Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1849)
- Date
- 1849-03-05
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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133 Literarische Nachrichten. Magdeburg, 1. Februar. Bibliotheca judaica. Bibliographisches Handbuch der gesammten jüdischen Literatur mit Einschluß der Schriften über Juden und Judenthum und einer Geschichte der jüdischen Bibliographie. Nach alphabetischer Ordnung der Verfasser bearbeitet von vr. Jul. Fürst, Lehrer an der Universität zu Leipzig. Erster Theil ^—H. Leipzig, 1849. Sicherlich ist es ein verdienstliches Unternehmen, für das wir Verfasser und Verleger Dank wissen müssen, in unserer Zeit ein bibliographisches Werk so großen Umfangs (dieser erste Band kostet 4 Thlr., der zweite erscheint Ende 1849, der dritte und letzte Theil im nächsten Jahre—) ari's Licht zu fördern. Daß damit einem großen, längst empfundenen Bedürfniß abgeholfen wird, brauchen wir nur anzudeuten. Der Verf. sagt im Vorwort: „Das vorliegende Handbuch umfaßt in seiner Oekonomie die bibliographische Darstellung der gesammten Erscheinungen der jüdischen Literatur, insoweit dieselben seit der Erfindung des Büchecdrucks durch die Presse bekannt geworden, und in dieser Umgrenzung liegt natürlich die Ausschließung einer bibliographischen Beschreibung der viel reicheren Schätze der Handschriften, welche später eine besondere Bearbeitung finden werden. Die Schriften über Juden und Judenthum von nicht-jüdischen Verfassern, da Solche für die gesammse jüdische Literatur, namentlich für die der altern Zeit, von großer Bedeutung sind, habe ich in getroffener Auswahl aufzunehmen für rathlich gehalten, zumal sie in einer Geschichte der jüdischen Literatur nicht unbeachtet bleiben können." Der Verf. harte aber einen doppelten Zweck: „einmal sollten alle Erzeugnisse des jüdischen Geistes auf jedem Gebiete der Wissenschaft, und dann alle nichtjüdischen Schriften über Juden und Judenthum, die sich aber nur über bestimmte Kreise der Wissenschaft .ausdehnen, vorgeführt werden. Es ist also natürlich, daß in der bibliographischen Beschreibung der Schriften jüdischer Autoren weder irgend eine Wissenschaft ausgeschlossen wurde, noch irgend eine Schrift darum unerwähnt geblieben, weil sie in einem dem Orientalismus fremdländischen Idiome abgefaßt ist." Rechten möchten wir jedoch mit dem Vers., warum er, wie er allerdings selbst angiebt, die Erzeugsie 15 Jahre Kaufleute der ersten oder zweiten Gilde sind, nach Vorstellung des hiesigen Gerichts der allgemeiuen Aufsicht, mit dem Recht des erblichen Ehrenbürgers, und Letztere mit Medaillen nach Einsehen des Ministers des Innern belohnt werden. Korresp. nisse neuerer jüdischer Schriftsteller auf dem Felde der schönen Wissenschaften ausgeschlossen hat, da es doch jedenfalls so viel intecessirt, die, das Judenthum nicht betreffenden, belletristischen Arbeiten Auerbachs aufgeführt zu sehen, wie ob ein Jude ein Rechenbuch geschrieben. Im Uebrigen ist das Werk mit vielem Fleiße und großer Ausdauer abgefaßt, und in Anmerkungen auch viele biographische Notizen gegeben. Zu den hebräischen Titeln ist immer eine kurze Inhaltsangabe gefügt, was höchst schätzenswerth ist. Mag das Werk der Vollendung zureifen! Abhandlungen verschiedenen Inhalts. IV. Aachen, im Februar 1849. Jüdisch-soziale Fragen. Vierter Artikel. Uebev das Armenwesen. Wenn bei der bevorstehenden neuen Organisation der jüdischen Gemeindeverhältniffe irgend ein Gegenstand dringend der Berücksichtigung bedarf, so ist es unstreitig das Armenwesen. Die schöne Tugend der Mildthatkgkeit, welche seit Jahrhunderten das Eigenthum der Juden war, wohin hat ihr Mißbrauch doch geführt! Wie viele Tausende Thaler werden Jahr aus Jahr ein in Groschen und Pfennigen an umherziehende arbeitsscheue Bettler der verschiedensten Gattung vergeudet und wie Großes ließe sich mit diesen Summen ausführen, wenn man sie auf eine zweckmäßige Weise zum Wohle der ehrbaren Dürftigkeit verwendete! Mustern wir doch einmal in Gedanken das Völkchen, welches uns Tag für Tag zu brandschatzen pflegt. Da sehen wir zunächst zwei kräftige Kerle mit Knotenstöcken herantreten; sie sind sonnverbrannt von der weiten Reise, ihr Blick ist eher ein fordernder als ein bittender. Wehe Euch, wenn Ihr die Gabe klein bemeßt; Ihr werdet eine in den Bart gemurmelte Verwünschung, anstatt des Dankes, einstecken. — Ihnen folgen auf dem Fuße zwei mehr schmutzig als zerlumpt aussehende Weiber. Die Jüngere, mit dem Säugling an der Brust, hat rührend schöne Züge, wahrend die andere, einen Knaben von sechs Jahren an der Hand, einer Zigeunerin I nicht unähnlich ist. Ihr seht ganz deutlich, daß diese 10*