienene gesprochen; insonders konnte man Jsak ein sehr langes Gesicht ziehen sehen. Einer der Scholaren knüpfte an, und sprach: „Und Beides, Behandlung und Darstellung, ist in den gedachten Eharuzim über das Schachspiel, so weit ich urtheilen kann, höchst gelungen. Dann bürgt ja auch der Name des Dichters dafür, es ist Aben-Esra...." „Aben-Esra?" fuhr Juda auf. „Und weiß man endlich, wo dieser Aben-Esra jetzt weilt?.. „Nein!" antwortete der Scholar. „Er ist und bleibt verschwunden, seitdem er Toledo verlassen." „Ich habe viel nach ihm forschen lassen," fuhr Juda fort. „Ich bin seiner Familie viel schuldig, und ein Bewunderer alles dessen, was der junge Abraham Aben- Esra von den Werken seines Geistes hat bekannt werden lassen. O, daß ich ihn finden könnte..." Und Juda schien in Nachdenken zu versinken. Als ob es Jsak unangenehm wäre, das Gespräch länger hierbei verweilen zu lassen, begann er: „Aber um wieder zu der aufgeworfenen Frage zurückzukehren, so muß ich gestehen, daß ich anderer Meinung bin. Ich habe gesehen, daß, je mehr wir uns vom Gebiete der Religion entfernen, desto eher fallen wir dem Zweifel in die Arme, desto leichter ersteht eine Verachtung der heiligen Überlieferung, die diese meistern und bekritteln will,

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