Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1849)
- Date
- 1849-03-12
- Page
- Seite 149 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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149 von den Schlacken der Zeit hervor. Was wir hier vermissen, ist eine scharfe Durchführung, in wiefern die Lehren des Mosaimus in den ursprünglichen Lebensvorschriften und Zeremonialgesetzen spezialisirt waren; man begnügt sich stets nachzuweisen, daß diese Gesetze und Vorschriften nur der Zeit und Lokalität angemessen waren, daher außer Geltung kommen mußten — was ja der Talmud ebenfalls anerkannte, nur daß er eine andere Grenzlinie zog als wir und diese seine Grenzlinie für unverrückbar ausgab — wodurch aber der eignen Sache eine Wunde geschlagen ist, wahrend durch eine tiefere Forschung der feste Zusammenhang, die^gejmue Gliederung zwischen Lehre und Gesetz gefunden wird, so daß wir hierdurch aus dem Bereiche der Zufälligkeit herauskommen. (Diesen Nachweis haben wir in unserm Bibelwerk überall zu geben gesucht, und wenn hierbei nicht Alles zur Evidenz geführt werden kann, so geht doch unzweifelhaft die Ueberzeugung daraus hervor.) — Sehr gut geschrieben ist das dritte Kapitel „unser Streben": die reine Gotteslehre des Iudenthums, das wahrhaft jüdische religiöse Leben, Wahrheit und Leben im Judenthume, Erhaltung des Judenthums. — „Unsere Religionsquellen", das vierte Kapitel, erkennen die Autorität der Bibel im Allgemeinen, ohne Verbindlichkeit der Zeremonialgebote, an, noch weniger die bindende Kraft der talmud. und rabb. Satzungen, wollen erhalten, was im Bewußtsein des Volkes noch wurzelt(?), beseitigen, was in ihm erstorben ist. Diese allgemeinen Phrasen hatten doch etwas näher untersucht und festgestellt werden müssen; denn es zeigt sich hier der nicht wegzuleugnende Unterschied im Volke nach den verschiedenen Bildungsstufen — (wir meinen natürlich nicht die äußere Politur —) wodurch sich auch das „religiöse Bewußtsein des Volkes" sehr verschieden manifestirt. — Das fünfte Kapitel „allgemeine Religions- und Sittenlehren" hätte wegbleiben, oder tiefer und bedeutsamer gegeben werden müssen. Es mußte dies ein Glanzstück des Buches sein, und gerade hier der Unterschied des reformicten Judenthums vom orthodoxen in der ganzen Auffassung und Stellung der Lehre nachgewiesen werden. — „Das Zeremonialgesetz im Allgemeinen", das sechste Kapitel, setzt die Fälle, wo ein Zeremonialgesetz der Aufhebung anheimfällt, sehr scharfsinnig auseinander. Im Einzelnen enthält es Sätze, die wir durchaus nicht billigen können. Z. B. S. 52: „So z. B. herrscht im Mosaismus die — dem Heidenthum eigenthümlich zugehörige — Idee, daß der Zorn Jehova's wie der eines andern orientalischen Despoten nur durch reiche und fette Gaben besänftigt, sein hohes Wohlwollen nur durch diese gewonnen werden könne." Es ist dies so durch und durch falsch, daß es nur zu bedauern ist, daß sich gewisse Reformer diese Ansicht, um sich ihre Polemik leicht zu machen, trotz vielfacher Widerlegung nicht nehmen lassen wollen und damit mit ihren anderweitigen prunkhaften Aeußerungen „von der göttlichen Offenbarung an unsere Väter" in den närrischesten Widerspruch gerathen. — Den Schluß des Werkes bilden zwei Kapitel über „einige Zeremonialgebote besonders und den öffentlichen Gottesdienst, und können und sollen nicht als erschöpfend gelten." Daß diese Schrift zur Ktarmachung der obschwebenden Fragen Vieles beitragt, erkennen wir bereiwillig an, obschon auch sie noch sehr Vieles allzuleicht und oberflächlich bespricht. Die Reformer können nicht sagen, datz die Orthodoxen allein sich von veralteten Ideen loszureißen haben; auch die Kritik der Reformer steht bereits auf manchem Stück verlebten Bodens. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Schreiben an einen jungen Maler unsers Glaubens. Magdeburg, 5. März. Sie wenden sich an mich, junger Freund, um im großen Ganzen einen Fingerzeig, einen Wink für den Weg zu erhalten, den Sie beschreiten mögen. Sie sind jetzt an der Grenze, am Scheidewege angelangt, wo Sie einen schönen Theil der technischen Schwierigkeiten hinter sich gebracht, wo Sie schon „so ziemlich malen" können, wo Sie aber neben allem Vorwärtsstreben doch auch ein bestimmtes Ziel in's Auge fassen möchten. Die Sehnsucht nach dem „Schaffen" ist in Ihnen wach. Aber diese Sehnsucht hat noch keinen Gegenstand. Diesen Gegenstand soll ich Ihnen „vielleicht" verschaffen. Und insofern kann ich Sie nicht schelten, daß Sie erhalten wollen, was aus eigenster Natur heraustreten müßte, denn es ist jetzt eine Zeit, die keine Ruhe laßt, um Etwas heraustreten zu lassen, und es gilt ja nur einen ersten Anstoß. O, sie liegt längst hinter mir jene schöne Zeit, in der auch ich der Kunst einen nicht unbedeutenden Theil der Muße widmete, wo Lessing's Laokoon, Winkelmann's