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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-26 · Heft 13 (26.3.1849) · p. Seite 174

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 13 (26.3.1849)
Date
1849-03-26
Page
Seite 174 (sequence 10)
Language
German
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174 was Gott verhüte, unsere Thaten und Handlungen in Widerspruch ständen mit den edlen Voraussetzungen des deutschen Volkes in Betreff unserer Würdigkeit, dann, liebe Freunde und Glaubensgenossen, würde kein Dokument, kein Brief und Siegel der Well verhindern, daß in wenigen Jahren unsere Lage weit schlimmer und verhängnißvoller sein müßte, als vor dem 17. Jänner dieses Jahres. Noch immer und lange noch gilt auch bei anderen Glaubensgenossen das Wort unserer Alten: Ganz Israel ist Bürge Einer für den Andern. Darum ist, wer jetzt Unwürdiges begehet unter uns, doppelt und zehnfach treulos an der Sache des gesammten Israel. Doch verzeihet, Freunde, wenn ich das, was mit Gottes Hilfe nicht eintreten wird, berühre in der Stunde, wo ich von Euch, wenn auch nur für einige Zeit, scheide, verzeihet es meiner sorgsamen Treue. Unsere jüdische Kirche wird sich, in ihrer äußern Organisation, neu gestalten, und Ihr, meine Freunde, werdet berufen sein, Eure Meinung darüber abzugeben. Siebzehn Jahre bin ich Mitglied der Oberkirchenbehöroe, und Ihr wißt, daß mein Streben stets darauf gerichtet war, die Freiheit des Gewissens jeden meiner Glaubensgenossen zu wahren, sei deren religiöse Ansicht noch so weit von der Meinigen entfernt, und sodann in unsere leider so harten und drückenden Kult- und Armenkosten wenigstens so viel es möglich eine gerechte Vertheilung herbeizusühren. Liebe Freunde, ich weiß nur zu wohl, daß unser Werk zu unvollständig und sehr fehlerhaft war, und da der Grundsatz, daß die Kirche von Staats wegen regiert werden solle, ohnehin durch die deutschen Grundrechte aufgehoben, demnächst also auch in der Anwendung auf uns abgeschafft wird, so habt Ihr in der Hand es besser und zweckmäßiger zu gestalten. Gott gebe Heil und Segen zu dem wichtigen Werke; glaubt dieKommilsion aus Eurer Mitte, welche den Entwurf der künftigen Einrichtungen für unsere württembergischen Synagogen auszuarbeiten haben wird, oder glaubt Ihr, werlhe Freunde und Glaubensgenossen, oder einzelne Gemeinden unter Euch, daß mein Rath oder Gutachten irgend nützlich dabei sein könnte, so wird es mir zu großer Freude gereichen, Euch darüber meine Ansichten mitzutheilen. Ein ehrenvoller Ruf führt mich nach Berlin, wo eine große und bedeutungsvolle Wirksamkeit mir eröffnet ist. Indem ich für jetzt unser liebes Württemberg verlasse, bleibe ich, auf den Wunsch des Kollegiums, welchem unsere wohlwollende Regierung bereitwillig entsprochen, doch noch Mitglied der Oberkirchenbehörde, und so vereinigen mich auch noch amtliche Bande mit den Glaubensgenossen unsers Landes. Mächtiger aber als diese sind die der Liebe, unvertilgbar in meiner Seele, unauslöschlich eingeprägt meinem Gemüthe. Ich nehme das freudige Bewußtsein mit, daß Ihr in mir den redlichen Freund anerkennt, den treuen Diener unserer guten Sache, den aufrichtigen Israeliten. Ich nehme mit mir das herrliche Andenken Eurer Güte und Eures Wohlwollens, es sei ein Bundeszeichen zwischen Euch und mir. Und wie Ihr mir Liebe gezeigt und Vertrauen in den 25 Jahren meines Aufenthalts in diesem schönen Lande, so — Freunde und Glaubensgenossen — entlaßt mich auch in Liebe, und bewahrt mir ein freundliches Andenken unter Euch, bis »ich mit Gott zurückkehre, oder — wenn nicht — doch meine Kinder. So lebt denn wohl, und möge Gott unS leiten, Jeden auf seinem Wege. vr. Karl Weil. Auf uns machte dieses Schreiben denselben Eindruck wie der Abschied eines lieben, treuen Freundes oder Verwandten, den wir noch recht gerne hätten um uns gesehen, aber dennoch ziehen lassen, weil wir außer Stande sind, ihm das zu bieten, was er in seinem neuen Bestimmungsorte findet. Als vor zwei Jahren dem Herrn vr. Weil von sämmtlichen Israeliten des Landes ein Ehrenpokal überreicht wurde, hat man seine Verdienste um die Israeliten Württembergs in Reden und Zuschriften dermaßen feierlichst anerkannt, daß sich derselbe bei seinem Abgänge aus Württemberg eines bleibenden Andenkens bei uns vollkommen versichert halten darf. Wir ehrten und liebten in ihm den Israeliten, aber ganz besonders den liebreichen Menschen. Sollte er sich veranlaßt sehen, wieder in unser Vaterland zurückzukehren, so wird er uns unverändert finden in unserer Verehrung und Hochachtung. In Buchau wurde obiges Schreiben nach der Predigt der Gemeinde mitgetheilt. 6.

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