Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1849)
- Date
- 1849-03-19
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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■ 154 wegen nur durch die Wehrpflicht beschränkt. §. 27. Alle österreichischen Reichsbürger sind vor dem Gesetze gleich und unterstehen einem gleichen persönlichen Gerichtsstände. §. 28. Die öffentlichen Aemter und Staatsdienste sind für alle zu denselben Befähigten gleich zugänglich. §. 30. Jeder österreichische Reichsbürger kann in allen Theilen des Reiches Liegenschaften jeder Art erwerben, so wie jeden gesetzlich erlaubten Erwerbszweig ausüben. — Was die Wahlen zum Ober- und Unterhause, so wie zu den Landtagen betrifft, so sind sie überall nur von allgemeinen Bedingungen abhängig gemacht. Somit sind im ganzen Kaiserstaat die Juden in den Vollgenuß der bürgerlichen Rechte eingetreten. Pestih, 3. März. Die Vorsteher der pesther Judengemeinde sind, ihren Rabbiner Schwab an der Spitze, dem Feldmarschall Windischgrätz in's Hauptquartier gefolgt, um Nachlaß der ihnen im Baaren auferlegten Leistung von 100,000 Fl. für Toleranzsteuer-Rückstände, dann der den Gemeinden zur Last fallenden solidarischen Verbindlichkeit bei hochverrätherischen Vergehungen Einzelner zu erbitten. Sie wurden nicht nur mit ihrem Begehren abgewiesen, sondern auch wegen angeblichen Haltens der Juden an die Sache der Rebellen sehr hart angelassen; wobei auch der österreichischen Deputirten Fischhof und Goldmark mißbilligend und in sehr heftigen Ausdrücken gedacht worden sei. —. 4. März. Die jüdische Gemeinde in Pesth hat bereits, auf höheren Befehl, ihre rückständige Toleranzsteucr mit 28,000 Fl. K.-M. in klingender Münze abgeführt. Belgien. Brüssel, im Februar. (Nach Arch. isr. de Fr.) Am 11. Februar hielt das hiesige Konsistorium die gewöhnliche Gemeindeversammlung ab, in welcher Bericht über das verflossene Jahr abgelegt ward. Der Präsident theilte mit, daß auch für dieses Jahr die Bemühungen, eine Erhöhung der Gehälter für die Gemeindcbcamten in gleichem Verhältniß mit dem protestantischen Kultus zu erlangen, so daß nicht die Gemeinde zuschießen möchte, daß die Beamten nur mäßig existiren könnten, gescheitert wären, so daß sogar, bei den allgemeinen Ersparnissen, welche in die Staatsausgaben eingeführt worden, das Budget für den israelitischen Kultus von 11,000 Fr. auf 8500 Fr. (von 29337» Thlr. auf 2533V» Thlr.) herabgesetzt worden. Hingegen hat die Stadt Brüssel 2000 Fr. (533V» Thlr.) zur Vergrößerung und Restauration des Tempels bewilligt. Dadurch war das Konsistorium gezwungen, den jährlichen Zuschuß von 3000 Fr. (800 Thlr.) zu den Kosten der trefflichen jüdischen Gemeindeschule zu Brüssel auf 1000 Fr. (266'/» Thlr.) herabzusetzen, und Zuflucht zu Privatsubskriptionen zu nehmen. Ferner berichtete der Präsident, daß die Gesellschaft zur Förderung der Handwerke und Künste unter den Israeliten einen sehr guten Fortgang nimmt, und ihre Bemühungen auch auf Mädchen ausdehnen will. Großbritanien. London, 23. Februar. Ein etwas ausführlicherer Bericht über die erste Lesung der Parlamentseides- Bill ist der folgende: Das Unterhaus saß am 22. als Konnte zur Berathung über die parlamentarischen Eide. Herr Vernon Smith beantragte die Abschaffung aller dieser Eide mit Ausnahme jenes der Unterthanentreue. Wenn es rathsam sei, und dafür halte er es, Juden in's Parlament zu lassen, so sei cs hochherziger und gerechter gegen Mitglieder anderer Konfessionen, so wie auch aus anderen Gründen wünschenswerth, überhaupt von allen Eiden, jenen der Unterthanentreue ausgenommen, zu entbinden. Es sei unziemlich, Leuten verschiedener Konfessionen verschiedene Arten von Eiden abzunehmen, zumal da das Wort „Glaube" verschiedene Deutungen zulasse. Lord I. Rüssel meinte, daß es nicht rathsam sei, von der im Jahre 1829 für die Katholiken festgesetzten Eidesformel zu entbinden, weil dieselbe der anglikanischen Kirche einige Sicherheit gewähre. Herr Dankes empfahl, daß man in den von Nichtkatholiken zu leistenden Eide gewisse Worte einschieben solle, durch welche sie, wie die Katholiken, jede Absicht, die protestantische Kirche zu stürzen oder die protestantische Religion zu beunruhigen, abzuschwören hätten; es wäre gewiß ungerecht, wenn man den Katholiken eine Erklärung aufbürde, von welcher man die Juden ausnehme. Lord I. Rüssel meinte, mit den Katholiken verhalte es sich anders, wie mit den Juden; in den Eid der