Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1849)
- Date
- 1849-03-05
- Page
- Seite 131 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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131 gegenüber, erinnern, daß im vorigen Jahre dieselben Aufforderungen, namentlich von Sir Robert Jnglis, ergingen, und gerade den entgegengesetzten Erfolg hatten: Hunderttausende von Unterschriften gingen für, nur Zehntausende gegen die Bill ein. London, 17. Februar. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses drückte Lord John Ruffel auf eine Anfrage Herrn Walpole's die Hoffnung aus, daß nächsten Montag die Geschäfte des Hauses ihm noch Zeit übrig lasten würden, seine Vorschläge zur Aenderung des jetzt giltigen Parlamentseides vorzubringen (wobei es sich bekanntlich um Zulassung der Nichtchristcn zum Parlament handelt). London, 20. Februar. Im Unterhause beantragte Lord John Ruffel ein Komite des ganzen Hauses zur Berathung des von den Mitgliedern beider Parlamentshäuser zu leistenden Eides. Das Oberhaus habe die im vorigen Jahre von ihm eingebrachte Bill verworfen und er schlage nun vor, daß das Haus diese Eide revidire, die keinesweges bloße Meinungserklärungen seien; sie seien Mittel zu dem Zwecke, die gehörige Erfüllung der den Mitgliedern des Hauses obliegenden Pflichten zu sichern. Wenn sie jedoch Punkte enthielten, welche unnöthig oder zweideutig seien oder irgend einem Unterthan ungebührliche Beschränkungen auferlegten, so bedürften diese Eide der Erwägung des Hauses zum Zwecke ihrer Abänderung. Der Minister verlas nun und erläuterte die verschiedenen Eidesformeln, deren letzte, der Abschwörungseid, die Person, welche ihn leistet, verpflichtet, daß er dies „auf den wahren Glauben eines Christen" thue. Er behauptete, wie er schon voriges Jahr gethan, daß sie kein Recht hätten, irgend einen Unterthan auszuschließcn, ausgenommen aus dem Grunde, daß derselbe Meinungen hege, welche ihn unfähig, ein Mitglied dieses Hauses zu sein, oder inkompetent, seine Pflichten als Solches zu erfüllen, machen würden. Solche Ausschließung sei eine grausame Verfolgung und nach Zulassung der Katholiken in's Parlament würde sie gegen die jüdischen Mitunterthanen eine arge Gehässigkeit sein. Der Minister schlug sodann vor, daß die Worte „auf den wahren Glauben eines Christen" aus der Formel des einem Mitgliede jüdischer Religion abzunehmenden Eides weggelaffen werden sollten. Herr Goulburn erklärte, daß er sich dem Anträge, in's Komite zu gehen, nicht widersetze, wol aber dem Grundsätze des Ruffel'schen Vorschlages, weil er die Zulassung von Juden in's Parlament als gefährlich für die christliche Religion betrachte. Nachdem noch mehrere Redner für und gegen gesprochen hatten, ward der Antrag Lord I. Russel's mit 214 gegen 111 Stimmen genehmigt. Das Haus saß demgemäß als Komite und der Premierminister übergab seinen Vorschlag dem Vorsitzenden. Die weitere Berathung ward auf Freitag festgesetzt. (Bei den Verhandlungen im vorigen Jahre erlangte die Bill in diesem Stadium bei 253 gegen 186 Stimmen eine Majorität von 67 Stimmen, diesmal 103 Stimmen Majorität, was ein günstiges Omen. Red. d. A. Z. d. Jud.) London, 24. Februar. Unterhaus. Sitzung vom 23. Nach Ankündigung mehrerer Anträge, und Berührung einiger Angelegenheiten von untergeordneter Bedeutung hielt das Haus die auf heute angekündigte Komitesitzung wegen der Eidesformel der Parlamentsmitglieder. Den bekannten Russelschen Antrag wollte zunächst HerrJ. Smith dahinamendirt wissen, daß es vortheilhast sein möchte, außer dem Eide der Treue gegen die Königin alle Eide abzuschaffen. Bei der Uebernahme öffentlicher Aemter dürfe auf keine religiösen Unterschiede Rücksicht genommen werden. Nach kurzer Debatte wurde dies Amendement mit 140 gegen 68 Stimmen verworfen. Die weitere Debatte verlor sich in ziemlich uninteressante Einzelnheiten, in Bezug auf den von den Katholiken zu leistenden Eid, bis endlich die Erlaubniß zur Einbringung der Bill gegeben wurde. — Verschiedene Anfragen über Irland, die erste Verlesung dreier auf dies Land bezüglicher Bills gingen rasch vorüber, und am Schluß wurde die Russelsche Bill über die Parlamentseide zum erstenmale verlesen. Die zweite Lesung kündigte Lord I. Ruffel auf Montag den 16. April an. Rußland. Minsk, 21. Januar. (Privatmitth.) Als kost-' bare Denkmäler stellt uns die Geschichte auch die wohlthätigenAnstalten der hiesigen Juden vor, welche durch Einfluß der hiesigen Notabilitäten und besonders des Herrn Aron Lurie, der schon seit vielen Jahren