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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-19 · Heft 12 (19.3.1849) · p. Seite 155

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 12 (19.3.1849)
Date
1849-03-19
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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155 Letzteren brauche man jene beschränkenden Worte nicht aufzunehmcn, da sie kein Interesse hätten, gegen die protestantische Kirche zu agiren. Herr Goulburn äußerte, daß er seine Ansicht über die von Bankes vorgeschlagenen Worte erst bei der zweiten Verlesung aussprechen werde. Das Haus schien im Allgemeinen der Meinung, daß die eigentliche Debatte über die Bill schicklicher bis zur zweiten Verlesung ausgesetzt werde; es entspann sich aber doch eine längere Erörterung, die sich vorzüglich um den Eid der Katholiken drehte. Herr Sh eil erklärte als Katholik, daß er sich verpflichtet erachte, die protestantische Kirche nicht zu stürzen, daß es ihm aber freistehe, auf anderweitige Verwendung ihres überflüssigen Einkommens hinzuarbeiten. Sir R. Peel gab zu, daß die Deutung des Eides der Katholiken ihrem eigenen Urtheile und Gewissen anheimgegeben werden müsse. Das Komite ertheilte hierauf die Erlaubniß zur Einbringung der von Lord I. Rüssel vorgeschlagenen Bill, und genehmigte nach erfolgter Berichterstattung die erste Lesung derselben, welche sodann stattfand. Lord I. Ruffel beantragte, daß die zweite Lesung nach Ostern erfolgen solle und sie ward demgemäß auf den 16. April anberaumt. London» im Februar. In welcher Kindheit die religiösen Angelegenheiten bei den Juden in England noch liegen, kann man daraus entnehmen, daß es ein ungemeines Aufsehen erregte, welches sich selbst in den öffentlichen Blättern aussprach, als den 3. Februar der Oberrabbiner Dr. Adler zum ersten Male in der alten portugiesischen Synagoge erschien und einen Vortrag hielt. Man muthmaßte daraus eine Vereinigung der beiden Rite, eine Muthmaßung, die fern von aller Verwirklichung ist. So schnell geht es in England nicht. Frankreich. Paris, im März. (Nach den ^reli. isr. de Fr.) Da das Konsistorialkomite sich nicht mehr mit der Bereitung des Mehls zu den Ostcrkuchen beschäftigt, und daraus die Kosten, um Osterkuchen an die Armen zu vertheilen, nicht mehr schöpfen kann, so hat es einen Aufruf erlassen zur Sammlung von Beiträgen für diesen Zweck. Es schließt sein Zirkulär mit folgenden Worten: „Drei Gründe geben uns die Hoffnung, unsere Bitte günstig ausgenommen zu sehen: Die ungesäuerten Kuchen heiligen das Fest der Freiheit. Die Feier von Ostern ist die Erfüllung eines religiösen Aktes. Während acht Tage den Armen Brod geben ist eine Handlung der Wohlthätigkeit. Und niemals waren die Israeliten taub gegen den Aufruf der Freiheit, der Religion und Menschenliebe." —. Jüngst starb ein Israelit in Paris, und die Nachricht kam dem Großrabbiner erst zu, als jener bereits auf dem allgemeinen Kirchhof begraben worden. Die israelitische Behörde ließ den Leichnam ausgraben und aus den israelitischen Gottesacker versetzen. Deutschland. Dresden, 8. März. (Privatmitth.) Also heute am Purimtage, einem Tage dem Andenken der Errettung unserer Vorfahren von feiler Tyrannenhand geweihet, wurden die sächsischen Juden endlich frei! — Das heute früh erschienene „Gesetz- und Verordnungsblatt No. 9" enthält die vom König Unterzeichnete und von dem neuen Ministerpräsidenten Dr. Held kontrasignirte Verordnung, wornach die Grundrechte des deutschen Volks, ohne allen Zusatz und Erläuterung, blos mit der Bemerkung, „daß §. 3 und 4 der Grundrechte nur denjenigen deutschen Staaten gegenüber in Giltigkeit treten, in denen die Grundrechte des deutschen Volks ebenfalls zur Geltung gelangen (also für jetzt nicht in Ansehung österreichischer, preußischer, baicrscher und hannöverschcr Staatsangehörigen), für das Königreich Sachsen publizirt werden und an deren Schluffe die Weisung ertheilt wird, ihnen (den Grundrechten) gebührend nachzugehcn auch die Ministerien, ein jedes in seinem Wirkungskreise, mit der Ausführung beauftragt werden." — So wäre demnach in Sachsen jener schwere Kampf, der über 42 Jahre hindurch seit dem posener Frieden im Dezember 1806, um die Gleichberechtigung der Juden gekämpft wurde, nun zu Ende. Kein Land Deutschlands hatte die Juden so bedrückt und niedergehalten wie Sachsen, in wenigen Landern widersetzte man sich auch den billigsten Ansprüchen der Juden so sehr wie in Sachsen; schon einigemal dem Ziele nahe (wie z. B. 1814, 1830) stieß ein ungün-

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