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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-19 · Heft 12 (19.3.1849) · p. Seite 162

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 12 (19.3.1849)
Date
1849-03-19
Page
Seite 162 (sequence 10)
Language
German
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162 zu vereinbaren. Er wendet sich an jene auserwählte» Geister, welche gleicher Weise einen blinden Glauben und eine unbedachte Ungläubigkeit zurückweisen, welche, in den heiligen Büchern Dinge findend, die scheinbar sich widersprechen und unmöglich sind, weder sie zuzulassen wagen, aus Furcht die Vernunft zu verletzen, noch sie zu verwerfen, aus Furcht dem Glauben abzufallen, und daher in eine schmerzhafte Verwirrung versunken bleiben. Deshalb hat er sein Werk „Führer der Irrenden, More Nebuchim," genannt. Aber noch ein anderer Nutzen empfiehlt es sehr lebhaft unserm Interesse: es ist eine reiche Quelle für die Geschichte der Philosophie; es bietet uns eines der kostbarsten Denkmäler, die man über die arabische Philosophie zu Rathe ziehen kann, dar, von der Zeit ihres Entstehens bis zu Averrhoes, und es enthält über die Religion der Sabeer Details, die man nirgends anders findet." „Es trennt sich in drei Theile, die der Verfasser genau bezeichnet: der erste hat zum Gegenstände, sowol die Regeln kennen zu lehren, durch welche di« Grundlage zu der Auslegungswelse gelegt wird, die den biblischen Texten anzupassen, als auch einige Meinungen zu entfernen, welche mit der wahren Philosophie und dem wahren Glauben nicht vereinbar sind; der zweite Theil, der Auseinandersetzung der Theodicee und Kosmologie des Maimonides gewidmet, schließt mit einer sonderbaren Theorie der Prophetie; der dritte ist insonders moralisch und exegetisch: er handelt vom Bösen, von der Freiheit, von der Vorsehung, und zeigt, daß Nichts im Gesetze ist, welches nicht seine Rechtfertigung in der Geschichte oder in der Vernunft fände. Wir wollen auf jeden dieser Theile einen Blick werfen." „Anstalt dem Zufall zu folgen, wie Philo, oder wie die Kabbalisten zu willkürlichen Prozessen Zuflucht zu nehmen, sucht Maimonides Anfangs in der Sprache der heiligen Schrift selbst die Grundlagen seiner allegorischen Auslegungen. Einen Ausdruck nach dem andern durchnehmend, dessen sich die Bibel bedient, indem sie von Gott spricht, und durch welche sie ihm unsere Schwächen und unsere Leidenschaften zuschreibt, analysict, vergleicht, zeigt er sie verschiedener Bedeutungen fähig, die unter sich durch gewisse Verhältnisse verbunden sind, und gelangt stets dahin, daraus einen figürlichen oder geistigen Sinn zu ziehen. So bezieht sich „sehen, blicken, hören, gehen, hinauf-, hinabsteigen" nicht allein auf den Körper, sondern auf den Geist; das Bild, nach welchem wir geschaffen worden, nach dem Worte der Genesis, bedeutet nicht ein materielles Bild, sondern die intellektuelle Form, welche das unvergängliche Wesen unserer Seele ausmacht. Es ist dies ein wahrhaftes Lexikon der Bibel, «in Lexikon der Synonymen, zusammengestellt zum Gebrauch des Spiritualismus, und schwerlich denkt man sich die Geduld, Gelehrsamkeit und de« Geist, die hierauf verwendet «erden mußten. Man begreift, daß vermittelst dieses magischen Schlüssels, man in der Schrift, und selbst in den Traditionen der Rabbinen Alles findet, was die erhabene Erkenntniß herbeibringen kann, und daß Nichts darin bleibt, was unsere Vernunft verletzen könnte. Hier einige Beispiele. Wenn Moses von Gott die Gnade erbittet, ihn Angesicht zu Angesicht zu schaue», und Gott ihm antwortet, daß er sich seine» Augen nur von hinten zeigen könne, so ist der Sinn dieser symbolischen Erzählung, daß der Gesetzgeber der Hebräer vergebens gesucht hat, direkt oder durch Anschauung bas göttliche Wesen zu fassen; daß er es nur unvollkommen durch seine Attribute oder durch seine Werke zu fassen vermochte, fast wie man einen Mensche« sieht, der uns den Rücken zuwendet (I, 21.). Wenn wir in der Genesis lesen, daß Gott den siebente« Tag der Schöpfung ruhete, so heißt dies, daß, nachdem er in einer durch die Folge der Tage bezeichneten Ordnung alle Wesen auS dem Nichts gezogen, aus denen diese Welt zusammengesetzt ist, er sie bestimmt in ihren respektive« Formen und unter der Herrschaft der Gesetze, die seine Weisheit ihnen vorgeschrieben, erhalten hat... Wir können «ns nicht enthalten, noch folgende Stelle dieses Rösumö über die Werke des Maimonides herzustellen: „In der Frage über die Vorsehung zeigt Maimonides nicht minder Vernunft und Festigkeit des Geistes. Untersuchend all die Lösungen, welche diese Frage erhalten hat, oder die zu erhalten sie fähig ist, findet er sie fünffacher Art: die erste ist die des Epikurs, welcher völlig die Vorsehung leugnet, und im Weltall nur die Herrschaft deS Zufalls zuläßt; die zweite ist die Lehre des Aristoteles, durch Alexander Aphrvdisiakus ausgelegt, nach welcher die göttliche Vorsehung sich nur auf die himmlischen Sphären erstreckt und bei der Bahn des Mondes stehen bleibt: man kan« hierfür di« Meinung der meiste» Peripatetiker au die Stelle setzen, hie eine Vorsehung für die allgemeinen Dinge zulassen, aber nicht für die Individuen. Die dritte Lösung ist die, welche die Sekte der Aschariste» angenommen. Die Aschariste», sich ge-

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