Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1849)
- Date
- 1849-03-26
- Page
- Seite 175 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Maimonides. (Nach den Arch. isr. de Fr.) (Schluß.) „Oke göttliche Vorsehung, mag sie sich auf den Menschen oder die Natur anwenden, erstreckt sich nothwendig auf die Zukunft und umfaßt das Vorauswissen. Wie kann aber das Vorauswissen, welches unsere Handlungen als von Ewigkeit her bestimmt vorauszusetzen scheint, sich mit der menschlichen Freiheit vereinbaren? Vor diesem furchtbaren, man kann sagen, unlösbaren Problem, welches zu aller Zeit die Theologen und Philosophen beschäftigt hat, nimmt Maimonides die Partei, welche die Vernunft und ein wahrhaft religiöses Gefühl vorschreiben. Wir wissen sehr wohl, sagt er, was Freiheit ist; wir sehen, baß sie das Prinzip unserer Handlungen und die Bedingung unserer Verantwortlichkeit ist; wir haben aber keine so klare Vorstellung von dem Vorauswissen Gottes, oder von der Weise, in der die Dinge seinem Gedanken gegenwärtig und seinen Beschlüssen unterworfen sind: es ist uns demnach unmöglich festzuhalten, daß diese beiden Dinge unvereinbar mit einander seien (III, 21.)." T; „In Folge dieser metaphysischen und moralischen Betrachtungen unternimmt Maimonides die Vereinbarung der heiligen Schrift mit der Vernunft. Er ruft alle Wissenschaften, die Naturgeschichte, die Medizin, die Philosophie, und noch dazu alle seine besondere Kenntniß in Betreff der Religion der alten Völker Syriens und Chaldäa's zur Hilfe, um zu zeigen, daß es keine einzige Vorschrift der fünf Bücher Mosi's giebt, welche ihre Erklärung nicht in der Vernunft oder Geschichte fände. Wir wollen ihm nicht auf dieses neue Gebiet folgen, aber wir glauben hier eine Idee von seiner Theorie der Prophetie geben zu können. Die Prophetie, nach Maimonides, ist ein Zustand der Vervollkommnung, welche die Vorsehung nicht allen Menschen bewilligt, aber die doch nur mit gewissen Fähigkeiten und gewissen natürlichen Bedingungen, theils physischen, theils moralischen, (Heils intellektuellen existiren kann. Vor Allem ist unter diesen Bedingungen voranzustellen die Einbildungskraft; denn sie allein kann die Visionen erklären, die prophetischen Träume und was es oft an Bizarrem oder für uns Widersprechendem in den Berichten der Propheten giebt. Mit der Einbildungskraft muß sich eine scharfe und so geübte Vernunft verbinden, daß sie die Dinge mit einem einzigen Blick zu erfassen, und von einem zum andern überzugehen vermag, ohne Bewußtsein von ihrem Gange zu haben. Es besteht in der That, sagt Maimonides, eine gewisse Fähigkeit in uns Allen, über die Zukunft aus der Gegenwart zu urtheilen, und die sich durch die Uebung Ln eine wahrhafte Anschauung ausbildet: diese Fähigkeit bis zu ihrer höchsten Vervollkommnung gebracht wird Eines der Elemente der Phrophetie. Aber es ist Nichts, scharf die entfernten Dinge zu sehen, und sie mit seinem Geiste zu sehen, wie man es mit den Augen machen könnte; es ist auch der Wunsch nöthig, sie Anderen kennen zu lehren, wenn sie ihnen nützlich sein können, und der Muth, sie im Angesichte des Todes selbst zu verkünden; mit einem Worte, der Charakter muß ebenso hoch stehen wie die Einsicht. Endlich die letzte, oder vielmehr die erste Bedingung, welche der Prophet erfüllen muß, ist, daß sein Temperament und seine physische Beschaffenheit kein Hinderniß diesem edeln Aufschwung der Seele bringen; denn es besteht ein inniges Verhältniß zwischen gewissen Geisteseigenschaften und gewissen Organen des Körpers, namentlich zwischen der Einbildungskraft 'und dem Gehirne. Bei denen selbst, welche diese verschiedenen Eigenschaften vereinigen, giebt es noch Verschiedenheiten zu beobachten, es giebt Stufen, in der Prophetie wie in unseren gewöhnlichen Eigenschaften. Dieser Stufen sind, nach Maimonides, eilf, und er beschreibt sie mit derselben Sorgfalt, unterscheidet sie von einander mit derselben Genauigkeit, als wenn es sich um einen Gegenstand der Naturgeschichte handelte. Ueber Allen erkennt er zwar einen Einfluß oder eine besondere Emanation der Gottheit, welche von der aktiven Erkenntniß auf die passive Erkenntniß, und von da auf die Einbildung übergeht (II, 36--48.); aber wenn man bedenkt, daß die Vernunft selbst in uns aus einer gleichen Mittheilung entsteht, so ist es unmöglich die schwache Schranke, welche sie noch von der Offenbarung trennt, nicht verschwinden zu sehen." „Die jüdischen Theologen, welche dem alten Glauben anhingen, tauschten sich nicht über die wahrhafte Bedeutung der Werke des Maimonides, und besonders des More Nebuchim. Ein Rabbiner von Toledo, Namens Meir-ben-Todros-Halevy, sagte, als er von diesem Buche sprach, daß es die Wurzeln der Religion befestige, aber die Zweige zerstöre. Indessen, so lange der Verfasser lebte, erhoben sich gegen ihn nur seltene und zaghafte Gegner; unmittelbar nach seinem Tode brach ein heftiger Sturm gegen sein Andenken los. Zahlreiche Gemeinden, besonders in der Provence und im Languedoc, sprachen