Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1849)
- Date
- 1849-03-12
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Rechte tüchtig für die beiden Kirchen fischen. Es zeigt sich darin abermals die völlige innere Zersetzung der preußischen Juden, daß diese nicht vermochten einen tüchtigen Juden in die Kammer zu senden, wie die Galizier Mannheimer, die Krakauer Meiseles nach Kremsier sandten. Im Großherzogthum Posen hätte mancher Kreis es vermocht, aber verdammt, wie dürfen sich denn Juden jüdisch zeigen! Das wäre noch schöner. Nein! die dürfen noch viel eher an die Interessen der Kirche denken, als an die des Judenthums. Im Gegentheil. Wäre es auf die Juden angekommen, so säßen jene drei Herren auch nicht in den Kammern. Denn das kann ich auf die Ehre eines ehrlichen Korrespondenten versichern, an mehreren Orten, wo Juden auf der Wahlliste der Abgeordneten standen, haben gerade Juden am Meisten dagegen intriguirt; ich weiß einen Provinzialort z. 33., wo Ihr Name, Herr Redakteur, auf den Lippen sehr Vieler war, und wo der jüdische Kantor loci Haus bei Haus gegangen ist, um Sie als rothen Republikaner zu verschreien — natürlich war er dafür bezahlt. So zersetzt ist das Judenthum der preußischen Juden, und Sie, mit Ihrem großen Schatz an Hoffnung, werden mir doch zugeben, daß da wenig Gutes zu erhoffen ist. Anklam, 26. Februar. sPrivatmitth.) Hier ist folgendes Schreiben eingegangen: „Nach einer Mittheilung des Herrn Ministers der geistlichen Angelegenheiten vom 15. d. Mts. haben Se. Maj. der König zu bestimmen geruht, daß am Tage vor der Eröffnung der Kammern, Sonntag den 25. d. Mts. in allen Kirchen des Landes dieses für das gesammte Vaterland so wichtigen Ereignisses in angemessener Weise gedacht, auch an diesem Tage und für die Kammern in das allgemeine Kirchengebet eine besondere Fürbitte für den göttlichen Segen und das Gedeihen ihrer Arbeiten ausgenommen werde. Den Magistrat setze ich hiervon mit der Veranlassung in Kenntniß, hiernach das Erforderliche an den geistlichen Vorstand der dortigen jüdischen Gemeinde zu verfügen und demselben den beiliegenden, von dem Herrn Minister mir mitgetheilten Entwurf eines Formulars für die gedachte Fürbitte zur Benutzung zu empfehlen. Stettin, den 19. Februar 1849. Der Oberpräsident Bon in." In Folge dieses Schreibens fand nun am Sonntag den 25. c. in hiesiger glänzend erleuchteten Synagoge ein von unserm Lehrer und Prediger Herrn Wedelt angeordneter, feierlicher Gottesdienst statt. Nach Beendigung des gewöhnlichen Morgengebetes wurde Ps. 85 gesungen, worauf Herr Wedelt in einer sehr gehaltvollen Rede über Vers 9—14 desselben Psalms mit Erfolg nachwies, wie diese Stunde in ihrer wahren Bedeutung aufgefaßt, für uns sei eine Stunde der Erhebung, der Mahnung und der Gottesweihe. Zum Schluß wurde Ps. 61 gesungen. Die Predigt fand ihres gediegenen Inhalts wegen eine um so größere Anerkennung, je weniger Zeit der Redner auf die Ausarbeitung derselben verwenden konnte*). Hoffentlich wird Herr Wedelt die von vielen Seiten an ihn gerichtete Bitte, die Predigt dem Druck zu übergeben, recht bald erfüllen, und ich werde dann speziell auf dieselbe zurückkommen. Dr. Kirschstein. Unna (Westphalen), im Februar. (Privatmitth.) Der Sprechsaal für die „Debatten über die jüdische Volksschule" ist seit einiger Zeit spärlich besucht worden, und vergeblich hoffte der Zuhörer auf den Eintritt eines Redners, dessen Worte seinen Jdeengang erweitert, gesichtet und geläutert hätten und an welche er den Prüfstein der eigenen Kritik legen und durch genaues Abwägen des pro und contra fortwährend in anregender Geistesthätigkeit seinen Gegenstand beleuchten konnte — die Sitze blieben leer. Nichtsdestoweniger glaube ich, daß die Resultate der jüngsten Zeit vielfachen Stoff zu Erörterungen in Bezug auf das Schulwesen gegeben. Betrachten wir zunächst das jüngste uns dargereichte Geschenk (?), den Versassungsentwurf vom 5. Dezember p., das Fazit unserer Errungenschaften. Ohne uns in weitere Erörterungen über die endlich zur Reife gelangte Frucht, neben welcher freilich noch manche in der schönsten Entfaltung begriffene Blüte von unvorsichtiger Hand geknickt zu sein scheint, einzulaffen, wollen wir es hier nur versuchen das auf das jüdische Schulwesen Jnfluirende hervorzuheben. Insofern nun dieser Entwurf auch die jüdischen Lehrer, konsequent der feststehenden Gleichberechtigung aller Konfessionen, für die in Aussicht *) Die Verfügung des Oberpräsidenten vom 19. kam erst am 22. v. zur Kenntniß des Vorstandes.