Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1849)
- Date
- 1849-03-19
- Page
- Seite 161 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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161 sieben Jahre spater, erwähnt. Man muß das 86pher Mizwot hinzufügen, ein methodisches und substantielles Resume über alle Vorschriften des Judenthums, die 8chaa1ot utschubot, und das Werk, welches zehn Jahre seines Lebens gekostet, in welchem sich die ganze Klarheit seines Geistes offenbart, die Festigkeit seiner Methode, die Ausdehnung und Tiefe seiner Gelehrsamkeit, und das ihn zum ersten Rang unter den jüdischen Lehrern erhoben: wir meinen seinen Abriß des Talmuds, die Mischne Tora oder Jad hachsakah (so genannt weil das erste Wort “p an die 14 Bücher, aus denen das Werk besteht, erinnert). Diese unermeßliche Arbeit ist die einzige, welche Maimonides in hebräischer Sprache abfaßte; alle anderen schrieb er arabisch, sie wurden aber fast sofort hebräisch übersetzt, und jetzt sind sie nur durch diese Uebersetzungen, deren Mehrzahl der Feder Samuel Jbn- Tibbon's zu verdanken ist, bekannt." Nachdem Frank die anderen Schriften des Maimonides aufgezählt hat, fährt er fort: „Wir legen gern die medizinischen Schriften des Maimonides zurück, und werden nur eine einige Betrachtung über seine talmudischen Schriften machen. Indem diese Ordnung und Licht in das unermeßliche Chaos, welches man Talmud nennt, bringen; indem sie Prinzipien und Regeln an die Stelle der Sophismen setzten, die noch mehr verdunkeln; und besonders indem sie die Zeit abkürzten, welche man bis dahin auf dieses Studium verwandte, haben sie mächtig beigetragen, bei den Juden den Geschmack an der Philosophie und den Wissenschaften im Allgemeinen zu entwickeln, ihnen gestattet, aus dem engen Gesichtskreis herauszuschreiten, in den sie eingeschlosien waren, und eine nützliche Rolle in der Zivilisation zu spielen. Dieses Resultat konnte nur durch eine Bedingung erlangt werden, die nämlich, getreulich die rabbinische Tradition zu bewahren oder zu reproduziren, und das Beispiel der Methode zu geben, die Gesetze der gesunden Logik zu lehren, ohne das Wesen dieser Dinge anzutasten. So hat sich Maimonides nicht minder durch seine starre Orthodoxie in der Jad hachsakah, wie durch die Kühnheit seiner Ansichten im More Nebuchim ausgezeichnet." „Es bleibt uns also Nichts mehr übrig, als in Maimonides den Theologen und Philosophen zu studiren, zwei bei ihm unzertrennliche Eigenschaften, wie bei allen eminenten Denkern des Mittelalters, welchem Glauben sie auch angehörten. In der That, das Ziel, welches überall der menschliche Geist in dieser Epoche verfolgte. und die Idee, die alle anderen, bei den Juden wie bei den Arabern, bei den Arabern wie bei den Christen überragte, das war die Vereinbarung der Vernunft mit dem Glauben, der religiösen Tradition mit einer Art philosophischer Tradition. Es ist genau in den Anstrengungen, die er gemacht, um die heilige Schrift und die naturhistorischen Kenntnisse, die er hatte erlangen können, oder das System, von dem er durchdrungen war, mit einander auszugleichen, wo sich die Originalität des Maimonides zeigt. Er kann als der wahre Gründer der Methode angesehen werden, welche Spinoza in seinem Iractalus theologico-xoliticus lehrt, und die man jetzt die rationelle Exegese nennt. Die wunderbarsten Erzählungen der Bibel und die Lehren, die sie enthält, die Zeremonieen, die sie vorschreibt, versucht er durch die Gesetze der Natur und die gewöhnlichen Vorgänge der Erkenntniß zu erklären. Er giebt einer Thatsache nur dann erst den Namen eines Wunders, wenn die Wissenschaft absolut in der Unmöglichkeit ist, ihr einen andern Charakter zu verleihen, und diese Regel wendet er mit ganz besonderer Sorgfalt auf die Prophetie an. Es giebt Nichts, nach ihm, im göttlichen Gesetze, was nicht einen Grund hat, einen physischen, oder moralischen, oder historischen, oder metaphysischen, über den wir uns durch das Nachdenken Rechenschaft geben können. Daher, wenn der buchstäbliche Sinn ihm widersteht, nimmt er ohne Zaudern einen allegorischen Sinn an. Das Prinzip, durch das er diesen Vorgang rechtfertigt, und dem man unter allen Formen in seinen Werken begegnet, selbst in seinem Kommentar über die Mischna (Vorrede zum Buche Seraim), ist, daß der Endzweck der Religion ist uns zu unserer Vervollkommung zu führen, oder uns zu lehren, mit unserer Vernunft in Uebereinstimmung zu handeln und zu denken: denn darin bestehe das abzeichnende Attribut der menschlichen Natur." Nachdem Franck eine schnelle Skizze der verschiedenen Theile der Doktrin des Maimonides gegeben (der Psychologie, Moral und allgemeinen Philosophie), gelangt er nachher zu dem großen Werke des Maimonides, zum More: „Diese Betrachtungen führen uns ganz natürlich dahin, von dem großen Werke des Maimonides zu sprechen, in welchem seine philosophischen Ansichten und sein religiöser Glaube sich in einem einzigen Körper von Lehrsätzen vereinigen. Dieses Buch hat, wie der Verfasser in seiner Widmung ankündigt, zum Zweck, die Offenbarung mit der Vernunft, die Bibel mit der Philosophie 12*