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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-26 · Heft 9 (26.2.1849) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 9 (26.2.1849)
Date
1849-02-26
Page
Seite 122 (sequence 10)
Language
German
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122 Briefschreibers selbst, welche — wenn sie freilich auch unserm heutigen Geschmacke wenig Zusagen — der damaligen, arabischen und hebräischen Dichtungsweise Ln Form und Ausdruck sehr entsprachen, und eine Meister- Hastigkeit verriethen, entzückten den Leser und machten ihn um so mehr begierig, den geheimnißvollen Boten kennen zu lernen. Mehr als jeder Andere mußte der Dichter den Jünger seiner Kunst zu würdigen wissen, und nun gar Juda Hallevi, dessen große Seele, weit von allem ausschtießenden Neide entfernt, für Alles, was die innere Größe seiner Nation, die geistige Erweckung derselben berührte, noch wie jugendlich schwärmte. Die Pforte des Gemaches öffnete sich endlich, und Abraham stand fest und männlich vor Juda's Stuhl. Nachdem Juda einen prüfenden Blick auf den jungen Mann geworfen, richtete er die Frage an ihn: „Wer bist Du? ..." „Du hast mich schon einmal gesehen, Juda," lautete die Antwort. „Ich stand schon einmal vor Dir, als Du mir das persische Manuskript über den Lauf des Merkurs zur Abschrift übergäbest. Du konntest mein wol vergessen." „Nein, nicht vergessen. Du stehst hier im Schatten, und darum erkannt' ich Dich nicht. Zum Beweise, daß ich Dich nicht vergessen, Du heißest Abraham. Deine Arbeit gefiel mir damals sehr wohl, ich hatte noch wenig so gute, namentlich so korrekte Abschrift erhalten. Ich mußte daraus ersehen, daß Du nicht blos mechanisch abschreibest, sondern sehr genau mit der Sache bekannt seiest. Du machtest sogar einige Randbemerkungen über Jcrthümer des Originals, die mich mit Erstaunen erfüllten. Sie waren so kurz, so energisch und so scharfsinnig, dabei so bescheiden und gut ausgedrückt, daß ich den Urheber kennen zu lernen wünschte; aber als ich nach Dir sandte — ich hatte die Kopie zu durchblicken erst etwas lange nachher Muße —• da warst Du nicht mehr aufzuft'nden. Um so willkommener ist es mir, daß Du mich jetzt aufsuchest, oder vielmehr daß irgend eine Verwickelung des göttlichen Geschickes Dich zu mir führt. Dein Schreiben von heute hat mir abermals eine Seite der Kunst und des Wissens an Dir offenbart, und da Du also mit jenem Abschreiber Abraham eine und dieselbe Person bist, so sei mir herzlich willkommen, junger Mann!" Juda ergriff ihn bei der Hand, und führte ihn zum Divan. Abraham fühlte sich tief erschüttert. Bei allem Selbstbewußtsein, das ihm sein unermüdliches Streben und rastloses Schaffen, so wie die Erfolge seiner ersten Jugend eingeflößt, hatte ihm doch wieder sein trauriges Schicksal, das Fehlschlagen aller Hoffnungen, ja die Verfolgung, der er sich seit seiner frühesten Jugend ausgegesetzt gesehen, so viel Zweifel und so viele Resignation gegeben, daß die Freundschaft, die ihm ein Juda Hallevi entgegenbrachte, wie ein Traum über ihn kommen mußte. Und war nicht JudaHulda's Vater?... Er hatte den herzlichen Druck von Juda's Hand gefühlt-aber war nicht dieser Juda auch der Feind seines Vaters, die Ursache des jähen Sturzes seiner ganzen Familie? Abraham ermannte sich schwer unter dem Andrang dieser Gefühle. Juda hob wieder an. „Was führt Dich zu mir, Abraham? Was bewog Dich, die Schatten der Nacht hierzu zu suchen? Dein Schreiben laßt mich Etwas vermuthen, aber nicht klar sehen." „Als Du mich aufsuchen ließest, Juda, war ich von hier abwesend. Losgelöst von allen Familienbanden, wie ich war, wollte ich weiteren Widerwärtigkeiten entgehen, indem ich mich nach fernen Gegenden begäbe. Wohin anders aber konnte ich da meine Schritte zuerst lenken, als nach dem Gräberfelde unsers Stammes, nach dem heiligen Lande? Und von dort komme ich jetzt zurück. Und allein um Dir Botschaft zu bringen, kam ich zurück. Mögest Du mich nicht für zudringlich halten. Ich bin nicht aus freien Stücken gekommen...." „Und warum nicht, Abraham? Stehe ich unter meinen Gtaubensbrüdern in dem Rufe, daß meine Thüre verschlossen sei für Solche, die zwar arm an irdischen, desto reicher an geistigen Gütern sind?..." „Nein, Juda. Doch lassen wir dies jetzt, und kommen wir zu meiner Botschaft." Abraham berichtete ihm hierauf von dem Zwang, welchen der Großmeister an den Vätern in Jerusalem ausgeübt, um den Brief an Juda zu erpressen, den dieser erhalten; die Rabbiner in der heiligen Stadt sich nicht anders helfen konnten, als dem Befehl des Tempelritters zu gehorchen; wie sie aber ihn an Juda abgesandt, um diesen mit der ganzen Sachlage bekannt zu machen, damit Juda den rechten Entschluß fassen könne, und wie sie ihn um Alles bäten, sich der bedrängten Nation zu erhalten, und vom Pfade der Gerechtigkeit nicht zu weichen. Juda hörte ihm aufmerksam zu, und schwieg noch lange, als Abraham schon geendigt. „Die Vater in Jerusalem," fuhr Abraham fort „konnten sich denken, daß Du einem Dir Unbekannten nicht ein volles Vertrauen schenken werdest; sie haben mir

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