Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1849)
- Date
- 1849-03-12
- Page
- Seite 143 (sequence 7)
- Language
- German
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143 wird schlagt es aus ... toca»! und verläßt den Gott, der es gemacht. Der Staat hat's uns überlassen, unsere religiösen Interessen selbst zu wahren, unsere Gemeindeverhältniffe selbst zu ordnen; nun, sollen wir Schuld sein, wenn das Band immer lockerer wird und endlich ganz zerreißt? Soll der heilige Tempel des Glaubens durch uns selbst zerfallen und in den Staub sinken? soll uns denn treffen der donnernde Borwurf des Propheten: „Deine Zerstörer und Deine Berheerer, Juda, erstehen aus Deiner Mitte"? Nein, Brüder, Israeliten, das können wir nicht wollen! Nein brz.^w^ yibt* Nb noch ist Israel nicht verwaist! Die Liebe für Judenthum ist noch nicht ganz geschwunden, sie lebt noch in vielen Geistern! Wolan denn, im Namen des Einig-Einzigen, den wir bekennen; im Namen der Tora, des heiligen Erbes der Gemeinden Jeschuruns; bei den Schatten unserer Hingeschiedenen Väter und Mütter mahne ich Euch: Beherzigen wir's, daß mit der Auflösung der Gemeindeverbände auch die heiligen Anstalten der Gemeinde, Gotteshaus, Schule u. s. w. ihrem Verfall entgegengehen; beherzigen wir's, daß das Wohl derGemeinde nur auf dieTheilnahme,ausdiethatkräftigsteTheilnahme Aller, auf Einigkeit, Wahrheit, Recht und Frieden gegründet ist. O eignen wir uns Gemeinsinn an, der stolz darauf ist, wenn die Gemeinden und ihre Institute blühen und gedeihen, der stolz darauf ist, seine Kräfte dem allgemeinen Wohle widmen zu können, und bauen wir an dem Heiligthum der Gemeinde, an dem Heiligthum der Religion, an dem Heiligthum unseres Lebens und Gott wird seine Hilfe senden, wie er Israel geleitet Nb^ des Nachts, durch die finstern Jahrhunderte der Knechtschaft ivre mit der Feuersäule seiner Gnade, so wird er es auch leiten nai-1 am Tage, am lichten Tage der Freiheit mit der Wolkensäule des Glaubens." So weit unsere Predigt. O möchte man doch dahin wirken, daß bald Etwas geschehe, daß der Bruch nicht zu groß werde; möchten die Parteien, die sich sonst so schroff gegenüber stehen, wenigstens hierin einig sein und zusammen wirken; möchte man doch an allen Orten die in dieser Hinsicht so beachtenswerthen Vorschläge des Herrn Red. dieser Z. prüfen und zu deren Ausführung schreiten — dann werden die Erfolge gewiß segenbringend sein, denn auch hier gilt: ‘ifjüb reyn araw ib -p^oa. SB—U. Wien, 28. Februar. Die Auswanderung nach Amerika aus allen Ständen und Provinzen Oesterreichs nehmen überhand; besonders im Handwerkerstande und der isralitischen Bevölkerung Böhmens. —. Bei dem Reichstag liegt eine Petition von 125,000 Tyrolcrn, keiner andern Religion als der römisch-katholischen die öffentliche Ausübung zu gestatten. —. Wenn man die geistreiche Weise, wie die bürgerliche Gleichstellung der Konfessionen besprochen wird, kennen lernen will, so lese man „den österreich. Korresp. aus Olmütz" (das Regierungsblatt). Da heißt es: „Man will wissen, daß die Emanzipation der Juden im Reichstage durchgehen wird. Wir wünschten, daß sich dieses Volk einer solchen Thal würdig bezeige. Uns ist es einerlei; den Juden, den seine Bildung emanzipirt hatte, hielten wir immer in denselben Ehren, wie jeden andern Mann von Ehre; die Uebrigen, sie mögen emanzipirt werden oder nicht, bleiben Juden in unseren Augen, so lange sie wirklich mehr Juden als Patrioten sind." Freilich hielten sie den gebildeten Juden stets in Ehren — d. h. Nachtwächter ließen sie ihn nicht werden; und die große Masse der Juden, nun die betrachtete man als Leute, die, in die engsten gewerblichen Schranken geschmiedet, dennoch mit Sondersteuern belastet wurden. O, die verächtlichen Leute, die den Juden verächtlich behandeln, nachdem sie ihn anderthalb Jahrtausende ausgestoßen und bedrückt haben! Kremfier, 22. Februar. Es wird die Verhandlung über die Grundrechte fortgesetzt und die Spezialdebatte über §. 14 eröffnet. Dieser Paragraph lautet im Entwürfe der Kommission: „Keine Religionsgcscllschaft (Kirche) genießt vor anderen Vorrechte durch den Staat. Niemand kann zu religiösen Handlungen und Feierlichkeiten überhaupt oder insbesondere zu den Verpflichtungen eines Kultus, zu welchem er sich nicht bekennt, vom Staate gezwungen werden." 15 Redner sind gegen und 12 für eingeschrieben. Haßlwanter (aus Tyrol) weist in einer langen und langweiligen Rede nach, wie die katholische Kirche durch den Absolutismus förmlich zu einer Polizeianstalt verwendet worden, und beansprucht