Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1849)
- Date
- 1849-03-12
- Page
- Seite 150 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Geschichte der Kunst, Göthe's Propyläen einerseits, und die Antikensammlungen, Gipsabgüsse und Gemäldegaterieen andererseits den jugendlichen Geist beschäftigten und mit ästhetischen Idealen erfüllten. Verschlagen seitdem nach einer Provinzialstadt, wo Kunst ein kaum vernommenes Wort, Kunstschatze gar nicht zu finden, überhaust von den ernstesten Arbeiten und Geschäften, ist gar selten zu mir ein Ruf, ein Strahl gedrungen aus jener Welt des Sinnlich-Geistigen. Aber das wollen Sie auch von mir nicht. Sie wollen kein Kunsturtheil, und kein Kunstprinzip. Es beliebt Ihnen zu meinen, ich wäre „so ein Meister des Lebens, der den Zusammenstoß des Geistes und der Wirklichkeit ganz in der Seele trage", und ein Solcher müsse auch wissen, wohin sich der Künstler zu wenden habe. Nun, ich danke für die gute Meinung, und bin nicht bescheiden genug, sie abzulehnen. Darum nehmen Sie hin, was ich Ihnen zu sagen habe. Allerdings, der Gemälde im großen, guten Schlendrian erhalten wir genug. Wieder eine heilige Familie, wieder irgend eine geschichtliche Szene, wieder eine Darstellung aus irgend einem Dichter — die Hülle und Fülle. Sind solche Dinge ziemlich ausgeführt, so mögen sie in ruhigen, friedlichen Zeiten ihre Käufer finden, dem Künstler eine augenblickliche, vorübergehende Aufmerksamkeit zuwenden. Wer aber in einer großen, bewegten Zeit ein Bleibendes, ein Höheres erstreben will, der, lieber junger Freund, muß einen andern Weg einschlagen: Und welchen? Denselben, den jetzt Jeder einschlagen muß, will er Etwas, will er etwas Bedeutendes schaffen und bedeuten. Und dieser ist? Daß er sich nicht zerstreue, daß er nicht die mannigfaltigsten Wege gehe, sondern daß er ein Bestimmtes, Großes, aber Einzelnes zum Inhalt seines Lebens mache, und nun unter allen Stürmen, bei allen Wirbelwinden und Strudeln des Lebens immer hierauf bestehen bleibe, und von hier nicht weiche. Dies ist das ganze Geheimniß. Sie haben mir mehre Pläne zu Gemälden mitgetheilt, die Sie auszuführen Vorhaben. Ich habe Nichts dagegen; einige sind von guter Erfindung; in mehreren vermisse ich jegliche Handlung, in allen aber — eine einige, einheitliche Idee, und ohne diese halte ich alle Bemühungen für ziemlich vergeblich. Bedenken Sie, wie die materiellen Aussichten für die Kunst in der Gegenwart gesunken sind, und ich glaube nicht, daß sie sich in Balde verbessern werden. Da wird ein Künstler nur glücklich und gedeihlich hervortreten, welcher eine große, überwältigende Idee mit sich bringt, vorausgesetzt, daß er auch das Zeug dazu hat, diese Idee groß und überwältigend auszuführen. Selbst in der jüngsten Vergangenheit haben wir mehre Beispiele, die das, was ich sagte, bekräftigen. Bendemann hat sein Glück durch seine Gemälde vom zerstörten Jerusalem gemacht, so überaus viele Schwachen diese auch haben; Lessing seinen höchsten Ruhm erst durch seine Hußbilder erreicht. Sie können wahrscheinlich noch mehre Beispiele hinzufügen; selbst in der Musik haben wir bereits Aehnliches. Dies ist es, was ich Ihnen vorführen wollte. Vergeuden Sie Ihre Jugendkraft nicht an tausend Versuche, die zu Nichts führen, es seien denn Studien. Entweder Sie sind ein urkraftiges Kunstgenie, ein schöpferischer Genius, dann suchen Sie sich eine Idee für Ihr Leben, und setzen Sie dieses an deren Ausführung. Oder Sie sind es nicht, dann werfen Sie sich auf's Porträtiren, sei es der Menschen, sei es der Landschaften, und verfeinern Sie diese, zwar nicht schöpferische, aber doch geachtete und stets willkommene Kunst; lassen Sie aber das Komponiren. Sie werden mir zurufen: „Sie haben gut predigen, gut sagen: such Dir eine Idee, und der widme Dein Leben; kennen Sie nicht den Ausruf jenes Franzosen: „Donnez-moi une idee, et je vous donnerai 100,000 francs!“ Nun, zur Güte. Auch ich bin kein Freund trockner Lehrsätze, ich umgebe gern das Skelett mit etwas rundem und lebenswarmem Fleische. Ja, junger Freund, ich habe Ihnen eine Idee zu geben, und wenn Sie die Kraft und das Feuer oazu in sich finden, so ergreifen Sie diese Idee und machen sie zur Idee Ihres Lebens. Und welche ist diese? Werden Sie der Maler des israelitischen Prophetenthums. Dies ist eine Aufgabe, wie sie größer sich noch kein Künstler gestellt, eine Aufgabe, durch deren würdige Lösung Sie sich den größten Meistern gleichstellen könnten, eine Aufgabe, mit der Sie sogar — ja, das vergessen Sie nicht — tief in das Leben der Gegenwart eingreifen würden. Ich kann Ihnen hier nicht Alles sagen, was das israelitische Prophetenthum war, ich muß mir gestatten, Sie auf die beiden Vorlesungen über das Prophetenthum in meiner „Entwickelung der religiösen Idee" (Leipzig, 1847. S. 55—79.), so wie auf die Einleitungen zu den