Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-19 · Heft 12 (19.3.1849) · p. Seite 159

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 12 (19.3.1849)
Date
1849-03-19
Page
Seite 159 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225619--10063-3240090
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

159 des berühmten Astronomen Geber, oder Djäber ben-Aflah von Sevilla, hatte. Was seine Verbindungen mit Jbn- Badja selbst und mit Averrhoes, für deren Schüler er gewöhnlich gilt, betrifft, so muß man sie unter die Fabeln versetzen, so wie die anderen Details, die man uns von seiner Kindheit im Glauben an Schalscheleth hakabalah und de medicis et philosophis arabibus et hebraeis von Leo Afrikanus erzählt. Maimonides war drei Jahre alt als Jbn-Badja starb 1138, und in keiner seiner Schriften, wo er so oft von den arabischen Philosophen spricht, erwähnt er des Unterrichts des Averrhoes. Die Werke dieses berühmten Kommentators wurden ihm sogar, wie er in einem Schreiben an seinen geliebten Schüler Joseph ben-Juda sagt, erst sehr spat bekannt, gegen 1191 oder 1192/' „Es bedurfte der hohen Fähigkeiten, mit denen die Natur ihn begabt, verbunden mit einem unbeugsamen Willen und einem unersättlichen Wissensdurst, um Maimonides zu gestatten, seine Erziehung unter den Umstanden zu vollenden, in die er versetzt war. Er hatte kaum das dreizehnte Jahr erreicht, als der fanatische Abdel-Mumen, Gründer der Dynastie der Almohaden, Kordova eroberte. Seine Herrschaft, wie die der Fürsten seines Geschlechts, bewirkte überall die Zerstörung der Synagogen und Kirchen und die unbeschränkteste Intoleranz. Die Juden und Christen mußten zwischen dem Islam und der Auswanderung wählen. Unter den Ersteren gab es eine große Zahl Solcher, welche sich nicht entschließen konnten, ihre Heimath zu verlassen, oder es nicht so schnell vermochten, wie der Sieger es forderte, und daher die Maske der Religion ihrer Verfolger annahmen, insgeheim den Kultus ihrer Vater ausübend und ihren Kindern ihn lehrend. Man weiß, daß dasselbe, einige Jahrhunderte spater, unter der Herrschaft der Inquisition geschah. Es ist die unvermeidliche Wirkung der Gewaltthätigkeit, wenn sie nicht Märtyrer und Helden macht, Heuchler zu machen. Unter den Proselyten dieser Art befand sich die Familie des Maimonides. Es ist eine seltsame Thatsache, aber die man vor dem Datum des Jahres, in welchem Maimonides Spanien verließ, vor dem unbeugsamen Fanatismus Abdel-Mumen's und dem positiven Zeugnisse mehrer arabischer Schriftsteller nicht bezweifeln kann, daß der größte Lehrer der Synagoge, der, den man die Fackel Israels, das Licht des Morgen- und Abendlandes nannte, und den ein bei den Juden wohl bekannter Spruch fast als einen andern Moses darstellte, während sechszehn oder si'ebenzehn Jahre Jahre äußerlich die muselmännische Religion bekannt hat. Und doch gerade in dieser Zeit war sein Geist ganz besonders mit einem tiefen Studium des Judenthums beschäftigt, schrieb er eine Abhandlung über den hebräischen Kalender, kommentirte er mehre Theile des Talmuds, begann er, im dreiundzwanzigsten Jahre, sein großes Werk über die Mischna." „Indessen konnte eine so falsche Stellung nicht immer dauern. Maimuni und seine Familie verließen Spanien, um sich nach Afrika zu begeben. Aber auch hier befanden sie sich noch im Reiche der Almohaden und in der traurigen Nothwendigkeit, sich für Muselmänner auszugeben; aber weniger bekannt, und folglich weniger überwacht als in Andalusien, konnten sie mit einer Art von Freiheit, in ihrem häuslichen Leben alle Pflichten ihrer Religion ausüben. Das Maghreb war in dieser Zeit von Israeliten in gleicher Lage erfüllt, und die, sich untereinander kennend, einer mit dem andern beschäftigt, und Korrespondenzen mit ihren Glaubensgenossen in anderen Ländern unterhaltend, unter der Maske des Islam wahre Gemeinden bildeten. Hierhin begab sich Maimonides mit seinem Vater, und, wie es eines seiner Schreiben, durch welches er seine unglücklichen Brüder zu trösten suchte, bezeugt, warmer 1160 in Fez. Die Juden von Fez erzählen noch jetzt Legenden, die sich auf seinen Aufenthalt in ihrer Stadt beziehen. Nachdem er einige Jahre in diesem Theile Afrika's verbracht, konnte sich Maimonides endlich dem Joche entziehen, das auf ihm lastete, und sich nach St. Jean-d'Acre einschiffen, wo er mit seiner Familie den 16. Mai 1165 ankam. „Von diesem Augenblick an, sagt er, von diesem Umstand seines Lebens sprechend, war ich von der Apostasie gerettet." Von St. Jean-d'Acre, wo er sich nur fünf Monate aufhielt, pilgerte er mit seinem Vater und einigen Freunden nach Jerusalem, trotz den strengen Gesetzen, die damals den Juden den Zutritt zur heiligen Stadt verwehrten. Endlich begab er sich nach Egypten, und wählte hier die Stadt Fostrtt, oder das alte Kairo, zum Wohnort." „Damals singen für ihn bessere Tage an. Zu derselben Zeit, wo ec seine Unabhängigkeit durch den Handel mit kostbaren Steinen sicherte, hielt er öffentliche Vorträge, welche ihm in weniger Zeit als Theologe, als Philosoph und besonders als Arzt einen unermeßlichen Ruf erwarben. Ein wichtiges Ereigniß, dessen Schauplatz sein neues Vaterland war, vermehrte noch sein Glück, und gab seinem Ruhme einen neuen Glanz. Der berühmte Sa ladin dehnte, nachdem er das Kalifat der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.