Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1849)
- Date
- 1849-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XIII. Jahrgang. No. 11 Allgemeine Zeitung -es Z«-cnthums. Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philipps««, Rab biner zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 12. März 1849. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22| Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspcdition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Lage. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Breslau, Berlin, Anklam, Unna, von der Peene, Anklam, Wien, Kremsier, Kremsier, Prag, Mainz, Breisach. Ungarn und Galizien: Pesth, Lemberg. Literarische Nachrichten r Magdeburg. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Schreiben an einen jungen Maler unsers Glaubens. Leitender Artikel. Magdeburg, 5. März. - Die Lage. So hat denn allerdings jener unsaubere Geist „Glaubenszwang", „bürgerliche und politische Beschränkung der Juden", sein fast 60jahriges Standquartier am Rheine verlassen, und ist weiterhin nach Osten zurückgewichm, obschon er im Augenblick nicht so recht weiß, wo er, und sei es auf einige Zeit nur, wieder festen Fuß fassen könne. Es scheinet ihm sehr sauer zu werden, die herrlichen deutschen Fluren verlassen zu sollen, auf jenen köstlichen Bergen keine Burgen, auf den fruchtbaren Tristen keine Weiden, unter den hochragenden Eichen keinen Schatten mehr zu haben. Er sieht sich daher überall um, ob er im Herzen des deutschen Vaterlandes nicht irgendwo noch eine bleibende Statte gewinnen könne; in jedem Lande, in jedem Orte, weilt er so lang er vermag, ob nicht irgend eine kräftige Hand ihn fassen und in alter Liebe ihn festhalten werde; und so weicht er nur zögernd aus einem Landstrich nach dem andern, immer wiederholend: „auch du, mein theures ... auch du, mein alt ehrenfestes . . . k." Aber es muß geschieden sein. In der jüngsten Zeit sahen wir in Sachsen durch die künstliche Emballirung des betreffenden Artikels der deutschen Grundrechte von Seiten des Ministeriums die Gleichstellung der Juden verneint. Das Ministerium siel; die Kammern entschieden die ünverweitte und unverkürzte Publizirung der Grundrechte; das neue Ministerium übernahm diese; und so wird jener Dämon auch aus Sachsen, diesem ihm so innig ergebenen Lande, weichen müssen. So ist es zunächst Baiern, welches noch Widerstand leistet. Hier, wo das Volk von Beginn an sich nur sehr lau der Vernichtung des Glaubenszwanges angenommen, wo daher nur eine „Verbesserung" versprochen, angekündigt, nicht erfüllt, nochmals angekündigt, und wahrscheinlich abermals nicht gehalten wird, hier, wo die deutsche Einheit am Meisten Widerspruch findet, weil die Regierung den Vertust von Selbstständigkeit, das Volk das preußische Uebergewicht, die Gewerbtreibenden den Wegfall des Monopols fürchten, hier ist es vor Allem schwierig, die deutschen Grundrechte zur Anerkennung zu bringen, und damit auch die Gleichstellung aller Konfessionen. Die nächste Zukunft ist hier noch dunkel. Dann folgt die große österreichische Monarchie