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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-12 · Heft 11 (12.3.1849) · p. Seite 145

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 11 (12.3.1849)
Date
1849-03-12
Page
Seite 145 (sequence 9)
Language
German
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145 Prag, 4. März. (Privatmitth.) Morgen oder übermorgen kommt endlich §. 16 zur Verhandlung; die Spannung auf das Resultat steigert sich mit jedem Tage, Furcht und Hoffnung ringen miteinander. Jedenfalls stehen die österreichischen Juden an der Schwelle einer neuen Phase ihres politischen und sozialen Lebens. Wie die Religion dabei fahren wird, ist ebenso wenig vorauszusehen, als das Resultat der Abstimmung über §. 16. Auch hier stehen Rechte und Linke einander schroff gegenüber, und die Tempelgemeinde, die allein zur Vermittlerin berufen wäre, ist momentan materiell sehr geschwächt, so daß sie für den Augenblick ihre Kräfte für sich selber verwenden muß. Ein Verein thätiger Männer, der zu diesem Zwecke vor Kurzem sich gebildet, verspricht wenigstens, ersprießlich zu wirken. Der Segen muß von oben kommen! Mainz, 18. Februar. (Didask.) Endlich wird es Licht in unserer jüdischen Gemeinde! Auf Einladung des immer noch am alten Sauerteig klebenden Vorstandes fand gestern Abend eine Versammlung einer großen Anzahl von Gemeindemitglicdern statt. Der Vorsitzende, Herr Leopold Goldschmidt, hielt eine längere Rede, worin er mit Hinblick auf das hochwichtige Jahr 1848 alle, durch die Anstrengungen des gesammten Volkes errungenen Freiheiten hervorhob, Freiheiten, die nun endlich nach langem Drucke auch den Juden zu Theil geworden; der Redner wies dann darauf hin, wie mit dem Sturze des verhaßten Polizeistaates auch die heillose Bevormundung der Gemeinden, also auch der hiesigen jüdischen Gemeinde aufgehört, und wie dieselbe jetzt berechtigt sei, sich selbstständig eine, dem Geiste der Zeit entsprechende Verfassung zu geben. Nach dieser Rede erwartete man allgemein die freisinnigsten Vorschläge, und war nicht wenig erstaunt, als der Vorsitzende im Namen des Vorstandes einen Antrag stellte, der einen so entschieden polizeistaatlichen Charakter an sich trug, als ob das gestürzte System noch in schönster Blüte stände. Er beantragte nämlich: es sollte die Gemeinde im Wege der Petition sich von der Regierung die Erlaubniß erbitten, aus ihrer Mitte eine Kommission von 25 Mitgliedern wählen zu dürfen, welche eine neue Gemeindeverfassung zu entwerfen und diesen Entwurf der Regierung zur Bestätigung vorzulegen habe. — Man traute seinen Ohren kaum, und es erhob sich sogleich ein heftiger Widerspruch gegen diesen servilen Vorschlag. Mehrere Redner traten auf, unter denen sich besonders Herr Rudolf Bamberger auszeichnete. Dieser modisizirte den Antrag des Vorsitzenden, resp. des Vorstandes, dahin, daß die Gemeinde ohne vorherige Erlaubnißeinholung der Regierung eine Kommission zu dem angeregten Zwecke wählen solle und begründete seinen Antrag einiach dadurch, daß die errungene selbstständige Bewegung der Gemeinden jenen vorgeschlagenen Schritt an die Regierung ganz unnöthig mache. Man schritt zur Abstimmung, bei welcher der Vorsitzende gegen allen parlamentarischen Takt über seinen Vorschlag zuerst abgestimmt wissen wollte, welches Ansinnen aber mit überwiegender Majorität abgewiesen und der Antrag des Herrn R. Bamberger angenommen ward. Es wurde dann ferner beschlossen: daß die zu wählende Kommission die Gemeindeverfassung zwar selbstständig zu entwerfen, aber jedem Mitgliede der Gemeinde diesen Entwurf zur Begutachtung mitzutheilen, nach den gemachten Bemerkungen den Entwurf zu revidiren und die Verfassung dann endgilrig festzustellen habe. Schließlich wurde die Wahl der Kommission der Leitung des Vorstandes überlassen. Wir freuen uns aufrichtig, daß unsere jüdische Gemeinde endlich aus ihrer Lethargie sich ausrüttelt und hoffen, sie werde Alles aufbieten, damit das demokratische Element in der zu wählenden Kommission vorherrsche, und nicht der Geist des Vorstandes, der sich mit großer Vorliebe zum Polizeistaat, so wie zu den Ansichten des hiesigen Bürger- und Piusoercins hinneigt, in derselben Wurzel fasse. Dreifach (Baden), 25. Februar. (Privatmitth.) Sie haben in No. 3 der A. Ztg. d. Jud. d. I. die sämmtlichen Zirkulare des s. g. Komitö zur Auflösung des Oberraths der Oeffentlichkeit übergeben. Es wird daher gewiß am Platze sein, zu erfahren, welche Würdigung diese Machwerke bei den Synagogenräthen und Gemeinden fanden. Ich erlaube mir daher, anderseits eine Abschrift einer solchen Entgegnung Seitens des Synagogenralhs einer schlichten Gemeinde des Oberlandes hier beizufügen, deren Veröffentlichung um so interessanter wäre, als unstreitig die darin offen ausgesprochenen Ansichten durchgehends die der großen Mehrheit aller Israeliten Badens sind; einige Gemeinden aber, die von dieser Antwort Kenntniß erhielten, nur deshalb sich derselben nicht änschloffen, weil sie 11*

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