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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-26 · Heft 13 (26.3.1849) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 13 (26.3.1849)
Date
1849-03-26
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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168 Und dies ist es gerade, was wir erstreben muffen. Wir sagten oben, die Religion muffe einen neuen Aufschwung, eine neue Kraft erlangen. Das kann sie nur, indem bessere und höhere Institute geschaffen werden, als die bisherigen. Theologische Lehrstühle an den Universitäten, Seminare, und seien diese nur Solche, wo zum Religionsunterricht und Kirchendienst die nöthige Anleitung gegeben wird, also zu angemessenen Vorträgen in der Synagoge auch von Seiten nichtstudirter Lehrer, zu gutem Solo- und Chorgesang, zum Berständniß des Rituals rc., Synoden, aus denen Verbesserungen des Gottesdienstes, Herstellung des Religionsunterrichtes, Unterstützung der Gemeinden, die nicht Mittel genug besitzen, rc. hervorgehen, gemeinsame höhere Geistlichen, die ihre Wirksamkeit, freilich nicht wie meist jetzt auf faule Weise, über die ganze Landschaft ausdehnenz dies Alles ist es, was die Verbindung von Bezirken nothwendig macht, aber auch für diese von großem Einfluß wäre. Das ganze Leben des Judenthums würde dadurch auf einen höhern Standpunkt versetzt, als es bis jetzt eingenommen; würde dieser aber erreicht, dann hätten wir die erlangte Freiheit um so freudiger zu begrüßen, dann könnte die momentane Zersetzung, in welche viele Gemeinden gerathen, leicht verschmerzt und geheilt werden, dann würde überhaupt ein würdiges Streben in das Judenthum hineinkommen. Wir können es uns nicht leugnen, daß im großen Ganzen das wirkliche Judenthum in der neuern Zeit einen, ich möchte sagen, widrigen, jedenfalls sehr entmuthigenden Anblick gewahrte. Ueberall, mit wenigen Ausnahmen, die bestehenden Institute ungenügend, nur so vegetirend, überall das Verlangen, die Sehnsucht nach Erhebung und Besserung, nach Aufschwung und edlerm Geiste, dabei nirgends Thatkraft, überall Erschlaffung und Nichtigkeit, und dabei doch überall große Geldopfer zur Erhaltung des Bestehenden. Jeder Einzelne gab seine Mittel hin, und frug sich dabei, für was denn eigentlich? Sollten diese Zustande nicht gebessert werden, sollte das alte Juda sich nicht in frischer Kraft verjüngen und Neues schaffen — dann sehen wir so trübe in die Zukunft, daß wir Alle die Kräfte bedauern werden, die wir zur Restaurirung des unaufhaltsam zerfallenden und zusammenstürzenden Gebäudes verschwendet haben. Nein! es sind dies nicht Worte, es ist ein im tiefsten Lebensmarke wühlendes Äefühl. Weil aber das Gebäude des Judenthums nimmer zerfallen kann, weil die Geschichte und die Beschaffenheit des Menschengeschlechtes uns die Bürgschaft für die Unentbehrlichkeit des Judenthums giebt: darum dürfen wir nicht verzagen, darum müssen wir unsere Kräfte desto mehr zusammenraffen, je drohender die Gefahr, darum aber muß die Thatkraft in allen den Geistern geweckt werden, die noch ein Bewußtsein für die Religion in sich tragen. Wohl wissen wir, daß der gegenwärtige Zeitpunkt noch nicht der ganz geeignete ist, Hand anzulegen. Die politischen Wirren müssen noch mehr gelöst, die Stellung des Judenthums auf den neuen Prinzipien noch bestimmter, die materiellen Schwierigkeiten des Verkehrs noch beseitigter sein: um vollen Raum für unsere Bestrebungen zu gewinnen. Allein darum muß die Zeit sorgsam benutzt werden, um die Ideen zu verbreiten, um so rechtzeitig das dürre Brachfeld aufzureißen, damit, wenn der Frühling gekommen, die Saat eingestreut werden kann. Aehnliche, wenn auch nicht so große politische Erschütterungen fanden 1830 statt, und doch folgten so rasch aufstrebende, und so tüchtig schaffende Jahre — warum nicht auch 1848? Zeitnirgsnächrichten. Deutschland. Hamburg, 12. März. (Privatmitth. Von unserm zweiten Korresp.) Ob in unserm lieben Hamburg ein Fortschritt auf religiösem Gebiete möglich ist — das ist schwer zu entscheiden. Wir sind nun — so ziemlich — politisch emanzipirt — für Hamburg ist das gewiß das paffende Wort —; nun aber muß auch für die Gemeinde selbst Etwas gethan werden! Ein Herr vr. Rudolf Rüben wollte solche Gemeindemitglieder vereinigen, die aus dem Gemeindeverband auslreten wollen! Also eine Trennung, ein Entziehen der Geldmittel, um das Ganze zu erhalten — bis der Staat dafür sorgt! Das war nicht gut, und vr. Rüben ist vom Reformator wie vom Tribun noch weit entfernt, ne 8vtor suprs crepillsm! — Herr Moses Mendelssohn ist jetzt wieder bemühet, die Synagoge zu reformiren! Ein verdienstvolles Unternehmen, denn Herr Bcrnays ist von Anfang an eine Mumie gewesen — seiner Stellung wegen. Herr Mendelssohn wird Anhänger finden — es fehlt nur die Kraft, die Sache zu sichern und auszuführen — und die ist Herr Mendelssohn — so achtungswerth er ist — gerade

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