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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-12 · Heft 11 (12.3.1849) · p. Seite 141

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 11 (12.3.1849)
Date
1849-03-12
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
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141 gehe, indem es nach meinem Bedünken nicht sehr räthlich ist, damit so lange zu warten, bis die preußische Verfassung vollendet und sanktionirt ist; denn es laßt sich, wie die Herren Aeltesten in Berlin richtig bemerken, nicht eher etwas Gemeinsames unternehmen, bis die einzelnen Gemeinden, wenigstens durch ein provisorisch eingeführtes Statut einen Rechtsboden gewonnen haben. Also frisch an's Werk und der Segen kommt von oben! Von dem Gemeindewesen wende ich mich, um nicht langweilig zu werden zur Politik; denn so wie es früher hieß: min Nba mns '"i ‘jV’ ich, so darf jetzt Nichts gesprochen und geschrieben werden, wo nicht wenigstens einige Worte Vorkommen, die eine politische Färbung haben. Das erste Gebot heißt heutzutage: Sei politisch! Mein politisches Glaubensbekenntniß als Urwähler außer Diensten hier abzulegen, halte ich für überflüssig, weil die Wahlen schon vorbei und ich also weder für die erste, noch für die zweite Kammer gewählt werden kann. Reichsminister zu werden lohnt jetzt auch nicht sehr, weil diese Herrschaft sehr viel Aehnlichkeit hat mit der eines jüdischen Gemeindevorstehers, oder mit der jüdischen M elucha an den beidenPeßachabenden, die, was beiläufig bemerkt, auf den Wunsch freundlicher Regentinnen, von jetzt ab eine rein konstitutionelle sein wird, und endlich weil die deutsche Einheit uneinig — eine Zwei- oder Dreieinigkeit zu werden scheint. Nur ein Glück steht noch offen: Mitarbeiter oder wenigstens Korrespondent der neuen preußischen Zelom-Zeitung zu werden. Aber dafür bedanke ich mich schönstens, weil, wie man mit Grausen vernimmt, der Redakteur derselben einen — Teufel zum Mitarbeiter haben soll, was auch die Ursache ist, daß dieses mit so vielen arseniksüßen, teuflischen Artikeln und Artikelchen angefülltc Blatt mit einem Kreuze versehen ist. Nein, das sei fern von mir; in dem Pfuhle dieses Judenhaß und Judenfeindschaft predigenden Blattes herumzuwaden, das gönne ich den lieben Judenfeinden und Judenfressern, damit sie Gelegenheit finden ihren racheschnaubenden Durst zu löschen und ihrer bitterbösen Galle Luft zu machen. Ich weiß nur nicht, wie es wahrheitsliebende und gläubige Christen dulden können, daß dieses Blatt es wagt, das was ihnen Symbol des Heiligsten ist, an der Stirn zu tragen. Ich weiß nur nicht, wie Viele, die sich Lehrer Christi, Verkündiger der Liebe nennen, sich unterstehen können, offenbar Judenhaß und Intoleranz zu predigen. Also damit wollt Ihr Eurer Religion dienen, damit wollt Ihr Eure Religion verherrlichen, daß Ihr Andersglaubende verurtheilt und die alten Vorurtheile heraufbcschwört? Wißt Jhr's nicht, daß wenn man Haß und Gift säet, man Fluch erndtet! Merket und beherziget doch die Worte eines edeln Mannes (Baron v. Görtz): Kränket die Leute nicht, verfolgt sic nicht, beraubt sie nicht ihrer bürgerlichen Rechte, ihrer Freiheit, wenn sie schon nicht an die unbefleckte Empfängniß Maria's, an das Konzilium von Trient, an das heilige Haus von Lvretto, an die Jnfallibilität des Papstes, an die Blutwallung des heiligen Januars glauben, keine Seelenmessen singen lassen, und Voltaire, Lessing, Wieland, Herder, Göthe u. lieber lesen als Thomas von Aguin, als Mels Posaune der Ewigkeit, Steiners Geschrei um Mitternacht. Seid tolerant, seid Verkündiger der Liebe!" — Doch genug davon, ihr Stündchen wird auch schlagen! In hiesiger Gegend, namentlich in Hinterpommern ist das Verhaltniß zwischen Juden und Christen unter den Bürgern ein sehr freundliches; nur das Junkerthum und viele Beamte und Geistliche zeigen sich den Juden feindselig. Wahrend z. B. in Stolp unter fünf Geistlichen auch nicht Einer zum Wahlmann gewählt wurde, ward es Herr Dr. Klein mit großer Majorität. Derselbe war auch von der demokratischen Partei zum Abgeordneten für die erste Kammer vorgeschlagen und würde es auch geworden sein, wenn nicht die Konservativen den Sieg davon getragen hätten. Nun genug politisirt. Zum Schluß erlaube ich mir noch einige Bemerkungen. Zuerst wünsche ich, daß man doch die von dem Herrn Redakteur gegenwärtig erlassenen Briefe in Betreff dieser Zeitung, deren Besorgung an die Gemeinden Pommerns, Ost- und Wcstpreußens ich mich gern unterzog, berücksichtigen möchte; daß man bedenken möchte, „daß das Judenthum, abgesehen von den religiösen Jnieressen, jetzt zwei schwierige Punkte vor sich hat: zuerst daß die verfassungsmäßig erlangte Freiheit auch wirklich das Leben durchdringe; dann die Neugestaltung der Verhältnisse innerhalb der Gemeinden. Beide Gegenstände bedürfen eines kräftigen Organs und ist cs heilige Pflicht, für den Fortbestand eines Solchen nach Kräften zu sorgen. Mit Bezug auf den Artikel aus der Neu mark in No. 8 d. Bl. kann ich die Bemerkung nicht unterdrücken,

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