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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-26 · Heft 13 (26.3.1849) · p. Seite 171

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 13 (26.3.1849)
Date
1849-03-26
Page
Seite 171 (sequence 7)
Language
German
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171 Splitter werden genug bei dieser Operation absallen, wenn nur dann der Stamm gewahrt bleibt. Berlin, 19. März. (Privatmitth.) Diese Zeitung hat vor einigen Monaten oft und nachdrücklich genug darauf aufmerksam gemacht, daß man aus gewissen Regionen den Volkshaß gegen die Juden auf alle mögliche Weise Hervorrufen und steigern wollte. Es ist im Allgemeinen nicht gelungen. Man sing es daher auf eine andere Weise an. Die Juden sollten wenigstens den Haß der Konservativen davon tragen, was, da diese Partei wahrlich nicht gering ist, immerhin für die Juden von bitteren Folgen sein müßte. Zu dem Ende suchte man die Juden samm t und sonders in die Klaffe der ärgsten Wühler, Aufwiegler, Emissäre rc. zu werfen. Man hatte dafür, was wir niemals geleugnet, einigen Anhalt darin, daß unter den Volksrednern, und zwar den oppositionellsten, im vergangnen Jahre Juden sich befanden, und namentlich in der, stets vom Staate zurückgestoßenen Klasse der mehr oder weniger, tiefer oder oberflächlicher wissenschaftlichen Juden, sich viele oppositionelle Subjekte finden mußten, die, einige ganz lauter, andere wol auch nicht immer auf geraden Wegen, so wirkten, wie es mißliebig war. Das falsche Spiel jener Partei bestand aber darin, daß man that, als ob alle Juden hierzu gehörten, als ob die Juden hierin eine Kameraderie bildeten, als ob cs ein natürliches Element der Juden, ja des Judenthums wäre, daß man daher den Juden wieder einmal eine volle Solidarität auflud. Es war dies um so niederträchtiger, als die Wirklichkeit langst herausgestellt, daß in der Masse der Juden n> enigstens eine gleiche Anzahl Konservativer enthalten war, enthalten sein mußte, ja, nach unsrer Beobachtung ein viel größerer Theil, schon aus Furcht und Interesse, der konservativen Partei angehört. Dies verschwieg man, um desto ungestörter die Juden angreifen zu können. Wir übergehen die Neue preuß. Zeitung und ihre Genossen. Allein No. 5 dieser Zeitung brachte einen Artikel der Boss. Zeit., welcher von dem Standpunkte ausging, den wir soeben bezeichnet, und wegen der Quelle, aus der er hervorgegangen zu sein schien, große Bedeutung hatte. Seitdem haben die leitenden Artikel derselben Voss. Zeit, oft genug einen weitern Seitenhieb aus die Juden gebracht. So hoben sie mit großer Suffisence, wenn sie die oktroyirte Verfassung loben wollten, hervor, daß ja die freisinnige norwegische Verfassung die Juden von den Grenzen des Reiches ausschlöffe. Nun, that dies doch dieselbe Verfassung bis vor Kurzem auch für die Katholiken, und Niemand war, der nicht diese Bestimmungen der norwegischen Verfassung für einen sehr dunkeln Flecken derselben ansah, weil sie das Zeugniß für den trübsten Religionshaß, für Intoleranz in Glaubenssachen gaben, wie sie dem Mittelalter geziemte. Ein mit M vorgezeichneler leitender Artikel vom 17. d. in derselben Zeitung frischt die Gedanken der früheren von Neuem auf, aber von einer andern Seite. Zuerst schildert dieser Artikel, welcher eigentlich vom Belagerungszustände und den eben vorgelegten Entwürfen von Gesetzen über Beschränkungen der Vereinigungs-, Versammlungs- und Preßfreiheit handelt, diejenigen Mächte, welche im vorigen Jahre sich aufmachten, um „gegen alle Prinzipien der Gesellschaft" zu kämpfen. Hierzu rechnet er die untersten Schichten der Gesellschaft aus ihrer sozialen Lage heraus, die Presse, und endlich als ein drittes Element: 5,die Ranküne des lange durch völlige politische Zurücksetzung mißhandelten Judenthums gegen die politische Gesellschaft." Nachdem er dann von dem Kampf der Krone gegen diese Mächte gesprochen, fährt er fort: „Wir erwähnten des Judenthums und denken noch an die glühenden Schmerzen, die seine Rache an der politischen Gesellschaft dem Patrioten bereitet hatte. Aber wir trugen mit diesen Schmerzen den Tribut an das verkündigte Wort ab, daß die Mißgriffe der Väter heimgesucht werden sollen an den Nachkommen. So bleibt uns nun Nichts übrig, denn daß wir uns hinstellen als Schutzmauern für unsre Söhne, jene Schmerzen überstehen, aber sie unsren Söhnen fern halten, indem wir absolut alle Reste der kirchlichen Intoleranz gegen den Deisten nach Mosis Wort, gegen den Israeliten im Staatsleben verwerfen und verbannen. Der Israelit hat sich in seinem Familienleben einen reinen gediegenen Kern edeln Wesens erhalten durch die langen Jahrhunderte seiner Mißhandlung oder Zurücksetzung; das wird und muß sich ausdehncn bis zu dem echt menschlichen Vergessen seiner Rache an der so lange gegen seine Aufnahme gerichtet gewesenen politischen Gesellschaft; er wird daher für diese thätig werden, er wird aufhören, sie als rother Demokrat zu zerstören wollen, wenn er wesentlich in sie ver-

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