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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-03-12 · Heft 11 (12.3.1849) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 11 (12.3.1849)
Date
1849-03-12
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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138 mit ihren 800,000 Juden. Es wäre ein großartiges Schauspiel, viel großartiger als 1790 in Frankreich, wenn Oesterreich, das aus so vielen Nationen bestehende Oesterreich mit Einem Male das große Wort der Erlösung über alle seine Grenzen ausspräche, und somit den Gtaubenszwang bis an die russischen Marken zurückdränge! Erst an diesem Tage könnten wir der Sicherheit uns erfreuen, erst dann sprechen: die neue Zeit ist da! Allerdings hat der Reichstag zu Kremsier bei der ersten Lesung der österreichischen Grundrechte die §§. 13 und 14 so angenommen, daß für den §.16 Nichts zu fürchten ist. Welche Bedeutung wird aber dieses Votum des Reichstags haben? Dies ist noch sehr dunkel. Werden nicht Ereignisse schwerer Art dazwischen treten? Werden nicht wesentliche Veränderungen dieser Paragraphe von ihm gefordert werden? Wird die Regierung damit übereinstimmen? Werden die verschiedenen Nationen sie annehmen? Ja, wird sich vielleicht ein Sturm dagegen erheben, der noch härter trifft? Dies sind die Zweifel, die unsere Brust beschleichen, erfüllen, nicht zur Ruhe kommen lassen. Verhehlen wir es uns nicht, die Verhältniffe sind in Oesterreich noch so schwierig, zuerst der Nationen unter sich, dann Oesterreichs zu Deutschland, der Kombinationen und Zwischenfalle sind noch so viele möglich, und die wirkliche Ordnung in den Glaubens- und Kirchensachen hangt so wesentlich von der Ausgleichung der staatlichen und Völkerverhältnisse überhaupt ab, daß wir an ein Sicherung jener vor der Beruhigung dieser nicht glauben können. Wer sagt uns denn, daß die europäische Welt nicht noch großen Stürmen entgegengeht? Sind die revolutionären Bewegungen schon zu Ende? Und wenn sie nochmals erwachten, würde dann die Reaktion nicht einen so totalen Sieg, verlangen, daß die jungen konstitutionellen Gebilde davor in Staub zerfielen, und mit ihnen die junge Glaubensfreiheit? Man sage nicht, wir sähen schwarz. Man muß auf Alles gefaßt sein, um das Bessere desto freudiger zu genießen, und desto nutzreicher zu verwenden. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Breslau, 13. Februar. Die russische und die preußische Regierung erhoben früher bei dem Eintritt von Juden aus dem einen in das andere Gebiet eine Abgabe unter dem Namen „Lagezettelsteuer". Jetzt ist diese Steuer auf unserer Seite abgeschafft. Die russische Regierung fahrt fort, von den Juden bei dem Uebertritt in das Königreich Polen besondere Abgaben zu erheben. Berlin, 1. März. (Privatmitth.) Die Thronrede enthält folgende bedeutsame Stelle: „Um die durch die Berfaffungsurkunde ausgesprochene Selbstständigkeit der verschiedenen Religionsgesellschaften zu verwirklichen, sind die erforderlichen Einleitungen getroffen, und wird damit so schnell, als es die Wichtigkeit des Gegenstandes irgend gestattet, vorgeschritten werden." Man weiß, daß diese Selbstständigkeit bereits mehrfach der katholischen Kirche ertheilt, daß für die evangelische Kirche bereits eine besondere 'Abtheilung im Ministerium eingerichtet worden. Man will die Kirche in die prinzipiell ftstgestellte Freiheit vom Staate nicht hilf- und rathlos Hineinstoßen. Will man aber auch dasselbe für die Synagoge thun? Es ist noch keine Spur sichtbar, noch kein Laut hörbar geworden. Und doch wird der Staat nicht umhin können, sich auch sein Verhältniß zur Synagoge bewußt zu machen. Die Zeit des Befehlend und Jgnorirens ist gleicherweise vorüber. —. Die diesmaligen Kammern haben noch weniger Juden in ihrem Schooße, als die ehemalige Nationalversammlung; die erste einen, den Geheimrath Wilh. Beer, die zweite zwei, Jakoby und Kosch. Das macht nicht einmal so viel, wie in numerischem Verhältniß auf die Juden käme, in der zweiten 5, in der ersten 2. Man ersieht daraus, daß jene Furcht der vormärzlichen Kammermenschen, daß, sobald sie den Juden den Eintritt in die Parlaw.enter gestalten, diese von jenen überschwemmt werden, eine sehr eitle und nur eine der Seifenblasen war, welche aus verdorbenen Seelen immer emporsteigen. Auch darin hat sich die allgemeine Meinung nicht bewährt, daß gerade die Juden zudringliche Vielredner sein würden, denn sowol die in Berlin als auch in Frankfurt gehörten zu den schweigsameren Mitgliedern. Jndeß wäre es für das Judenthum höchst bedeutsam gewesen, einen tüchtigen Vertreter seiner Interessen in den preußischen Kammern zu haben. Denn die genannten drei Herren sind sämmtlich antikirchlich, und werden aus Prinzip das Judenthum schutzlos lassen, wenn Regierung und

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