Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1849)
- Date
- 1849-03-26
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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167 Einwand, man habe sich um solche Parteianklagen nicht weiter zu kümmern. Wir haben es in früheren leitenden Artikeln wiederholt ausgesprochen: es sind zwei große Prinzipien, die im Streite liegen, die um den Besitz der Welt kämpfen, es ist das Prinzip der alten Gesellschaft und das der neuen, welche mit einander ringen. Glaubt man etwa, daß der Kampf zu Ende? Daß dieser Kampf sein Ende in dem Vermittelungspunkte der oktroyirten Verfassungen erreicht habe? Höchstens geben diese Letzteren den Grund und Boden ab, von dem die Kampfer ausziehen zu neuen Schlachten. Keines dieser Prinzipien kann sich zu wahrhafter Ruhe begeben, als bis Eines völlig Sieger, das Andere völlig besiegt ist. Die Träger des alten Prinzips wissen dies besser als ihre Gegner, denn sie wissen genau, was sie gehabt haben, was sie davon verloren, und was sie daher wieder zu erobern hatten. Sie streben daher dahin, ihre Gegner zu trennen, und einzeln zu vernichten. Dies ist ihr Weg gegen die Individuen, dies gegen ganze Gruppen. Daher erklären sie die Juden als solch eine Gruppe, um ihr eine besondere, gehässige Stellung anzuweisen, indem sie sie isoliren und der übrigen Welt feindlich gegenüberstellen. Dies ist ihr Plan, und der Schein der Versöhnung, den sie annehmen, um uns unter demselben desto tiefer zu verwunden, darf uns nicht irre machen. Wie gesagt, ihr Plan geht dahin, uns moralisch und politisch zu morden, und die bisherigen Schritte sind nur der Anfang dazu, den wir daher sofort festhalten müssen. Wir haben es mit feinen, jesuitischen Gegnern zu thun, und was sind wir? Eine zerstreute, ohnmächtige, kraft- und energielose Masse, das Gegentheil von dem, wofür uns jene ausgeben. Solche Gegner benutzen Alles, und so gebrauchen sie bereits die Emanzipation, die eben nur erst ausgesprochen, meist noch in Worten besteht, wider uns, indem sie behaupten, wir blieben trotz der Emanzipation feindlich gesinnt. Halten wir es daher für ein Glück, daß wir so bald die Pläne unserer Feinde durchschauen, und lassen wir diese Einsicht nicht eher fahren, als bis wir durch die Wirklichkeit vom Gegentheil überführt worden sind. Streben wir als gesinnungstüchtige Bürger, ein Jeder seiner Ueberzeugung nach, nur immer weiter. Wie in den Kriegslägern streitender Nationen sich jetzt stets Juden einander feindlich gegenüber stehen, und nicht anstehen, als brave Soldaten, mit den Waffen selbst gegeneinander zu kämpfen: so werden sich in den politischen Parteikämpfen Juden in den Lägern der verschiedenen Parteien finden, und auch da mögen sie, auf sittliche und gesetzliche Weise, ihrer Pflicht Nachkommen. Dadurch werden wir am Besten die gehässigen Verdächtigungen der Gegner widerlegen. Aber wollen wir nicht dennoch Etwas auch von unseren Feinden lernen? sollen und können ihre Insinuationen nicht uns auf das aufmerksam machen, was Noth thut, wenn auch auf einem ganz andern Gebiete, als sie im Sinne haben? Wir weisen jede politische Kameraderie, jede politische und soziale Verbindung und Solidarität energisch zurück: aber auf dem kirchlichen Gebiete, da wollen wir es uns gesagt sein (affen, daß eine Verbindung sehr Noth thut. Soll auf der Flur der erlangten Glaubensfreiheit der Glauben, die Religion einen neuen Aufschwung erhalten, dann muß der Weg, der eingeschlagen wird, ein ganz anderer sein, wie der bisherige. Die jüdischen Gemeinden, also das kirchliche Judenthum, das Judenthum in seiner wirklichen Erscheinung beruhte bis jetzt allein auf den Einzelnen, und diese waren in jene hineingezwungen, sie mußten zu ihnen gehören, wenn sie nicht eine andere Religion annehmen wollten. Dieser Zwang hat aufgehört, wird baldigst gänzlich aufhören. Das kirchliche Judenthum kann daher nicht mehr auf den Einzelnen beruhen, weit es in deren Willkür liegt, ob sie ihm angehören und Opfer zu seinem Bestände bringen wollen oder nicht? Der Bestand des kirchlichen Judenthums kann daher fortan nur auf derGesammtheit beruhen, d. h. es müssen größere Verbindungen unter den Juden als die bisherigen lokalen der Gemeinden angebahnt und hergestellt werden. Die Gemeinden in ihrem nunmehr so lockern Verbände der Einzelnen können nicht mehr genügen, um die Grundlage eines kräftigen Lebens zu sein; sie bieten keine Bürgschaft, daß die Institute, die in ihrem Schooße erstehen, dauerhaft und bedeutend sein können. Es muß daher die Verbindung weiter greifen, und die Glaubensgenossen ganzer Landstriche, ganzer Landschaften umfassen, um Mittel und Dauerhaftigkeit zu haben. Dies führt aber nothwendig zu Weiterem. Eine größere, über eine beschränkte Oertlichkeit, wie ei ne Stadt, hinausreichende Verbindung ist nur möglich, wenn für diesen Verband und durch ihn Institute geschaffen werden, welche allen Theilnehmern Vortheile verschaffen, deren Segnung sich ebenso nicht auf eine Oertlichkeit beschränkt.