Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-26 · Heft 9 (26.2.1849) · p. Seite 123

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 9 (26.2.1849)
Date
1849-02-26
Page
Seite 123 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225616--10024-3240048
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

123 daher ein Erkennungszeichen mitgegeben, welches Dir die Wahrheit meiner Aussagen bezeugen möge." Hiermit holte er das Kleinod, das ihm Rabbi Joseph übergeben, aus dem Busen, und reichte es Juda dar. Juda nahm es, fuhr aber wie vom Blitze getroffen zurück. „Wie?..." stammelte er, „dies bringst Du mir?..." Abraham blickte erstaunt auf Juda. „Was ist Dir, Meister? ... was betrifft Dich?..." „Wer hat Dir dies übergeben, Abraham?. . ." frug Juda wie mit tiefer Wehmuth. „Der blinde Rabbi Joseph; er sagte, daß Ihr es einst nach Zion gesandt zur Ausschmückung einer Tora. Und um Euch nun meiner Person ganz gewiß zu machen, gab man es mir mit...." „Es sei so!" sprach Juda, nachdem er sich gefaßt. „Wisse, Abraham, denn nach dem, was vorgegangen, kann ich offen zu Dir reden, daß dieses Kleinod ein in meiner Familie Jahrhunderte lang vererbtes ist, dessen wir uns in den größten Bedrängnissen nicht entaußerten; ein tief verehrter Lehrer aber, Rabbi Me'ir aus Granada, ein großer Astrologe, theilte mir mit, daß ich dieses Kleinod von mir entfernen sollte, es würde mir dann aber wieder zukommen in einer verhängnißvollen Stunde, in einer Zeit der Entscheidung, die über mein und der Meinigen Geschick auf lange hin bestimmend sein würde. Darum sandte ich es nach Zijon, meinend, daß, wenn eine unheimliche Gewalt in dem Kleinode bestehe, sie am Ehesten von dannen weichen würde an der Statte der Heiligkeit.... Aber es ist über das Meer zurückgekehrt, und in Deiner Hand...." Abraham seufzte. „Und sollte ich auch hier das Werkzeug eines hohem Geschickes sein, ohne daß ich Schuld oder Verdienst trüge?... Rabbi, gebt mir es wieder mit; ich habe ja zu Euch gesprochen, was man mir aufgetragen; meine Sendung ist vollendet; ich will den bedeutungsvollen Edelstein wieder dahin zurücktragen, wo man ihn mir überlieferte. Die Wissenschaft lehrt ja, daß zwar der Mensch sein Geschick abgespiegelt findet in den Bahnen und Konstellationen der Gestirne, aber sie lehrt auch, daß der Mann, der thatkräftige, das Geschick machen hilft. Nicht das Schicksal hängt von den Ster-, nen ab, sondern die Sterne vom Geschicke Gottes ab, und Gott bedient sich der Entschlüsse des Menschen, um das Geschick so zu vollenden, wie Er es entworfen." „Nicht doch, Abraham. Von Schuld kann keine Rede sein. Und daß das Kleinod bei mir bleibe, oder von mir entfernt werde, kann gleichgiltig sein, nun da es doch, wie es sollte, zurückgekehrt ist. Auch wissen wir ja nicht einmal, ob jene, mir verkündete Entscheidung nicht eine glückliche sei. Die vechangnißvolle Zeit ist so schon da. Seit langer Zeit hat sich Vieles aufgehäuft, was mir drohet. Ich weiß es, und es ist besser, daß der Knoten gelöst werde. Da bist Du mir denn sehr willkommen, denn der Männer, der treuen, die Einem zur Seite stehen, kann man nicht entrathen. Doch Du hast mir noch nicht einmal Deinen Familiennamen genannt. ..." Abraham fuhr mit der Hand nach dem Herzen. Er senkte das schöne, männliche Antlitz, und sprach: „Laßt mich, Rabbi, noch eine Zeit lang im Dunkel der Niedrigkeit. Ich liebe es, mich durch mich selbst zu heben...." „Ich verstehe Dich nicht ganz, Abraham. Ich fühle, Du stellst Dich so stolz, um vielleicht Andere nicht zu verletzen. Denn sonst paßte dieser Stolz nicht zu Deinem Werthe. Doch ich ehre den Willen Jedes, sobald er seine Person betrifft.... Doch vergessen wir unsere Angelegenheit nicht. Es ist nicht zu verkennen, allem dem liegt ein fein angesponnener Plan zu Grunde. Der König betrauet mich mit den Unterhandlungen mit dem Orden. Der Orden macht den Bestand der heiligen Synagoge zu Jerusalem zum Preise einer Verratherei, die er von mir verlangt. Meinst Du, damit sei die Verwickelung zu Ende? Vielleicht sind Dir die Händel des Königs mit den Bürgern von Sarragoffa bekannt? Diese kühne und tapfere Bürgerschaft will zwar dem Könige huldigen, aber unabhängig bleiben, keine königliche Besatzung, keine Beamten des Königs ausnehmen. Nun, da senden sie heute eine Botschaft an mich, und drohen mir, die Judenschast in ihrer Stadt mit Stumpf und Stiel auszurotten, wenn ich nicht beim Könige für sie wirke. Um dies aber noch verworrener zu machen, tragen mir die Tempelritter für den König an, daß, wenn er sonst ihre Forderungen bewillige, sie von ihrer Burg in Sarcagossa aus einen Ausfall auf die Stadt machen, und sie für den König bändigen wollen. ... Man will also überall den Juden zwingen, an sich zu denken, und seines Königs zu vergessen. Und warum hat der König mir diese Unterhandlungen aufgetragen? Giebr es keine listigeren, schlaueren Hände an seinem Hofe? Ist es reiner Ausfluß des Vertrauens, oder Eingebung eines heimlichen Feindes? Sollte der Orden selbst auf Umwegen es bewirkt haben, weil er über mich Herr zu werden glauben konnte? Oder gehört es mit zu den geheimen Partikeln dieses Ordens, nicht bloß mit dem Schwerte,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.