Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1849)
- Date
- 1849-03-26
- Page
- Seite 172 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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172 flochten wird. Es giebt kein anderes Heilmittel für dieses wunde Verhältniß." Der Artikel ist nach allen Seiten hin nicht zu übersehen. Er will offenbar im Ganzen versöhnen, denn er rechtfertigt die den Juden untergelegte Feindseligkeit als eine nothwendige Folge der „Mißhandlung", die dem Juden durch so viele Jahrhunderte hindurch geworden; er hebt das Familienleben der Juden hervor, und findet in demselben die Bürgschaft, daß der Jude auch der Gesellschaft sich anschließen werde; er will, daß alle Intoleranz schwinde, damit der Jude sich ungestört in das Staatsleben verflechten könne. Aber ist dieser Geist der Versöhnung, den der Artikel zur Schau trägt, nicht bloßer Schein? Sehen wir nicht, daß dieser Artikel noch immer die Juden sammt und sonders in einen politischen Topf wirft, und sie allesammt von einem und demselben Geiste beseelt ausgiebt — wodurch die Feindseligkeit, und insonders das Mißtrauen gegen die Juden insgesammt nur um so mehr genährt und befestigt wird? Sucht er nicht diese Ansicht von den Juden gerade dadurch zu befestigen, wodurch er er sie erklären will, nämlich es sei dieser, die Gesellschaft bekämpfende Geist in den Juden ein natürliches Produkt ihrer bisherigen Mißhandlung? Stellt er überhaupt das, von ihm vorausgesetzte Streben der Juden nicht als eine „Rache" dar, wodurch der ganze sittliche Charakter der Juden auf's Tiefste erniedrigt wird? Der Artikel will keine Ahnung davon haben, daß dies doch auch ein Akt der Nothwehr sein könnte, weil der Jude noch lange kein volles Vertrauen in die Aufrichtigkeit der vollen Toleranz haben könne nach dem, was er seit 1812 erlebt? Daß der Jude um so inniger sich dem Staatsleben hingeben werde, je mehr er die Ueberzcugung gewinnen wird, daß man in Betreff seiner keine Rückschritte, keine Vorbehalte in der Wirklichkeit nehmen werde? Nein! Es ist durch und durch keine Wahrheit in dem Artikel. Sehet doch hin auf die Leistungen von Juden in den, ihnen gestatteten Kommunalämtern, wie ihr Eifer, ihre Hingebung als Stadtverordneten, Stadträthe rc. aller Orten gerühmt wurde. Sehet doch hin auf ihre Leistungen in Staatsämtern und als Soldaten in Frankreich und Holland, und welche Zeugnisse ihnen da gegeben wurden. Sehet doch hin auf .das, was die englischen Städte von jüdischen Sheriffs rc. so oft ausgesagt. Und dann sprechet noch von „Ranküne, Rache rc." Es ist pure Heuchelei und Spiegelfechterei. Die Juden hegen keine Rache, keine Ranküne — Mißtrauen hegen sie in eure Versprechungen, und dazu habt ihr sie übermäßig berechtigt. Sie fürchten die Rückkehr der Beschränkungen, sonst haben sie über die Vergangenheit längst den Mantel der Vergessenheit gebreitet. Und denselben Mantel der Vergessenheit würden wir auch ebenso gern sofort über eure Artikel breiten, wenn nicht ein Geist aus ihnen spräche, der uns nur zu sehr an die alten, immer in neuer Gestalt auftretenden Verdächtigungen, Vorwürfe, Tadel, Beschimpfungen, ja „Mißhandlungen", wenigstens moralische, erinnert. So bleibt uns denn Nichts übrig aus dem Artikel, als daß er, nur in künstlicher und scheinheiliger Weise, uns Alle als „rothe Demokraten" signalistrt, und gehässig auf die „Deisten nach Mosis Wort" blickt. Dieses letzte Wort zeigt uns denn auch, aus welchen liebevollen Händen wir diesen Artikel entgegengenommen. Aus dem Großherzoglhum Posen, 10. März. (Privatmitth.) Die Wiederkehr des Frühlings bringt aller Welt die Erinnerung an das zurück, was vor einem Jahre vor sich gegangen. Die Hoffnungen, welche die Einen, die Befürchtungen, welche die Anderen, die Schrecken, Gefahren und Verluste, welche Alle inne hatten, sie steigen aus der Gruft des Jahres hervor, um als Gespenster in die Gemüther die Schatten des Gewesenen zu werfen. Unter den Landschaften, welche im vorigen Jahre am Meisten gelitten, steht die Unsrige obenan. Die Wunden sind noch nicht verharscht. Und doch sind die Polen nicht befriedigt, können es nicht sein, und lassen ihre Hoffnung und ihren Haß darum nicht fahren. Wir glauben nicht an einen neuen Ausbruch des Kampfes. Die Polen haben weder Mittel, noch Führer. Aber an die Wühlereien des Hasses glauben wir, und hie und da tauchen genug Anzeichen auf, die da sagen: wir möchten wol, aber wir können nur nicht. Auch diesmal richten die Polen ihre Angriffe auf die Deutschen und Juden zusammen. Gegen diese spricht sich der Haß von den Kanzeln herab aus. Ein katholischer Priester wird todt in seinem Bette gefunden — sofort heißt es, die Deutschen und Juden haben ihn vergiftet. In einigen Gegenden gährt es daher sehr, und Deutsche und Juden leben in Angst. In Wreschen sind zwei junge Jüdinnen ermordet worden; ein