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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-26 · Heft 13 (26.3.1849) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 13 (26.3.1849)
Date
1849-03-26
Page
Seite 176 (sequence 12)
Language
German
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176 hat Anathema gegen seine philosophischen Schriften aus, und verdammten sie zu den Flammen; einige trieben die Verblendung selbst so weit, gegen diese Schriften und die, welche Gefallen daran fanden, die geistliche Autorität anzurufen. Andere erhoben sich, um sie zu vertheidigen, und schleuderten ihrerseits die Blitze der Exkommunikation auf ihre Gegner. Es war ein wahrhaftes Schisma, das nach und nach alle Synagogen umfaßte und ein Jahrhundert dauerte. Aber der Sieg verblieb bei Maimonides. Während seine talmudischen Schriften ihre Autorität bei den reinen Theologen bewahrten, gab sein More den Anstoß allen freien Geistern, welche aus dem Judenthum von Spinoza bis Mendelssohn hervorgingen." Belletristisches. Hispania und Jerusalem. Novelle aus dem zwölften Jahrhundert. (Fortsetzung aus No. 47. 50. 51. vor. I. und No. 1. 5. 9. d. I.) 11. Am andern Mittage begab sich Abraham in das Haus Juda's. Nachdem er sich dem Thürsteher als Scholar kund gethan, wurde er von diesem in einen geräumigen Saal gewiesen. Er fand hier eine lange gedeckte und mit nettem Speisezeug versehene Tafel, um welche herum eine nicht unbedeutende Zahl Scholaren, in ihren einfachen Talaren, und mit Käppchen auf dem'Haupte, den runden, breitkrampigenHutin derHand, in Gesprachenstanden oder spazierten, des Augenblickes gewärtig, wo die Speisen aufgetragen und sie zum Setzen aufgefordert würden. Abraham trat bescheiden ein, ging um die nächste Gruppe herum, und stellte sich in eine Fensternische. Dennoch wurde sein Eintritt bemerkt, und machte einiges Aufsehen, da man ihn nicht kannte, und er doch schon Etwas über das Scholarenalter hinaus schien. Man blickte ihn von allen Seiten an, und musterte ihn. Nachdem man ihn genugsam beschaut, schwatzte man weiter. „Wer mag der Fremde sein?" ließ sich in einer Gruppe eine Stimme vernehmen, die einem fuchsbärtigen Jüngling angehörte. „Habe ich ihn doch noch Ln Keinem der Hörsale bemerkt, und schon drangt er sich hier herein, wo nur die Tüchtigsten von uns ausgenommen werden?" „Nun, er muß doch von Rabbi Juda die Erlaubniß haben," erwiderte ein Anderer.'' „Was wird er das!" entgegnete der Erste. „Meinst Du, der Thürsteher mustert uns so genau, daß nicht ein Lungerer, ein Faullenzer und Schmarotzer sich hereinschleichen könnte?" „So steht er nun doch nicht aus," sprach der Andere. „Er ist zwar armselig genug gekleidet, aber sein Angesicht verspricht Etwas." „Seit wann, lieber Samuel, bist Du so ein Phisiognom, daß Du im offenen Buche des Menschen seine Geschichte zu lesen vermagst? Hat Dir etwa dies Meister Rodrigos offenbart, mit dem Du ja viel verkehrst?" Ein lautes Gelächter erfolgte aus der ganzen Gruppe. „Mit dem ehrsamen Bader Rodrigos verkehre ich nicht mehr, als um tüchtig die Lanzette handhaben zu lernen; aber das hat er mir neulichst offenbart, daß es sehr rathsam, jedem von den bekannten Vielwissern, die sich auf ihre gelehrte Lappensammtung allzuviel einbilden, monatlich ein Unzchen Blut abzuzapfen, damit es sich in der Wonne über ihren eigenen Werth nicht zu stark zu ihrem kleinen und enggebauten Herzen dränge." Jetzt waren die Lacher auf des Andern Seite; der fuchsbärtige Jüngling entfernte sich mit einem wüthenden Blicke, indem er flüsterte: „Wart', Bader, Dir gedenk' ich es." Der junge Mann, der sich so tapfer vertheidigt hatte, und den sein Gegner Samuel genannt, schritt auf Abraham los, und redete ihn an. „Du bist wol ein eben angekommener Fremdling?" richtete er in der Unbefangenheit der Jugend die Frage an Abraham. „Ich könnte Dir vielleicht in Etwas dienen, denn ich bin bekannt in Kordova." „O ich kenne Kordova auch, nur war ich längere Zeit abwesend. Jedenfalls danke ich sehr für Deine Bereitwilligkeit, und werde sie benutzen, sobald ich ihrer bedarf," lautete die Antwort. „In diesem Saale warst Du noch nicht, aber es wird Dich freuen, den Geist der Wohlthätigkeit zu bewundern, die von unserm großen Rabbi hier geübt wird." „Man braucht nicht hierher zu kommen, um von ihr zu hören und sie zu bewundern." Während die Beiden das Gespräch so fortspannen, hatte sich ganz in der Nähe eine neue Gruppe um den Fuchsbärtigen gesammelt, und dieser sprach so laut, daß man die Worte in der Fensternische sehr gut vernehmen konnte. „Für gewisse Menschen," sagte er, „ist jeder Fremde eine Leimruthe, an der sie sich wie thörichte Vögel Han-

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