Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1849)
- Date
- 1849-03-26
- Page
- Seite 177 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225606-3225620--10082-3240110- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
177 gen und sangen. Dabei ist es ihnen ganz gleich, woher die Leimruthe stammt, und sei es aus einem garstigen Moraste." „Woher hast Du nur, Jsak, das Gleichniß wieder her? Es fließt Dir so vom Munde, wonach wir Anderen lange noch suchen, wenn die Gelegenheit, es anzuwenden, schon vorüber," sprach ein Jüngerer, der den Angeredeten ehrfurchtsvoll anblickte. Jsak erhob sein unschönes Haupt, und das eben einfallende Sonnenlicht beleuchtete seine braune Stirn und ließ Haupthaar und Bart wie Flammen erglänzen, aus denen das bleiche, magere und mit Sommersprossen bedeckte Gesicht hervorschaute. „Was sollte denn," erwiderte er, „die Bekanntschaft mit den größten alten und neuen Geistern nützen, wenn sie nicht unserm eigenen Geiste kräftige Schwingen anhefteten. Nur muß man nicht mit Burschen, die nur in gemeinen Regionen verkehren, zu oft Zusammenkommen, denn das stumpft ab wie der Essig die Zähne." Samuel trat hervor, und sagte: „Meinst Du, rothbärtiger Mensch, mich mit Deinen Burschen? So sage ich Dir, daß Du ein erzgemeiner Bursche bist, der als Famulus des Rabbi David Narboni einen schmutzigen Handel mit den Stühlen derer treibt, die zu dessen Füßen sitzen..." Der Herr Jsak erhob die Faust und ballte sie, aber, sei es daß er die Stärke seines kräftigen Gegners, sei es daß er den Ort scheuete, er ließ sie wieder sinken. „Werde ich es doch erleben," knirschte er endlich, „daß Du aus Kordova herausgegeißelt wirst, wie Du es verdienst, und was ich dazu beitragen kann, werde ich thun. . ." „Das glaube ich, und wenn Du das schwärzeste Gift der Verleumdung brauen solltest .. . aber Du wirst es nicht erleben...." Der laute Wortwechsel hatte noch mehrere der friedlich im Saale sich Ergehenden herangezogen, und eine Stimme ließ sich vernehmen: „Aber, Menschen, was treibt Ihr? Statt belehrender und unterrichtender Dispute, wie Sie in diesem Saale zu führen, zankt Ihr mit einander? Was soll der Fremde von den Kostgängern Rabbi Juda's denken, wenn er uns Alle nach Euch bemessen sollte?" „Was der Fremde denkt, ist mir sehr gleich," wandte Jsak ein, weiß ich doch nicht, ob er überhaupt denkt, aber der Unverschämtheit muß man steuern, und ich werde mit Rabbi Juda sprechen . . In diesem Augenblicke erschien der Haushofmeister, & hinter ihm Diener des Hauses mit Schüsseln; jener winkte, und vergessen war Streit und Disput; die hungrigen Scholaren eilten, einen Platz einzunehmen, doch ließen sie offenbar dem Jsak eine Gasse, daß er einen obern Platz besetzen konnte. Abraham folgte bescheiden dem Haufen, und so blieb ihm nur einer der unteren Sitze übrig. Nach den kurzen Benediktionen war Alles mit Essen beschäftigt, als die Thür sich öffnete, und Juda Hallevi eintrat. Die Scholaren fuhren in die Höhe, nahmen aber auf eine einladende Geberde des Rabbi ihre Sitze wieder ein. Das Auge Juda's überflog die Tafel, und bemerkte Abraham am andern Ende. Einen kurzen Blick des Einverständnisses schien er mit ihm zu wechseln; dann ließ er sich auf dem obersten Sitze der Tafel nieder, und man bediente ihn. „Meine Geschäfte," hob Juda an, „haben mich lange Zeit fern gehalten; mein Herz drängte mich, meine jungen Freunde einmal wiederzusehen, und nach ihrem Wohlsein zu fragen." Jsak, der dem Rabbi nahe saß, nahm für Alle das Wort, und sprach: „Allerdings, Meister, sehnten wir uns nach Deinem Angesichte, wie nach dem Strahle der ausgehenden Sonne, wenn die Nacht voll Dunkels und Sturm war. Jndeß, Herr, vermißten wir Dich weniger bei der Spende Deiner Hand, denn diese wird uns stets reichlich gewahrt, als bei der Spende Deines großen Geistes auf dem Lehrstuhle. Wir sahen da wol viele Sterne, aber die Sonne von Kordova war fern...." * „Ihr versteht die Worte zu setzen, Jsak," antwortete Juda, „aber nicht so, wie ich sie liebe . . . Ihr versteht mich." Jsak war nicht beschämt, er hielt sich an den ersten Satz der Antwort, und blickte triumphirend umher. Nach einer Pause begann Juda wieder: „Habt Ihr mir nichts Neues aus den Gebieten des Wissens oder der Kunst zu berichten? Ist nichts Neues Euch bekannt worden, das Beachtung verdient?" Nach einigem Schweigen hob Jsak zu reden an: „Wenn auch, Rabbi, seitdem Ihr Eure schönbefiederte Feder ruhen lasset, es ziemlich still zu sein scheint in den Gärten Juda's, so machte doch jüngst ein Gedicht viel von sich reden, das unter dem Titel „Charuzim al-Zechek Schach" bekannt geworden, und das jüngst auch bei uns aufgekommene Spiet, welches man Schach nennt, und das einer Menschenschlacht ähnlich sein soll, besingt. Ich habe es nicht gelesen, da mir der Gegenstand doch zu profan erscheint. Wenn man die Gedichte des Abi-Kol-