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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-19 · Heft 12 (19.3.1849) · p. Seite 158

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 12 (19.3.1849)
Date
1849-03-19
Page
Seite 158 (sequence 6)
Language
German
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158 schmerzlich vermissen. Bald gewann diese neue Einrichtung in und außerhalb Europa's Eingang mit meist Beibehaltung des alten Rituals. Die thätigen frommen Rabbiner zu Kopenhagen, Dresden, Wien, Berlin, München, Kassel, Hannover, Paris und London baueten prachtvolle Synagogen, und führten eine neue Ordnung und Gesangweise ein, und engagirten die berühmtesten, kundigsten Vorsänger*). Nur die Synagoge der großen Gemeinde Hamburgs steht noch in aller alten Gebrechlichkeit da, und trotzt gleichsam auf ihre Verfallenheit, eine Verhöhnung aller anderen Gemeinden in der Judenheit. Zwar regte sich der Geist der Neuzeit auch unter den hiesigen Strenggläubigen, und schon vor 27 Jahren wurde, mit schweren Geldopfern, eine neue Geistlichkeit gebildet, in deren Bestallung auch die Synagogalverbesserung ausbedungen war, obschon es stillschweigend ihre Pflicht gewesen wäre. Aber Ihr wißt ja, liebe Brüder, daß in den ganzen 27 Jahren nicht ein Schritt dafür geschehen. Unserm löbl. Vorstand ist dabei höchstens zur Last zu legen, daß er sich nicht für geeignet und befugt hielt, auch den religiösen Interessen der Gemeinde Rechnung zu tragen. Als daher Referent drei Petitionen an denselben ergehen ließ; als er 1842 eine Broschüre: „Die Synagoge" schrieb, von der in zwei Tagen 1000 Exemplare vergriffen wurden, und in welcher er durch die Verfallenheit der Synagoge den Riß in der Gemeinde prophezeihte, da fand er allenthalben Anklang, nur da nicht, wo Abhilfe Pflicht gewesen wäre. Noch mehr. Als der große Brand einige Kirchen, und auch eine Synagoge einäscherte, da erhoben sich die Geistlichen mit frommem Eifer und durch Schillinge wurden Tausende zu deren Aufbau zusammengebracht. Aber für die niedergebrannte Synagoge rührte sich bei uns keine Hand, obschon uns nur noch Eine im baulichen Zustande geblieben; obschon ein edler, jetzt verstorbener Vorsteher 100,000 Mk. dazu hergeben wollte. Aber jene unsichtbare Hand wußte jedes Streben zur Besserung zu hemmen, und es gelang ihr, Alles im tiefsten Schlummer zu erhalten. Jetzt aber, liebe Brüder ist die Schlummerzeit vorüber; der Weltsturm bedroht ganze Staaten und auch einzelne Gemeinden mit gänzlicher Auflösung, wenn *) Haben dies die Rabbiner oder die Gemeinden gethan? sie den gelockerten Verband nicht wieder zeitgemäß Herstellen wollen. Dieser Verband ist ja aber für uns Frommgläubigen eben die Religion, die am Altar Gottes verkündet und geheiligt wird. Aber rein muß der Altar sein. Glaubt Ihr nun, daß unsere Jugend, die nunmehr auch in Hamburg Menschenrechte erhalten soll, noch an der alten verfallenen Synagoge Behagen finden werde? Erwacht, liebe Brüder, kommt doch endlich zur bessern Erkenntniß. Zwar ist cs spät; wäret Ihr noch vor 10 Jahren erwacht, so wäre kein vergrößerter Tempel emporgekommen. Es ist aber doch noch nicht zu spät. Seid überzeugt, daß Ihr Euch selbst helfen müßt, bildet einen Verein, die Zahl der Beffergesinnten ist noch immer die größte unter uns: und die, welche aus Unwissenheit unsere Gegner sind, die laßt ruhig auf ihrer alten Straße wandeln, und so werdet Ihr, mit Gottes Hilfe, die gesunkene Synagoge wieder aufrichten, mit eben dem Glanze, wie sämmtliche Synagogen in der ganzen Judenheit. Moses Mendelsohn. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Maimonides. (Nach den Arch. isr. de Fr.) Der Professor Franck hat in der 7ten Lieferung des Dictionnaire des Sciences philosophiques einen höchst interessanten Artikel über Maimonides geliefert, den die Arch. in einem Auszuge mittheilen. Wir geben diesen Auszug hier wieder. „Mose den Maimun, im Arabischen genannt Abu- Amran Musa ben-Maimon ben-Obeidallah, gewöhnlich unter dem Namen Maimonides bekannt, geboren zu Kordova, nach den authentischsten Dokumenten, den 30. März 1135. Sein Vater, ein ausgezeichneter Talmudist und Verfasser eines Kommentars über den Abriß der Astronomie von Alfarghani, weihte ihn, von der zartesten Kindheit an, in das Studium der Theologie und der anderen, damals noch wenig bei den Juden verbreiteten Wissenschaften ein. Er besuchte aber auch die arabischen Schulen, wo, wie er uns im More Nebuchim (II, 9.) mittheilt, er einen Schüler des Jbn-Badja, bekannter unter dem korrumpirten Namen Aven-Pace, zum Lehrer, und zum Studiengenossen und Jugendfreund einen Sohn

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